08.07.2013

HWZ

"Zuerst kommt der kleine Bildschirm, dann der grosse."

Manuel P. Nappo, Leiter "CAS Mobile Business", über den neuen Studiengang.
HWZ: "Zuerst kommt der kleine Bildschirm, dann der grosse."

Ab November bietet die HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich mit dem Zertifikatsstudiengang "CAS Mobile Business" das schweizweit erste Studium im Bereich Mobile Business an und möchte damit einer steigenden Nachfrage im Markt gerecht werden. Der Trend steht für die Verantwortlichen des neuen Weiterbildungsangebots fest: In den kommenden Jahren wird die mobile Nutzung des Webs die stationäre Nutzung überholen. persoenlich.com hat mit Studiengangsleiter Manuel P. Nappo über Mobile Business und das neue Angebot an der HWZ gesprochen.

Herr Nappo, können Sie erklären wie der neue Studiengang aufgebaut ist?
Der Studiengang folgt unserer Mobile-Business-Strategie. Wir haben dafür eigens ein Modell entwickelt, welches aus vier Schritten besteht. Im ersten Schritt geht es um die Analyse und darum herauszufinden, wo die Mobile-Opportunitäten der Unternehmen und der Kunden liegen und welche Bedürfnisse vorhanden sind. Im zweiten Schritt geht es um die Definition und Entwicklung der Massnahmen. Dabei werden die unterschiedlichen Schritte im Customer-Loop und die dazugehörenden Touchpoints berücksichtigt. Die Planung und Umsetzung werden im dritten Schritt erarbeitet. Hier ist es wichtig, dass man Technologie und Funktionsweise von unterschiedlichen mobilen Plattformen und Systeme beurteilen kann. Im vierten und letzten Schritt geht es schliesslich ums Messen und Reporting, um die Strategie optimieren zu können.


Customer Loop nach HWZ (Grafik zVg).

Welche Zielgruppe möchten Sie mit dem neuen Studiengang ansprechen?
Als Zielgruppe gelten sicherlich Personen, die mit dem Digital Business zu tun haben. Im Moment sind das insbesondere Marketing-, Kommunikations- und Verkaufsfachleute. Wir glauben jedoch, dass das Mobile in den nächsten Jahren auch Human Resources, Finanzen und Logistik revolutionieren wird. Mobile betrifft das ganze Unternehmen sowie alle Unternehmen – vom traditionellen KMU bis hin zum Grosskonzern.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt? Was soll den Studierenden vermittelt werden?
Die Studierenden sollen nach dem Studium für die mobile Herausforderung gewappnet sein. Sie werden auf den massiven Strukturwandel in der Kommunikationsbranche vorbereitet und sollen einen optimalen Wissenstransfer erhalten. Es ist eine Tatsache, dass heute mehr Nutzung über Mobile als über Desktop geht. Die mobile Nutzung hat in der Bevölkerung rasant zugenommen. Viele Unternehmen sind auf diesen Wandel absolut nicht vorbereitet. Darum lautet die Maxime des Lehrgangs auch "Mobile First". Dahinter steckt die Abkehr von der klassischen Denkweise: vom grossen zum kleinen Bildschirm. Wir denken umgekehrt: zuerst der kleine Bildschirm, dann der grosse.

Es ist schweizweit das erste Studium im Bereich Mobile Business zudem ist die Fachstelle Social Media Management ebenfalls die erste in der Schweiz? Liegt Ihnen viel daran, Pionierarbeit zu leisten?
2010 haben wir den damals ersten Studiengang in Social Media Management der Schweiz lanciert. Aus diesem Erfolg haben wir 2011 die Fachstelle Social Media Management gegründet, weil wir ein erhöhtes Bedürfnis von Unternehmen festgestellt haben, sich in diesem Bereich weiterzubilden. Damit haben wir vielleicht eine Pionierrolle im digitalen Bereich einnehmen können. Der Mobile-Business-Lehrgang geht in die gleiche Richtung. Überdies planen wir im digitalen Bereich einen Masterstudiengang. Wir sind überzeugt, dass in der hochentwickelten und technologisierten Schweiz ein grosses Bedürfnis besteht, Weiterbildungen im digitalen Bereich zu absolvieren. Der Know-how-Gap ist hier noch sehr gross.

Welche andere Universität oder Fachhochschule haben Sie – auch weltweilt – zum Vorbild genommen?
Wir haben uns natürlich umgeschaut, aber in dieser Form konnten wir einen solchen Studiengang weltweit nirgends finden. Was wir uns zum Vorbild nehmen, ist sicher das amerikanische Modell der Institutes und Centers, die auch sehr unternehmerisch tätig sind. Auch unsere Weiterbildungen sind eher amerikanisch: zukunfts- und anwendungsorientiert sowie auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten. Wir wollen den Kunden, die nach In-House-Schulungen oder Coachings bei uns buchen, einen konkreten Mehrwert bieten.

Sie sind Leiter der Fachstelle Social Media Management und jetzt Studiengangsleiter "Mobile Business". Wie hängen diese zwei doch sehr verschiedenen Bereiche zusammen?
(Lacht) Diese Bereiche hängen eng zusammen. In Italien würden wir sagen, wie die "Kaffeetasse und das Löffelchen". Ohne Mobile gäbe es definitiv keinen Social-Media-Boom in der Form, wie wir ihn gerade erleben. Natürlich gab es Facebook auch schon vor dem iPhone. Aber die Tatsache, dass man immer und überall online sein kann, macht es erst spannend. So haben zum Beispiel die Teilnehmer des Züri-Fäschts Fotos vom Feuerwerk gemacht und direkt auf Facebook gepostet. Wenn sie das erst von zu Hause aus machen könnten, wäre nicht einmal ein Drittel der Facebook-Aktivitäten zu verzeichnen. Social lebt sehr stark von Mobile. Und Mobile ist heute eine Form von Social geworden. Die Symbiose zwischen den beiden Disziplinen ist auffallend. Wir glauben, dass unsere Studierenden von den Erfahrungen aus dem CAS Social Media Management stark profitieren werden.

Worin sehen Sie das Potenzial von "Mobile Business" für Firmen?
Die Firmen, die heute verstehen, wie Mobile Business funktioniert, und sich darauf einstellen, vom kleinsten zum grösseren Bildschirm zu denken, werden die nächste Generation dominieren. Egal in welchem Bereich sie tätig sind. Das ist ein Fact. Die Nutzer sind heute mobil und wollen immer mehr mobile Lösungen. Das ist mittlerweile auch an den Angeboten der Swisscom erkennbar, bei denen man vermehrt für die Geschwindigkeit zahlt, und nicht mehr für die Datenlimite. Der Preis unterscheidet sich nur noch durch "langsam", "mittel" und "schnell".
Schaut man über die Grenzen – und das tun in der Schweiz viele Firmen –, gibt es ganze Regionen (Mittelmeer-Region) oder gar Kontinente (Afrika), die über keine PCs verfügen. Sie werden direkt in Mobile einsteigen. Unter diesem Gesichtspunkt geht es hier um einen gigantischen Markt.

Können Sie uns einige Best-Practice-Unternehmen nennen?
Noch ist vieles am entstehen. Wer es jedoch sicherlich gut verstanden hat, ist die Reisebranche. Das ist eine Branche, die dazu gezwungen wurde, sehr früh zu reagieren. Praktisch alle Airlines haben heute Apps für das Check-in oder für weitere Dienste – da ist wirklich viel passiert. Eine Branche, die noch stark im Hintertreffen ist, ist die klassische Bankbranche. Dieser Bereich ist immer noch auf dem Stand vor der Jahrtausendwende. Viel tut sich auch bei der "Localization" im Kleingewerbe, so zum Beispiel bei den vielen Restaurants oder im Tourismus. Dank der GPS-Funktionalität können viele spannende Aktionen gestartet werden. Auch der Detailhandel ist bereits aktiv. Hier hat sich Migros mit LeShop.ch wieder gut positioniert. Migros ist sehr fit im Mobile Business. Klar kann sie es sich Budget-technisch leisten. Trotzdem muss man diesen Weg auch konsequent gehen. All diese Best-Practice-Beispiele werden wir in unserem Studiengang einbauen, damit auch das traditionelle Schweizer KMU sich in Sachen Mobile Business fit für die Zukunft machen kann.

Welche Mobile-Trends werden sich Ihrer Einschätzung nach weiter verstärken?
Ich sehe zwei Trends, die Hand in Hand gehen und sich in den nächsten Monaten exponentiell entwickeln werden: Mobile Payment und Mobile Commerce. Da die Nutzer immer mehr mobil kaufen werden, benötigen sie auch entsprechende Lösungen. Allerdings glaube ich, dass nicht die klassische Banken, sondern andere Anbieter den Markt aufwirbeln werden. Nehmen wir zum Beispiel Square: Square ermöglicht es Einzelpersonen und Händlern, Debit- und Kreditkarten auf ihren Smartphone anzunehmen. Gerade heute erreicht uns die News, dass Square eine strategische Investition von Visa, einem Riesen in der Kreditkarte Industrie, erhalten hat.

Interview: Lea Friberg

 

 

 

 



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