24.10.2019

Universität Zürich

Schweizer zensieren sich im Internet selbst

Die Angst vor Überwachung hindert an Meinungsäusserung und sogar freier Informationssuche, so eine Studie.
Universität Zürich: Schweizer zensieren sich im Internet selbst
Die vermutete Internetüberwachung führt zu Selbstzensur. (Bild: Pixabay)

Mehr als die Hälfte der Internet-User in der Schweiz trauen sich aufgrund von Angst vor Überwachung nicht, ihre Meinung öffentlich zu äussern oder nach bestimmten Informationen zu suchen. Weil sie sich von Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken beobachtet fühlen, zensieren sie sich selbst, wie eine Umfrage der Universität Zürich ergibt.

Bedrohung für Demokratie

«Abschreckungseffekte aufgrund eines Überwachungsgefühls sind demokratiepolitisch bedenklich. Sie bedrohen die Ausübung von Grundrechten und die gesellschaftliche Teilhabe via Internet», warnt Michael Latzer, Professor für Medienwandel und Innovation an der Universität Zürich und Leiter der Umfrage.

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Latzer und sein Team haben 1122 Menschen zu ihrer Internetnetzung befragt. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) hindert die Angst vor Überwachung an der freien Informationssuche, beispielsweise nach sensiblen politischen Inhalten. Von den Befragten trauen sich 56 Prozent nicht, ihre Meinung, Gefühle oder Interessen online offenzulegen.

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Trotz der wahrgenommenen Gefahr der Überwachung sehen sich die Schweizer bemüssigt, im Internet aktiv zu sein. Fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) meinen, dass sie mehr Zeit online verbringen als sie eigentlich wollen. 38 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen sich durch ihr privates Umfeld unter Druck gesetzt, schnell auf Nachrichten zu antworten, im beruflichen Umfeld sind es sogar 73 Prozent.

Eine frühere, internationale Studie der University of Oxford hat sich mit der Angst von Wikipedia-Nutzern vor Überwachung beschäftigt. Ergebnis: Nach den Enthüllungen über die NSA-Überwachung durch den Whistleblower Edward Snowden im Jahr 2013 haben immer weniger Nutzer nach Artikeln über Terrorismus gesucht. Laut Studienautor Jon Penney glauben viele, dass eine blosse Wikipedia-Suche sie bereits verdächtig machen könnte. (pte/cbe)



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