Ein Team um den Politikwissenschaftler Fabrizio Gilardi liess im Mai 2024 insgesamt 599 Personen aus der Deutschschweiz kurze Ausschnitte aus SRF-Artikeln zur Schweizer Politik bewerten – und legte ihnen zum Vergleich auch Versionen davon vor, die mit KI-Unterstützung oder vollständig von ChatGPT erstellt worden waren. Die Teilnehmenden wussten dabei nicht, welcher Text von wem stammte. Das Ergebnis: Alle Texte wurden in Bezug auf Glaubwürdigkeit, Lesbarkeit und fachliche Qualität praktisch gleich bewertet. Die Studie ist soeben im Fachjournal Scientific Reports erschienen.
«Ergebnisse wecken durchaus berechtigte Sorgen»
Zusätzliche statistische Tests bestätigten diese Gleichwertigkeit. KI-Beteiligung mindere die wahrgenommene Qualität eines Textes nicht, folgern die Autorinnen und Autoren. «Die Ergebnisse wecken durchaus berechtigte Sorgen», hält Gilardi gegenüber persoenlich.com fest. «Wenn KI-Texte nicht mehr an der Qualität erkennbar sind, verschwimmt die Grenze zwischen menschlichem und maschinellem Journalismus. Doch KI muss keine Bedrohung sein, sofern ihr Einsatz transparent erfolgt und die menschliche redaktionelle Verantwortung erhalten bleibt.»
Interessant: Nachdem die KI-Beteiligung offengelegt wurde, wollten Teilnehmende Artikel, die KI-unterstützt oder ganz mit KI geschrieben wurden, sogar eher weiterlesen. «Wer einen Text soeben positiv bewertet hat und dann erfährt, dass KI im Spiel war, will oft nochmals hinschauen – teils aus Neugier, teils um zu prüfen, ob sich doch Spuren der Maschine finden lassen», erklärt Gilardi. Das sei kurzfristiges Interesse, kein Vertrauensbeweis. Die Bereitschaft, künftig KI-generierte Nachrichten zu lesen, stieg nicht signifikant.
Gemessen wurden Absichten, nicht Verhalten
Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen die Grenzen ihrer Arbeit: Gemessen wurden Absichten, nicht tatsächliches Verhalten, und die Offenlegung erfolgte erst nach der Bewertung – anders als im journalistischen Alltag.
Andere Untersuchungen und Befragungen zeigen in der Schweiz weiterhin grosse Vorbehalte, wenn Leserinnen und Leser vorab wissen, dass KI im Spiel ist. Gemäss dem Jahrbuch Qualität der Medien des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft Fög würden nur knapp 24 Prozent der Befragten Texte lesen, die vollständig von KI erstellt wurden. Die Akzeptanz für KI-generierte oder KI-unterstützte Textbeiträge ist damit nach wie vor relativ tief. Sie hat sich im Vergleich zu 2023 kaum verändert. Auch der Digital News Report des Reuters Institute bestätigt die anhaltende Skepsis. (nil)


