07.11.2019

Influencer Marketing

Konfitüre, Klicks und Community-Content

Jung und experimentell: Werbeauftraggeber setzen im Marketing-Mix vermehrt auf Influencer-Marketing. Am Donnerstagabend drehte sich beim SWA alles um diese Disziplin. Dabei wurde klar: Auch bei Instagram könnte es bald schwieriger werden. Oder vor allem teurer.
Influencer Marketing: Konfitüre, Klicks und Community-Content
Martin Faltl, Angelika Leemann, Sara Leutenegger und Fabian Plüss diskutieren am Donnerstagabend in der Amboss Rampe Zürich. (Bild: persoenlich.com)
von Edith Hollenstein

Kontrovers ist dieses Podium nicht, dafür ist es zu harmonisch besetzt. Die Runde, moderiert von Martin Faltl, Dozent an der Universität St. Gallen, ist sich einig: Der Hype ist vorbei, Influencer Marketing ist nun eine etablierte Marketing-Disziplin wie andere Gattungen, also wie Print, TV oder Search. Der Schweizer Werbe-Auftraggeberverband SWA hatte am Donnerstagabend zum «SWA Leader Event» in die Amboss Rampe in Zürich geladen. Etwa 60 Gäste waren gekommen.

Angelika Leemann, Head Marketing Retail bei Hero, die in einem begeisternden Referat einen Best-Practise-Case über Konfi vorstellt, macht deutlich, dass Influencer Marketing keine günstige Angelegenheit ist. «Es braucht Investitionsbereitschaft und zudem viel Koordinations- und Zeitaufwand», sagt Leemann. «Man kann die Recherchen und Posts auch nicht bequem am Compi erledigen, sondern tippt umständlich am kleinen Smartphone-Bildschirm herum.» Sie und ihr Team haben Influencer Marketing eingesetzt, um die Hero-Konfitüre bei einer jüngeren Zielgruppe bekannt zu machen. Dabei haben Influencer – vor allem Foodblogger – nicht nur Inhalte gepostet, sondern sogar Content in Form von Bildern und Rezepten kreiert. Offenbar mit grossem Erfolg: «Ich bin begeistert. Es macht Spass und ich kann es nur weiterempfehlen», so Leemann.

Nähe zu den Kunden

Influencerin Sara Leutenegger, die auf Instagram eine Followerschaft in der Grösse von 113'000 vorweisen kann, schätzt es, wenn Kunden partnerschaftlich den Kontakt zu ihr suchen. «Das hilft, damit ich ein Produkt harmonisch in meinen Content integrieren kann», sagt Leutenegger.

 

 

Fabian Plüss, Geschäftsführer von Kingfluencers, weist darauf hin, dass viele Influencer, gerade in der Schweiz, nicht vollständig von ihrem Influencer-Dasein leben können, sondern einen Beruf haben, der sie daneben stark beansprucht. «Kontakte mit Kunden sind eine gute Sache und wichtig. Falls es jedoch sehr häufige Abstimmungsmeetings gibt, kann das für gewisse Influencer auch aufwendig sein», gibt Matthias Plüss zu bedenken.

Algorithmus macht die Vorgaben

Laut Plüss beschränkt sich Influencer Marketing nicht nur auf Instagram oder Facebook. Es funktioniere auch auf anderen Social Networks sehr gut, etwa auf LinkedIn. Bei LinkedIn sei die Zielgruppe meist gut gebildet und vergleichsweise vermögend, sagt Plüss. Porsche habe kürzlich eine LinkedIn-Influencer-Kampagne durchgeführt, die «perfekt performt» habe.

Auch Instagram-Star Leutenegger testet vermehrt andere Kanäle. Sie ist seit einigen Wochen auf TikTok aktiv. «Instagram macht es uns nicht mehr so einfach zu wachsen. Früher konnten Leute wie ich, die sehr viele Follower haben, mit unseren Posts sehr viele Leute erreichen. Heute sind wir aufgrund des veränderten Algorithmus mehr und mehr gezwungen, Geld zu zahlen. Anders können wir fast keine grosse Reichweite mehr erreichen», sagt Leutenegger. Sie bezeichnet sich zwar gerne als Influencerin. Doch ihr Auftritt am Podium lässt erahnen: Noch lieber – und das ist klingt irgendwie kanalunabhängiger und damit vielleicht zukunftsgerichteter – wäre ihr die Bezeichnung «Content Creator».



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