24.03.2020

Coronavirus

Quickline rechnet mit mehr Streaming-Nutzern

Noch nutzen die Schweizerinnen und Schweizer die Netze fürs Homeoffice. Aber in ein bis zwei Monaten könnten viel mehr Leute Netflix & Co. nutzen. Das würde den Bandbreitenbedarf weiter stark steigen lassen, sagt Quickline-Chef Frédéric Goetschmann.
Coronavirus: Quickline rechnet mit mehr Streaming-Nutzern
Wenn die Leute viel streamen, würde das den Bandbreitenbedarf nochmals stark steigen lassen, heisst es bei Quickline. (Bild: Pixabay)

Die Coronavirus-Krise treibt auch beim Kabelnetzverbund Quickline die Auslastung der Netze nach oben. Wegen der zunehmenden Heimarbeit sei der Internetverkehr während des Tages um 20 bis 30 Prozent höher als normal, sagte Quickline-Chef Frédéric Goetschmann am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

In der Tagesspitzenzeit zwischen 17 und 19 Uhr liege die Auslastung um 10 Prozent höher als vor der Krise. Das sei kein Problem für die Netzinfrastruktur gewesen, die auf die Spitzenbelastungen ausgelegt sei und noch Reserve habe. Bei der Telefonie habe es drei Mal mehr Anrufe gegeben. Im Gegensatz zur Konkurrenz mache Quickline wegen der Viruskrise keine Sonderaktionen, wie beispielsweise Kinderkanäle gratis anzubieten.

«Wir sind vorsichtig mit den Netzreserven», sagte Goetschmann. Denn jetzt würden die Leute noch fleissig im Homeoffice arbeiten. Aber in ein bis zwei Monaten könnte die Lage anders aussehen und viel mehr Leute zu Hause Streamingdienste nutzen. Das würde den Bandbreitenbedarf nochmals stark steigen lassen.

UPC schaltet Kinderkanäle frei

Dagegen kündigte die grösste Kabelnetzbetreiberin UPC gleichentags an, alle Kindersender ab dem (morgigen) Mittwoch kostenlos freizuschalten. Damit wolle man den Kindern in der Zeit von geschlossenen Schulen und eingeschränkten Ausflugsmöglichkeiten sowie beschränkten Kontakten mit Freunden ein spannendes Unterhaltungsprogramm bieten.

Zuvor hatte schon Sunrise mitgeteilt, die Kinderserien auf Sunrise TV bis Ende Juni gratis zu offerieren. Überdies wurden bei den Handyabos die nationalen Datenlimiten aufgehoben. Alle Glasfaser- und Festnetz-Internetabos von Privatkunden und KMU mit tiefen Geschwindigkeiten werden schrittweise auf die technisch bestmögliche Internetgeschwindigkeit aufgestockt. Dies gilt bis Ende April. Bei Salt erhalten Privatkunden mit Mobilfunkabo zusätzlich ein Kinderprogramm von Sky für zwei Monate.

Auch UPC erhöht für sechs Wochen bis Ende April kostenlos die Internetgeschwindigkeit bei allen Kunden, die momentan ein Abo mit weniger als 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) haben.

Diesen Weg will Quickline nicht mitgehen, wie Goetschmann erklärte: «Wir haben uns dagegen entschieden, über alles gesehen die Bandbreiten zu erhöhen.» Das sei auch nicht fair gegenüber den bisherigen Kunden.

Quickline-Läden noch offen

Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen komme Quickline in der Coronavirus-Krise noch relativ glimpflich davon: Die meisten Läden seien geöffnet, wenn auch mit reduzierten Öffnungszeiten, sagte Goetschmann: «Kurzarbeit ist aktuell noch kein Thema. In Bereichen, wo es im Moment schwierig ist, bauen wir Überzeit ab.» Der technische Vorort-Dienst für Kunden sei immer noch verfügbar. Die drei grossen Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt haben dagegen die meisten Shops geschlossen.

Zudem stehe Quickline finanziell solide da. «Wir sind zu 100 Prozent eigenfinanziert», sagte Goetschmann. Das könnte sich noch als sehr sinnvoll erweisen, wenn die Corona-Krise sich zu einer Finanzkrise auswachse. «Bei uns gibt es keine Margin-Calls» (Nachschussforderungen für Kredite von Banken).

Umsatz gestiegen

Im vergangenen Jahr hat der Quickline-Verbund den Umsatz um 0,6 Prozent auf 268 Millionen Franken gesteigert. Das Plus ist unter anderem dem starken Wachstum im Mobilfunk gelungen, dessen Kundenzahl um ein Drittel auf knapp 56'000 zulegen konnte. Hier sei das Potential noch nicht ausgeschöpft, sagte Goetschmann.

Die Zahl der TV-Kunden sank indes weiter um 2,9 Prozent auf 339'000. Bei den Internet-Kunden schrumpfte die Zahl um 1 Prozent auf 180'000. Da gebe es noch Luft nach oben, sagte Goetschmann.

Insgesamt habe Quickline ein stabiles Jahr 2019 erlebt. «Wir sind sehr zufrieden mit der Leistung», sagte der Firmenchef. Diese sei in einem sehr umkämpften Markt gelungen. So habe zum Beispiel UPC im vergangenen Jahr wegen der geplanten Übernahme durch Sunrise den Markt mit vielen Sonderangeboten geflutet. Auch Sunrise sei sehr aktiv gewesen. Insgesamt habe es aber keine tektonischen Verschiebungen im Schweizer Telekommarkt gegeben.

Zudem hat der vor allem im Mittelland tätige Verbund im 2019 einen lokalen Netzbetreiber mehr gewonnen. Auch im laufenden Jahr hat sich ein weiterer Netzbetreiber Quickline angeschlossen. Mittlerweile zählt der Verbund 25 Partnernetze. (awp/sda/eh) 

 



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