Die Internetriesen wie Facebook, Google und andere sind politisch unter Druck geraten. Sorgen bereiten nicht nur Intransparenz, Datenmissbräuche und Fake News, zunehmend gerät auch ihre Marktmacht ins Visier. Bereits im laufenden Jahr sollen Google und Facebook in der Schweiz die Umsatzgrenze von zwei Milliarden Franken knacken (persoenlich.com berichtete). Doch weil die US-Giganten ihre Länder-Umsätze geheim halten, weiss niemand genau, wie gross ihre Marktmacht tatsächlich ist.
Das Forschungsinstitut Publicom hat Experten dazu befragt. Eine Mehrheit davon schätzt den Anteil von Google und Facebook am Schweizer Werbemarkt auf bereits über 50 Prozent – und er soll in den nächsten fünf Jahren weiterwachsen. Darunter dürften in erster Linie die Printmedien, das Fernsehen und die übrige Onlinewerbung leiden, heisst es in einer Mitteilung zur Befragung. Am wenigsten betroffen seien die Out-of-Home-Werbung und das Radio.
Förderung von Qualitätsmedien
Die befragten Medienexperten betrachten die Entwicklung mit Sorge. Wenn Werbegelder zunehmend in Suchmaschinen und Social Media umverteilt werden, schwächt dies die demokratiepolitisch unverzichtbaren Medien, was letztlich unser demokratisches System bedrohen könnte. Eine deutliche Mehrheit der befragten Experten ist demnach der Meinung, dass die Macht von Facebook und Co. regulatorisch beschränkt werden müsse.
Als erfolgversprechendster Ansatz wird laut Publicom ein Ausbau der Medienförderung betrachtet. Auch die Einführung von rigorosen Datenschutzbestimmungen sollte in Erwägung gezogen werden. Drastischere Massnahmen wie zum Beispiel die Einführung einer Online-Werbesteuer werden dagegen als weniger sinnvoll beurteilt.
An der Expertenbefragung sind 40 Fachleute der führenden Medienunternehmen sowie Vertreter aus Werbung, Medienjournalismus, Kommunikationswissenschaft und Corporate Communications beteiligt. (pd/cbe)

