22.07.2020

SwissCovid-App

Taskforce-Leiter sieht App kritisch

Die Schweizer Covid-App hat grosses Potenzial, aber ihre Wirksamkeit muss noch überprüft werden. Das sagt Martin Ackermann, der ab 1. August die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce leitet, in einem Zeitungsinterview.
SwissCovid-App: Taskforce-Leiter sieht App kritisch
Für Ackermann ist die App «ein wichtiges Element unter allen Dingen, die wir ausprobieren im Kampf gegen die Epidemie». (Bild: Keystone/Laurent Gillieron).

Es sei wichtig, gute Daten über die Epidemie in der Schweiz zu haben, sagte Ackermann im am Mittwoch veröffentlichten Interview mit den CH-Media-Zeitungen. «Es ist zentral zu wissen, in welchen Situationen die Ansteckungen stattfinden.» Viele Akteure seien daran, diese Informationen zu sammeln.

Wirksamkeit muss überprüft werden

Contact Tracer fänden heraus, wer sich wahrscheinlich wo angesteckt habe, und die App habe «ein grosses Potenzial», sagte der Mikrobiologe, der an der ETH Zürich tätig ist. Aber die Wirksamkeit der App müsse erst noch überprüft werden. «Beispielsweise wie viele der benachrichtigten Leute tatsächlich infiziert worden sind.»

Für Ackermann ist die App «ein wichtiges Element unter allen Dingen, die wir ausprobieren im Kampf gegen die Epidemie». Man müsse nun «die nächste Gruppe von Leuten erreichen und sie von der App überzeugen können». Am Dienstag hatten gemäss Bundesamt für Statistik knapp 945'700 Menschen die App auf ihrem Handy aktiviert.

Ackermann äusserte sich auch zu Ferien-Rückkehrern – wer aus Risikoländern einreist, muss sich bei den Behörden melden und sich in Quarantäne begeben. Alle Einreisenden an den Flughäfen und den Grenzen abzufangen und zu registrieren sei «nicht realistisch», auch wenn diese Informationen «sehr wertvoll» wären.

Bessere Kommunikation nötig

Diese Frage sei eingehend diskutiert worden, und es stelle sich auch die Frage, ob die Bevölkerung dieses Vorgehen mittragen würde. Ackermann ist aber der Ansicht, dass sich die Kommunikation verbessern muss. «Die Leute müssen sich bewusst werden, dass sie selber ein Risiko eingehen, wenn sie in Risikoländer verreisen.»

«Immer noch heikel» ist für Ackermann die Frage, welches Risiko Grosseltern tragen, die während der Ferien ihre Enkel hüten, wie er im Zeitungsinterview sagte. «Kinder erkranken erwiesenermassen weniger und übertragen die Krankheit seltener», sagte er. «Aber es kommt vor.» Bezüglich einer Empfehlung passe er.

«Optimistisch»

Die derzeitige Lage mit rund 100 neu gemeldeten Ansteckungen pro Tag stimme ihn optimistisch, sagte Ackermann in einem Interview mit nau.ch. Blieben die Fallzahlen stabil, brauche es keine zusätzlichen Einschränkungen.

So rasch wie möglich sollten allgemeine Massnahmen durch Interventionen abgelöst werden, die nicht der ganzen Wirtschaft schadeten, sagte er. «Konkret heisst das etwa: Mehr Contact Tracing, weniger Verbote.» Für mehr Freiheiten sei auch die App zentral. (sda/lol)



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