12.10.2018

Swisscom

In die Computerspiele-Wettkämpfe eingestiegen

Der grösste Schweizer Telekomkonzern gründet eine eigene E-Sports-Liga: die «Swisscom Hero League».
Swisscom: In die Computerspiele-Wettkämpfe eingestiegen
Am Herofest in der Bernexpo kommen Fans von Gaming, Cosplay, Anime und Manga, Brettspielen und auch die Anhänger von E-Sport auf ihre Kosten. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Einige Zeit nach dem Einstieg der Kabelnetzbetreiberin UPC in Computergaming-Wettkämpfe zieht Konkurrentin Swisscom nach. Dabei arbeite man mit dem weltgrössten E-Sports-Unternehmen ESL zusammen, gab die Swisscom am Freitag an der dreitägigen Gaming-und Fantasymesse Herofest in Bern bekannt.

Mit der «Swisscom Hero League» wolle man zum einen dem E-Sport eine professionelle Plattform bieten und zum anderen der breiten Bevölkerung zugänglich machen, erklärte Marketingchef Michel Siegenthaler. Neben einer Profiliga solle es auch eine Plattform für Gelegenheitsspieler geben.

Gaming sei mittlerweile ein Volkssport in der Schweiz. Über drei Millionen Menschen würden regelmässig am Computer, an einer Konsole oder auf mobilen Geräten spielen. E-Sport sei eine der am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt, sagte Siegenthaler.

Milliardengeschäft

Und E-Sport ist ein Milliardengeschäft. Weltweit belaufe sich der Umsatz heuer auf 900 Millionen US-Dollar. Das sei ein Plus von 38 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr, sagte Siegenthaler. Diese Summe kommt nur beim E-Sport zusammen.

Mit den Games dürfte der weltweite Umsatz in diesem Jahr auf über 138 Milliarden Dollar steigen. In der Schweiz belief sich der Umsatz mit Videospielen im vergangenen Jahr auf 570 Millionen Franken. Wieviel davon auf den hiesigen E-Sport entfielen, konnte Siegenthaler auf Anfrage nicht sagen.

Die Computerspiele seien unterdessen in der Mitte der Gesellschaft angekommen und breit akzeptiert. Das Gaming stecke in der Phase der Professionalisierung, sagte Siegenthaler. Im Ausland würden ganze Hallen mit Gameanlässen gefüllt.

Games im TV

«Die Swisscom will das Gaming unterstützen.» Professionelles Gaming setze erstklassige Infrastruktur voraus. «Da sind wir prädestiniert», sagte Siegenthaler. Dazu holt sich die Swisscom die deutsche Firma ESL ins Boot, die weltweit Spielturniere veranstaltet. ESL übernehme die Infrastruktur für die Schweizer E-Sports-Liga, die Server und die In-Game-Verkäufe.

Die Swisscom kümmere sich um die Vermarktung und die Auswahl von Spielen, sagte Siegenthaler. Zudem bringe die Swisscom den E-Sport ins Fernsehen. Ab November starte die neue Liga. Gespielt werde online an Wochenenden. Die Qualifikation dauere bis Januar. Danach beginnen die Ausscheidungsspiele.

Final im Mai

Das Finale finde im Mai statt. Der Austragungsort sei noch nicht bestimmt, sagte Siegenthaler. Zur Auswahl stehen die drei Spiele «League of Legends», «Hearthstone» und «Clash Royale». Dabei handelt es sich um Strassenfeger: 60 Millionen Menschen hätten im vergangenen Jahr weltweit die Finalspiele der Weltmeisterschaft von «League of Legends» verfolgt, sagte Siegenthaler. Das Schlachtenspiel, bei dem zwei Mannschaften darum kämpfen, den gegnerischen Nexus (ein Hauptgebäude) zu zerstören, gilt als beliebtestes Spiel der Welt im E-Sport.

Derzeit geht die diesjährige Weltmeisterschaft von «League of Legends» in Südkorea mit 16 Teams in die entscheidende Phase. Das Land ist das Mekka des E-Sports. Die Finalspiele werden in der Stadt Incheon in einem Stadion ausgetragen, das für die Fussball-WM 2002 gebaut worden war.

Schweiz erst im Entwicklungsstadium

Von solchen Dimensionen ist man in der Schweiz weit entfernt. Bei der neuen E-Sports-Liga erhalten die ersten drei Teams bei «League of Legends» ein Preisgeld von 10'000 Franken. Bei den anderen beiden Spielen sind es je 3000 Franken.

Der hiesige Markt sei erst in Entwicklung. Von den drei Millionen Gamern in der Schweiz dürften etwa 300'000 bis 500'000 die drei Games der neuen E-Sports-Liga spielen, schätzte Siegenthaler. Was das ganze Engagement die Swisscom koste, wollte er nicht sagen. Ob es einmal eine Zusammenarbeit mit anderen E-Sport-Ligen in der Schweiz geben werde, sei noch offen. «Wir können uns das durchaus vorstellen», sagte Siegenthaler. (awp/sda/cbe)

 



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