31.01.2019

Facebook

Werbekunden bei der Stange gehalten

Das Online-Netzwerk zeigt sich immun gegen die andauernden Negativ-Schlagzeilen. Im vergangenen Quartal gab es Zuwächse bei Umsatz und Nutzerzahl sowie einen Rekord-Milliardengewinn. Die Börse ist sichtbar erleichtert.
Facebook: Werbekunden bei der Stange gehalten
Die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer ist binnen drei Monaten im üblichen Tempo um rund 50 Millionen auf etwa 2,32 Milliarden gewachsen. (Bild: Pixabay)

Obwohl Facebook seit Monaten von einer Krise in die nächste schlittert, nimmt das Geschäft des weltgrössten Online-Netzwerks dadurch keinen Schaden. Selbst in Europa sprang die Nutzerzahl zum Jahresende wieder hoch, nachdem sie zuvor leicht rückläufig war. Die Aktie sprang im vorbörslichen Handel um mehr als elf Prozent hoch.

Im Weihnachtsquartal steigerte Facebook den Umsatz im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar. Die Zahl mindestens ein Mal im Monat aktiver Nutzer wuchs binnen drei Monaten im üblichen Tempo um rund 50 Millionen auf etwa 2,32 Milliarden. Täglich kommen 1,52 Milliarden Nutzer zu Facebook.

Unterm Strich erwirtschaftete Facebook im vergangenen Quartal einen Rekordgewinn von knapp 6,9 Milliarden Dollar. Ein Vergleich mit den 4,27 Milliarden Dollar Gewinn vor einem Jahr ist nicht aussagekräftig, weil damals die einmalige Abgabe auf Auslandsgewinne im Zuge der US-Steuerreform den Überschuss drückte. Facebook hatte zum Quartalsende Geldreserven von 41 Milliarden Dollar.

Gemeinsame Plattform geplant

Gründer und Chef Mark Zuckerberg bestätigte Pläne, die Chatdienste WhatsApp und Facebook Messenger sowie die Kommunikations-Funktion der Foto-Plattform Instagram auf eine gemeinsame technische Plattform zu bringen. Dabei solle auch der Einsatz von Verschlüsselung ausgeweitet werden, sagte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Aktuell setzt Facebook nur bei WhatsApp standardmässig eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein, durch die Inhalte nur für Absender und Empfänger im Klartext sichtbar sind. Die Überlegungen seien aber noch in einem frühen Stadium, es sei eher ein Vorhaben für das Jahr 2020 und später. Vor allem in Europa sehen Datenschützer eine Zusammenlegung von Daten aus verschiedenen Diensten als Problem.

Börse erleichtert

Die überschwängliche Reaktion der Anleger dürfte auch ihre Erleichterung zeigen, nachdem Facebook unter anderem wegen Datenskandalen und Problemen im Kampf gegen Manipulation und Propaganda so stark in der Kritik stand wie nie zuvor. Erst am Mittwoch gab es neue Negativ-Schlagzeilen, weil bekannt wurde, dass Facebook sich mit einer Marktforschungs-App den Zugriff auf den nahezu kompletten Datenverkehr von jungen Studienteilnehmern verschafft hatte.

In Europa hatte Facebook zum Jahresende 381 Millionen monatlich aktive Nutzer. In den Quartalen davor war die Nutzerzahl von 377 auf 375 Millionen zurückgegangen, Facebook hatte das unter anderem mit der Umstellung durch die EU-Datenschutzgrundverordnung begründet. In den USA stagnierte die Nutzerzahl bei 242 Millionen. Das stärkste Wachstum habe es in Indien, Indonesien und auf den Philippinen gegeben, hiess es.

Zugleich stellte Facebook Tino Krause, der von der Mediagentur Mediacom kommt, als neuen Chef für das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Der Posten war unbesetzt, seit Marianne Bullwinkel im Frühjahr 2017 zum Konkurrenten Snap gewechselt war.

Facebook hatte zum Jahresende 35'587 Mitarbeiter – 42 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Online-Netzwerk hatte unter anderem zahlreiche neue Beschäftigte eingestellt, die unerlaubte Inhalte löschen sollen. (awp/sda/dpa/cbe)

 

 



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