04.01.2023

So wird 2023

Bei diesen Themen geht es im neuen Jahr vorwärts

Welche Herausforderungen stehen an? Wo sind Lichtblicke in Sicht? persoenlich.com hat bei Kommunikation Schweiz, Leading Swiss Agencies, Gesellschaft für Marketing, Werbe-Auftraggeberverband, Presserat sowie Jungen Journalistinnen und Journalisten nachgefragt.
von Michèle Widmer

Catherine Purgly, Geschäftsführerin Leading Swiss Agencies (LSA)

Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2023 in Ihrem Bereich?
«Die digitale Transformation ist nach wie vor eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit und viele Unternehmen stehen erst am Anfang der Digitalisierung. Mitunter hat das nahende Ende der Cookies Unternehmen noch stärker unter Druck gesetzt, sich zu fragen, was für Daten sie besitzen und wie sie diese für das Marketing nutzen können. Für die Kundenbeziehung wird die User Experience immer zentraler – wer mit seinen Kunden benutzerfreundlicher interagiert, wird einen Schritt voraus sein. Eine weitere Herausforderung in der Digitalisierung wird die fortschreitende Automatisierung sein. Das Agenturgeschäft wird durch die Anwendung von künstlicher Intelligenz immer schneller und gewisse Agenturleistungen können in kürzerer Zeit erbracht werden. Dies bedingt unter anderem ein Umdenken in der Honorierung, und es stellt sich die Frage nach neuen Verrechnungsmodellen. Gefordert wird die Agenturbranche zunehmend in der Agenturevaluation. Es gibt die Tendenz, dass Ausschreibungen von grossen Budgets mit derartigen Bedingungen verknüpft sind, dass oft nur grosse bis sehr grosse Agenturen respektive Netzwerke die Zulassungsbedingungen zum Pitch erfüllen können. Die Sensibilisierung auf alternative Evaluationsverfahren ist daher ein wichtiges Verbandsthema im kommenden Jahr.»

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
«Das aktuelle Jahr entwickelte sich wohl für die meisten Agenturen positiver als befürchtet. Doch das Jahr 2023 birgt wiederum einige Unsicherheiten: Obwohl die Wirtschaftsprognosen in der Schweiz über dem europäischen Durchschnitt liegen, besteht bei den Kunden eine gewisse Zurückhaltung, sich für 2023 auf grosse Budgets und Projekte festzulegen. Auch die Lieferkettenprobleme sind noch nicht gelöst und werden uns im nächsten Jahr weiter begleiten. Das Agenturleben wird voraussichtlich auch 2023 noch etwas kurzfristiger und stärker vom kurzfristigen Projektgeschäft getrieben sein. So gesehen war 2022 nach den schwierigen Jahren der Pandemie schlussendlich ein Lichtblick. Wir hoffen, dass es im Laufe des Jahres 2023 ähnliche Anzeichen geben wird, die uns positiv stimmen.»






Susan Boos, Präsidentin Schweizer Presserat

Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2023 in Ihrem Bereich?
«Die wichtigen Debatten, die im Presserat geführt werden, besser nach aussen zu tragen. Die Richtlinien sinnvoll weiterzuentwickeln. Und die Digitalisierung des Beschwerdeverfahrens voranzutreiben sowie haushälterisch mit dem Geld umzugehen.»

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
«Der engagierte Club der freiwillig arbeitenden Presseratsmitglieder, die an die Selbstregulierung glauben und viel Zeit und Herzblut reinstecken. Die Beschwerdeflut hat abgenommen. Die Finanzierung für 2023 ist gesichert. Zudem steht der Gönnerverein kurz vor der Gründung.»






Jean-Marc Grand, Geschäftsführer Gesellschaft für Marketing (gfm)

Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2023 in Ihrem Bereich?
«Das Metaverse wird auch 2023 dominant bleiben. Die gfm rät den Firmenmitgliedern und allen anderen Unternehmen, erste, kleine Projekte im Metaverse zu starten, Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Das Thema Nachhaltigkeit bleibt topaktuell und wird sogar noch wichtiger werden. Und im Bereich Künstliche Intelligenz rechnen wir mit grossen Fortschritten, deren Auswirkungen 2023 sichtbar werden.»

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
«Auch die oben genannten Themen sind Herausforderungen im positiven Sinn. Wenn man sich mit diesen Themen frühzeitig beschäftigt, wird man Wettbewerbsvorteile gewinnen. Lichtblicke fürs kommende Jahr sind Themen, die bereits seit einigen Jahren auf dem Radar sind und deren volle Durchschlagkraft 2023 spürbar sein wird: Customer Experience bleibt ein zentrales Thema. Die Gewinner werden sich noch mehr vom Wettbewerb absetzen. Influencer werden 2023 noch wichtiger werden. Bei Bewegtbild/Video gilt: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und ein Bewegbild ist noch mächtiger. In der Kürze liegt die Würze. Zudem werden fast Totgesagte wie Snapchat wieder an Bedeutung gewinnen.»


 

Simona Boscardin, Co-Präsidentin Junge Journalistinnen und Journalisten

Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2023 in Ihrem Bereich?
«Im neuen Jahr möchten wir uns bei den Jungen Journalistinnen und Journalisten auf das konzentrieren, was wir am besten können: Junge Menschen für den Journalismus begeistern – so sitzen wir bereits an neuen Projekten, die junge Einsteiger mit erfahrenen Journalistinnen zusammenbringen sollen.»

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
«Es wird über Probleme im Journalismus gesprochen, darüber, wieso immer weniger junge Menschen in diesen Beruf einsteigen und bleiben wollen. Es wird geredet. Neuerdings auch mit den Jungen – und nicht immer nur über sie.»






Jürg Bachmann, Präsident KS/CS Kommunikation

Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2023 in Ihrem Bereich?
«Das richtige Mass der Werberegulierung zu finden. Werbung trägt ihre Verantwortung auch hinsichtlich des Klimaschutzes. Viele Massnahmen sind schon ergriffen worden, weitere werden folgen. Um Konsumentinnen und Konsumenten aber nicht zu bevormunden, wird für KS/CS Kommunikation Schweiz der Einsatz für eine freiheitliche Werbeordnung immer wichtiger. Denn Klimaschutz darf den Konsumentinnen und Konsumenten die Freiheit und Verantwortung des Entscheides nicht abnehmen und niemandem bestimmte Formen der Lebensgestaltung aufdrücken.»

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
«Ich stelle fest, dass die Sensibilisierung für die Themen von KS/CS zunimmt und unsere Haltung auch bei Politikerinnen und Politikern ankommt und von ihnen aufgenommen wird. Auch wenn der Druck auf die Werbung allgemein und bestimmte Werbeformen zunehmen wird, bin ich zuversichtlich, dass das freiheitliche Gesellschaftsbild, dem sich KS/CS verschrieben hat, mehrheitsfähig bleibt. KS/CS setzt sich jedenfalls auch im nächsten Jahr kraftvoll dafür ein.»


 

Roland Ehrler, Direktor Schweizer Werbe-Auftraggeberverband (SWA)

Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2023 in Ihrem Bereich?
«Die vielen Unsicherheiten belasten nach wie vor die Konsumentenstimmung und damit das Geschäft vieler unserer Mitglieder. Gleichzeitig sind die Konsumenten in den letzten Jahren kritischer geworden und erwarten von den Unternehmen, dass diese einen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft leisten. Nach der digitalen Transformation müssen sich die Marketer nun auch der grünen Transformation stellen. Dazu kommt für die Werbebranche noch der zunehmende Fachkräftemangel, die hohen und teilweise intransparenten Mediapreise sowie die Gefahr neuer Werbeeinschränkungen. Als Verband, der die Interessen der Werbetreibenden vertritt, versucht der SWA, die Mitglieder für diese Themen zu sensibilisieren, sorgt für einen Austausch und engagiert sich permanent für die Rahmenbedingungen im Schweizer Werbemarkt. 

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
«Das Schönste ist für mich persönlich, dass anders als vor einem Jahr, die Menschen jetzt fast überall auf der Welt wieder wie vor Corona leben können. Hoffen wir, das bleibt so und wir müssen nie mehr solche Einschränkungen erleben! In diesem Jahr freue ich mich auf alle neuen Anwendungen im Web 3. Die Möglichkeiten neuer Anwendungen mit Augmented oder Virtual Reality, künstlicher Intelligenz und den Metaversen sind nahezu unbegrenzt. Ich bin sehr gespannt, welche Unternehmen und Marken sich hierzu in der Schweiz erfolgreich in Szene setzen werden.»



Im ersten Teil der Umfrage haben ADC, MAZ, VSM, IGEM und Harbour Club Auskunft gegeben.





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