18.08.2026

Swisscom TV

Felix Graf über die holprige Lancierung

Zum 30-jährigen Bestehen von Blue News erinnert sich der heutige NZZ-CEO an eine turbulente Produkteinführung – und an den Entscheid, eine kultige Marke aufzugeben.
Swisscom TV: Felix Graf über die holprige Lancierung
Felix Graf, heute CEO der NZZ, trieb als Projektleiter bei Swisscom den Aufbau von Swisscom TV voran. (Bild: SwissMediaForum/Severin Bigler)

Felix Graf war bei Swisscom über Jahre für das Internetportal Bluewin sowie die Unterhaltungsdienste des Konzerns verantwortlich und trieb als Projektleiter den Aufbau von Swisscom TV von der Strategie bis zum marktreifen Produkt voran. Im Gespräch mit Blue News blickt er darauf zurück.

Wie Graf im Interview erzählt, leitete er auch das Projekt, mit dem das Bluewin-Logo abgelöst wurde. Grund war eine strategische Überlegung: Swisscom investierte jährlich 60 Millionen Franken ins Marketing von Bluewin, ohne dass die Verbindung zur Muttermarke bekannt war. Identitätsstiftend sei die alte Marke aber allemal gewesen – an der Abschiedsparty seien sogar die Buchstaben des Bluewin-Towers versteigert worden.

Eine legendäre Lancierung

2004 lancierte Swisscom laut Graf eine Triple-Play-Strategie aus Telefonie, Internet und TV, um im Kabel-dominierten Markt nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Einführung selbst geriet zur Zitterpartie: Fünf Minuten vor der Pressekonferenz vor 300 Journalistinnen und Journalisten funktionierte die geplante Live-Demo nicht. Graf improvisierte auf der Bühne, während CEO Carsten Schloter «immer bleicher» wurde – am Ende liess sich das Problem unbemerkt beheben, wie Graf im Blue-News-Interview erzählt.

Gegenüber der damals marktführenden Cablecom setzte Swisscom auf ein breites Senderangebot, eine Videothek fürs Zuhause und exklusive Sportrechte. Letzteres brachte Swisscom in Konflikt mit der SRG, die den neuen Anbieter zunächst wenig willkommen hiess. Auch die zeitversetzte Bildübertragung gegenüber SRF sorgte für Kritik – Graf musste deswegen sogar im «Kassensturz» Rede und Antwort stehen.

Zur Sprache kommt bei Blue News auch das Ende des einst grössten Schweizer Chat-Netzwerks Bluewin-Chat: Trotz eines Präventionsnetzwerks mit über 100 Freiwilligen sei das Ausmass mutmasslich pädokrimineller Kontaktversuche zu gross geworden. Mit dem Aufkommen von Facebook habe sich der Betrieb laut Graf endgültig erübrigt.

Von den Anfängen als «the blue window»

Was bei Grafs Amtsantritt bereits ein etabliertes Portal war, begann Jahre zuvor als Start-up: Christoph Brand, heute Axpo-CEO, führte das damals «the blue window» genannte Unternehmen ab 1998 im Alter von 29 Jahren. Im Gespräch mit Blue News erinnert sich Brand an eine unhierarchische Aufbruchsstimmung mit gemeinsamem Freitagabendbier, aber auch an handfeste Krisen – etwa den Weggang von Gründungsfigur Peter Rudin, der die junge Firma fast auseinanderbrechen liess.

Rückblickend zeigt sich Graf gegenüber Blue News stolz auf den Beitrag seines Teams zur Digitalisierung der Schweizer TV-Landschaft. Blue News feiert sein 30-jähriges Bestehen am 16. September 2026. (cbe)


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KOMMENTARE

Dominik Meyer
18.08.2026 22:07 Uhr
@Rüegg: Laut Brands LinkedIn-Profil, bei welchem man sehr weit nach unten scrollen muss, steht, dass Brand 1997/98 Member of the Executive Commitee war, 1998 bis 2002 CEO von Bluewin. So steht es auch in der Infobox auf Blue News.
Thommy Rüegg
18.08.2026 21:42 Uhr
So ganz stimmen die Angaben nicht. Christoph Brand leitete the blue window 1998 garantiert nicht. Das war einige Jahre später. Er war da eher für die Auslandsstrategie von bluewin verantwortlich; auch Brand hat nicht direkt als CEO angefangen.