26.01.2017

World Web Forum 2017

«Seit vier Jahren sammeln wir Namen»

1400 am Dienstag, 600 Teilnehmer am Mittwoch. Das World Web Forum wächst gewaltig. Diesmal wurde der Business-Anlass in Oerlikon sogar live vom Schweizer Fernsehen übertragen. Gründer Fabian Hediger erklärt, was es braucht für einen solch hochkarätigen Event.
World Web Forum 2017: «Seit vier Jahren sammeln wir Namen»
Fabian Hediger ist Gründer und Geschäftsführer des World Web Forums. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Herr Hediger, das World Web Forum dauerte erstmals zwei Tage. Lohnt sich die Verlängerung?
Absolut. Wir sind selber vom Erfolg überrascht. Für den zweiten Tag haben wir mit 300 Teilnehmern gerechnet, gekommen sind 600. Diese Verlängerung passt hervorragend zum World Web Forum: Am ersten Tag stehen Strategie und Leadership in der digitalen Welt im Vordergrund, am zweiten werden Themen wie Communication, Fintech, Energy oder Machine Learing in sogenannten Verticles vertieft. Das scheint ein grosses Bedürfnis zu sein.

Haben Sie dabei für sich persönlich etwas über Selbsttransformation gelernt? 
Ich habe realisiert, dass digitale Transformation und generell Leadership sehr viel mit sich selber zu tun hat. Im angelsächsichen Raum spricht man «self». Ich bin überrascht, wie viele unserer Gäste meditieren, etwa die diesjährigen Speaker Marian Goodell oder Ed Catmull. Auch Steve Jobs war von der kreativen Kraft der Meditation überzeugt.

Der Anlass wächst gewaltig. Wie viele Teilnehmer zählt die Ausgabe 2017?
Weil das World Web Forum dieses Jahr zwei Tage umfasst, kann man die Teilnehmerzahl schlecht mit derjenigen vom letzten Jahr vergleichen. Klar ist aber, dass wir stark wachsen und dies auch all unseren Partnern zu verdanken haben, die von Anfang an ans World Web Forum glaubten. Über beide Tage gesehen und inklusive dem zugehörigen Studenten-Anlass an der ETH haben uns deutlich über 2000 Leute besucht.

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Laufend mehr Umsatz und Teilnehmer (Abb. zVg.)

Was haben Sie dieses Jahr Experimentelles gewagt?
Neu waren die Breakout-Sessions. Wir hatten ein Programm auf der Hauptbühne und daneben Infrastruktur aufgebaut, wo man interaktiv kommunizieren kann. Der Redner kann zwischenzeitlich mit seinen Zuhörern diskutieren. Zudem gibt es eben diese Breakout-Session-Rooms, wo jeweils gegen 50 Leute Platz haben und miteinander in Kontakt treten können.

Wie gut kamen die Breakout-Rooms an?
Fast alle Räume funktionierten gut. Wir haben jeden individuell gestaltet: ein Raum hatte eine Kinobestuhlung, ein anderer einen Roundtable oder einer hatte Stehtische. Der leere Raum, in dem die Leute ohne Tische oder Sitzgelegenheiten hätten stehend kommunizieren sollen, funktionierte dagegen nicht. Das hat wohl auch damit zu tun, dass wir erwarteten, dieser Referent ziehe mehr Leute an. Gut angekommen hingegen ist Jeff Eggers, auch Urs Hölzles Session war sehr gut besucht.

Die Referenten (vgl. Bild unten) waren hochkarätig und darunter gab es auch Frauen. Ist das natürlicherweise so oder mussten Sie sich aktiv um Frauen bemühen?
Wir bemühen uns, viele spannende Referentinnen für das World Web Forum zu gewinnen. Das gelang uns ganz gut. Natürlich hätten wir gerne noch mehr Frauen im Publikum. 

Organisatoren von Business-Anlässen klagen immer wieder darüber, dass es keine Frauen gebe, die für Referate in Frage kommen.
Das stimmt nicht ganz, denn es gibt viele Top-Frauen. Dieses Jahr hatten wir mit Herminia Ibarra, Marian Goodell, Anita Roth und Cait O’Riodran gleich vier hochkarätige Referentinnen im Hauptprogramm, ganz zu schweigen von den zahlreichen Referentinnen an den Breakout-Sessions und den Verticles des zweiten Tags. Dahinter steckt harte Arbeit. Seit vier Jahren sammeln wir Namen von potentiellen Referentinnen und Referenten. Diese gehen wir dann an. Dabei habe ich gemerkt, dass Frauen viel weniger gerne auftreten als Männer.

Besteht die Gefahr, dass Frauen durch die Digitalisierung abgehängt werden?
Ob Mann oder Frau: Jeder muss schauen, dass er nicht abgehängt wird. Vielleicht ist vielen nicht klar, dass wir eine Business-Konferenz sind und keine Tech-Konferenz. Denn wir sprechen hier nicht über Digitalstrategien, sondern über Geschäftsstrategien in einer digitalen Welt.

Wie kam es dazu, dass SRF diese Konferenz live überträgt?
Diese Kooperation kam sehr kurzfristig zu Stande, weil Google oder Swisscom uns geholfen haben. Beecom als Organisatorin alleine hätte das nicht hinbekommen. Die Zusammenarbeit ist super speditiv und pragmatisch. Wie gut das ankommt und was genau es bringt, können wir erst im Nachhinein eruieren.

Inwiefern schulen Sie die Speaker?
Wir führen im Minimum drei Vorgespräche, bei denen wir das Referat und den Auftritt besprechen. Aufgrund der Rückmeldungen der letzten Jahre realisieren wir, dass dieser Austausch sehr geschätzt wird und er einen roten Faden in die Veranstaltung bringt. Die Referenten verstehen, wer wir sind und was wir wollen.

Sie schulen die Redner also nicht so stark wie bei den TedTalks.
Sollten wir eines Tages über die nötigen Ressourcen verfügen, können wir uns eine Unterstützung in diese Richtung durchaus vorstellen. Dort sind wir aber noch nicht.

worldwebforum-2017-all-speakers

Was ist das Ziel für nächstes Jahr?
Ich habe bereits zwei, drei Dinge gesehen, die wir nächstes Jahr besser machen sollen. Immerhin sind 200 Helfer involviert. Die Details werden wir später mit allen Teamchefs auswerten.

Und wer ist Kandidat für den nächsten «Life Time Award»?
Wen soll man nach Tim Berners-Lee, dem Erfinder des Internets, noch auszeichnen? Das wird eine Knacknuss (lacht).

 



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