20.01.2021

Hype um Clubhouse-App

«Wir wollen ausprobieren und lernen»

Als erstes Schweizer Medium ist 20 Minuten auf der Social-App Clubhouse präsent. Chief Product Officer Sven Ruoss sagt, wie er zu einer Einladung gekommen ist und was die Pendlerzeitung dort künftig für Inhalte anbieten wird.
Hype um Clubhouse-App: «Wir wollen ausprobieren und lernen»
«Als Audio-only-App beziehungsweise Audio-Social-Media-Plattform trifft Clubhouse den Trend der Stunde», so Sven Ruoss, Chief Product Officer 20 Minuten. (Bilder: 20 Minuten, Clubhouse)
von Christian Beck

Herr Ruoss, 20 Minuten ist auf der Social-App Clubhouse dabei. Von wem haben Sie die Einladung bekommen?
Ich habe die Einladung am Sonntag, 17. Januar 2021, von Samuel Manz, einem Schulkollegen von mir, erhalten. Selbstverständlich habe ich dann mein «Invite» an 20 Minuten verschenkt. Dadurch konnte 20 Minuten seinen Account am Montag erstellen und war damit das erste Schweizer Medium auf der Plattform.

Für jene, die das noch nicht wissen: Mitmachen kann man nur, wenn man eingeladen wird. Wie finden Sie dieses Prinzip?
Aus meiner Sicht ist das eine sehr clevere Bekanntmachungsstrategie. Das Prinzip basiert auf Exklusivität, einer künstlichen Verknappung und dem viralen Effekt. Jeder will dabei sein. Nicht jeder kann es. Es wird mit dem FOMO-Effekt gespielt, dem Fear of Missing Out. Und dank der beiden Doppelgänger-Podcast-Hosts Philipp Klöckner und Philipp Gloeckler ist im DACH-Raum das Interesse an Clubhouse explosionsartig gestiegen.

Um Clubhouse herrscht in der Tat ein riesiger Hype. An was liegt das?
Als Audio-only-App beziehungsweise Audio-Social-Media-Plattform trifft Clubhouse den Trend der Stunde. Clubhouse differenziert sich mit dem Social-Aspekt klar von Spotify und mit dem Audio-Aspekt von anderen Social-Media-Plattformen, die häufig auf Video setzen. Und die beiden Faktoren «Lockdown» und «Zoom Fatigue» unterstützen diesen Hype ebenso.

«Clubhouse und 20 Minuten passen optimal zusammen»

Und warum setzt 20 Minuten nun auch auf Clubhouse?
20 Minuten beobachtet die Entwicklung von Clubhouse mit grossem Interesse. Am Dienstag hatten wir am Mittag einen Austausch über Clubhouse und spontan entschieden, am Dienstagabend um 21 Uhr das erste Experiment auf Clubhouse mit einem Promi-Talk zu starten. Vielen Dank an dieser Stelle an das ganze Social-Media-Team um Manuel Stocker und Noah Zygmont, welche mit Unterstützung von Mike Herter von Future Candy innert kürzester Zeit dieses erste Experiment aufgesetzt haben. Am Mittwoch fand nun um 16.30 Uhr das zweite Experiment statt: «Fiirabig-Bier mit 20 Minuten». Weitere «Events» folgen.

Was konkret planen Sie?
Clubhouse und 20 Minuten passen optimal zusammen. 20 Minuten ist die Medienmarke mit der grössten Community in der Schweiz. Und der Community-Aspekt ist bei Clubhouse sehr stark ausgeprägt. 20 Minuten ist aktuell in der Experimentierphase. Wir wollen ausprobieren und lernen. Verschiedenste Ideen werden nun konkretisiert und ausprobiert: Von Streitgesprächen, «Swiss Date» on Clubhouse, Live-Konzerten, Public-Viewing-Star-Interviews bis zu «Open Mic» ist vieles möglich.


Und welchen Mehrwert erhoffen Sie sich?
Lernen. Je mehr Experimente 20 Minuten auf Clubhouse tätigt, desto grösser wird unser Wissen, wie Clubhouse funktioniert, was die Community für Erwartungen und Wünsche hat und wie sich der Live-Audio-Markt entwickelt.

Die App setzt – Sie haben es erwähnt – auf Audio-only und ist derzeit nur für iPhone-User zu haben. Hat Audio-only Zukunft?
Ich halte grundsätzlich zwei Strategien für erfolgversprechend: Entweder bilde ich – wie 20 Minuten das tut – einen starken Medienbrand mit Angeboten auf allen Vektoren, bin also digital im Audio, Bewegtbild und auf Social Media aktiv und spiele die Storys im passenden Format, mit dem richtigen Storytelling und zielgruppengerecht auf den jeweiligen Plattformen. Oder ich bin der Spezialist in einer Nische, beispielsweise im Audio. Audio hat eine Zukunft, weil Audio erlaubt, eine zweite Tätigkeit neben dem Hören auszuüben. Ich kann ein Audio-Produkt hören und gleichzeitig joggen, kochen, Auto fahren oder Kleider bügeln. Und zudem schafft Audio eine unglaubliche Intimität.

Wenn in ein paar Wochen oder Monaten praktisch jeder eingeladen wurde, ist doch der Zauber verflogen …
Ob Clubhouse nur ein kurzfristiger Hype ist oder langfristig den Audio-Markt verändert, kann ich aktuell noch nicht einschätzen. Sicherlich ist Clubhouse sehr spannend, insbesondere weil es den Social-Media-Aspekt mit Audio verbindet. Interessant wird es auch, wie die etablierten Social-Media-Plattformen auf Clubhouse reagieren werden.  



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Kommentare

  • Andi Neukomm, 21.01.2021 08:51 Uhr
    Wir schreiben das Jahr 2021 und die App ist derzeit nur für iPhone-User zu haben. Für eine Minderheit also. Lächerlich. Und was soll der ganze Quatsch? «Fiirabig-Bier mit 20 Minuten». Das trinke ich, sobald wieder möglich, in der Bar meines Vergnügens mit FREUNDEN. Mit persönlichen Gesprächen statt online. Herr Ruoss, glauben Sie mir, nicht jeder will bei jedem Hype dabei sein. Als saucooler Typ (haha) habe ich natürlich auch ein Invite bekommen und habe es grosszügig - ignoriert.
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