Künstliche Intelligenz hat sich in Rekordzeit vom Nischenthema zum Mainstream entwickelt. 2025 ist die KI-nutzende Bevölkerung zum ersten Mal in der Überzahl: 60 Prozent verwenden KI-Tools mindestens gelegentlich, was etwa 3,8 Millionen Menschen entspricht. Letztes Jahr waren es noch 40 Prozent. Dies zeigt die Studie Digimonitor der Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) und der Wemf AG für Werbemedienforschung.
Das Altersgefälle ist allerdings gross: Bei den 15- bis 34-Jährigen nutzen 79 Prozent. KI, bei den Über-55-Jährigen erst 40 Prozent. Männer nutzen ChatGPT und andere KI-Tools signifikant häufiger als Frauen.
Einkaufsberatung auf dem Vormarsch
Privat kommen KI-Tools etwas häufiger zum Einsatz als im Beruf. Besonders bei Jüngeren (15- bis 34 Jährigen) ist KI am Arbeitsplatz oder in der Ausbildung aber schon weit verbreitet (69 Prozent). Bei den Über-55-Jährigen nutzt erst jeder Vierte KI im Job. Am häufigsten wird KI für das Erstellen von Texten eingesetzt, für Übersetzungen und als Suchmaschine.
Auf tieferem Niveau fast verdoppelt hat sich der Einsatz von KI im grafischen Bereich für das Generieren von Bildern. Rund jede siebte Person (15 Prozent) nutzt KI für Einkaufsberatung, Produktempfehlungen und Shopping – ein Plus von 10 Prozentpunkten gegenüber 2024.
Unter allen Medienformen haben digitale News die grösste Verbreitung. 6,1 Millionen Menschen (97 Prozent der 15- bis 75-Jährigen) lesen mindestens gelegentlich digitale News, mehr als zwei Drittel (4,3 Mio. resp. 68 Prozent) nutzen sie sogar täglich. Die wichtigsten digitalen Newskanäle der jüngeren Bevölkerung sind Social Media und YouTube – 41 Prozent beziehen täglich Newsinhalte über diese Plattformen.
Private News-Anbieter vor SRG
Private einheimische Online-News-Anbieter sind etwas beliebter als öffentlich-rechtliche Angebote. 46 Prozent der Bevölkerung sind täglich auf Seiten wie 20min.ch, blick.ch oder watson.ch unterwegs. Die News-Plattformen von SRF, RTS oder RSI werden von 28 Prozent der Bevölkerung täglich aufgerufen.
Die tägliche Nutzung von Schweizer News-Plattformen ist über alle Altersgruppen bei Männern höher. Digitale News zu konsumieren, ist für die Mehrheit gleichbedeutend mit dem Lesen von Online-Artikeln. Bei der jüngsten Alterskategorie sind Newsvideos allerdings etwas beliebter als Nachrichten in Textform. In der Romandie werden digitale News signifikant häufiger via Gratis-Logins konsumiert als in anderen Teilen der Schweiz.
Instagram bleibt Social Media Nummer eins
Die Social-Media-Nutzung in der Schweiz bleibt konstant hoch. Wichtigste Plattform bleibt Instagram mit einer Reichweite von 4 Millionen Personen (63 Prozent), vor Facebook mit 3,2 Millionen (51 Prozent) und LinkedIn mit 2,7 Millionen (43 Prozent). Snapchat kommt auf 1.5 Millionen (24 Prozent) und TikTok auf 1,4 Millionen (22 Prozent).
Unter allen Social-Media-Plattformen hat X (ehemals Twitter) im vergangenen Jahr am deutlichsten an Reichweite verloren – in der Deutschschweiz reduziert sich die Userzahl um ein Drittel. Konkurrent Threads konnte nur bedingt davon profitieren.
Deutschschweizer schauen mehr fern
Das Fernsehen bleibt ein Massenmedium: 93 Prozent oder 5,9 Millionen Menschen schauen mindestens gelegentlich fern. Der tägliche TV-Konsum hat bei den Unter-35-Jährigen sowie in der französischsprachigen Schweiz abgenommen. Bei den Über-35-Jährigen sowie in der Deutschschweiz nahm der tägliche TV-Konsum hingegen zu. Das Fernsehpublikum wird also tendenziell älter.
Fast zwei von drei Schweizer:innen schauen sich mindestens gelegentlich Sportinhalte an. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist markant: Bei den Männern sind es 73 Prozent, bei den Frauen 57 Prozent. Am häufigsten werden Sportinhalte im TV oder auf Webseiten oder Apps von SRF, RTS und RSI konsumiert. Damit liegen die Sport-Angebote der SRG vor den Webseiten oder Apps privater Schweizer TV-Stationen und ausländischen Pay-TV-Angeboten für Sport.
YouTube auf dem Handy
Der grösste internationale Player im Videostreaming-Geschäft bleibt YouTube. Die Plattform verliert gegenüber dem Vorjahr zwar leicht, erreicht aber immer noch 4,8 Millionen Zuschauer:innen (76 Prozent) – vor Netflix mit 3,4 Millionen (54 Prozent) und Disney+ mit 1,6 Millionen (25 Prozent). Bei den Schweizer Streaming-Anbietern erreicht das Angebot von Play SRF/RTS/RSI am meisten Zuschauer:innen (3,8 Mio.), vor PlaySuisse (1,9 Mio.) und Zattoo (1 Mio.).
Der Bildschirm, auf dem gestreamt wird, verschiebt sich. Erstmals werden Videos häufiger auf dem Smartphone als auf dem TV-Gerät gestreamt. YouTube ist damit vor allem ein Smartphone- und Computer-Phänomen: Von 1,8 Millionen täglichen Nutzer:innen schauen 600'000 (9 Prozent) YouTube auf dem TV-Gerät. Ganz anders beim klassischen Fernsehen: Von 3,6 Millionen täglichen Zuschauer:innen schalten über 2,9 Millionen (46 Prozent) direkt am Fernsehgerät ein. Der grosse Bildschirm bleibt damit fest in den Händen des live und zeitversetzten TV.
93 Prozent der Schweizer:innen streamen mindestens gelegentlich Musik oder Radio, 88 Prozent hören klassisches Radio und 63 Prozent konsumieren Podcasts. Es hören täglich 3,1 Millionen Personen Radio, etwas weniger als im Vorjahr (3,3 Millionen). Kombiniert man die drei Audioangebote, ist praktisch die ganze Schweiz abgedeckt: 6,3 Millionen Hörer:innen (99 Prozent). Eine grosse Mehrheit von 5,1 Millionen (80 Prozent) hört sogar täglich Audioformate.
Gaming legt zu
Die Schweiz zockt immer mehr: 3,6 Millionen Personen (57 Prozent der Bevölkerung) spielen mindestens gelegentlich Games – das ist ein Plus von einer Viertelmillion mehr Gamer:innen (Vorjahr: 3,4 Mio. / 53 Prozent der Bevölkerung). Dabei sind Männer (64 Prozent) und Jüngere (15- bis 34-Jährige: 69 Prozent) deutlich stärker vertreten.
Beim täglichen Gamen sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Alterskategorien allerdings minimal: Fast jeder Vierte aller Frauen, Männer, Jüngeren und Älteren gamt täglich – und das hauptsächlich am Smartphone.
Tessiner stehen auf Temu
Das Smartphone wird auch für Online-Shopping immer wichtiger: 65 Prozent nutzen es fürs Einkaufen im Internet. Damit ist das Smartphone als Shopping-Kanal praktisch gleich wichtig wie Laptop bzw. PC. 35 Prozent der Unter-55-Jährigen haben dabei bereits einmal chinesische Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress ausprobiert. Online-Einkaufen in China ist im Tessin (50 Prozent) und in der Romandie (41 Prozent) verbreiteter als in der Deutschschweiz (27 Prozent).
Beim Shopping im Internet wie auch beim Einkaufen im Laden um die Ecke: Digitale Zahlungsdienste sind erneut beliebter geworden. 95 Prozent der 15- bis 75-Jährigen nutzen sie. Branchenprimus ist Twint (88 Prozent). Ein Viertel der Bevölkerung hat bereits mit Klarna eingekauft.
Die Online-Befragung fand im März bis April 2025 statt. Intervista hat im Auftrag IGEM und der Wemf AG für Werbemedienforschung 1959 Personen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die internetnutzende Schweizer Bevölkerung im Alter von 15 bis 75 Jahren (6,3 Mio. Personen). (pd/spo)





