21.09.2021

Schweizer Buchpreis

Christian Kracht zieht sein Buch zurück

Der Schriftsteller ist für den Deutschen Buchpreis nominiert. Die Absage in der Schweiz begründet er unter anderem mit der Berichterstattung einiger Schweizer Medien.
Schweizer Buchpreis: Christian Kracht zieht sein Buch zurück
Möchte den anderen vier Buchpreis-Nominierten eine grössere Chance geben: Der Autor Christian Kracht. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Der Schweizer Autor Christian Kracht zieht seinen Roman «Eurotrash» vom Schweizer Buchpreis 2021 zurück und ist gleichzeitig für den Deutschen Buchpreis 2021 nominiert. Das wurde am Dienstag bekannt.

Am vergangenen Freitag haben die Jury und die Träger des Schweizer Buchpreises, das internationale Literaturfestival BuchBasel und der Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) einen aus ihrer Sicht enttäuschenden Brief vom Schweizer Autor Christian Kracht bekommen. Darin hat er mitgeteilt, dass er sich vom Schweizer Buchpreis 2021 zurückziehe.

Zwei Argumente hat Kracht für diesen Entscheid angeführt: Er wolle «der Diskussion über die Förderung meines Werkes, wie sie bisweilen in einigen Schweizer Medien betrieben wird, nicht weiteren Stoff liefern». Und: Er habe den Schweizer Buchpreis bereits 2016 erhalten und wolle nun den anderen vier nominierten Autorinnen und Autoren eine höhere Chance geben. So zitierten die beiden Träger des Schweizer Buchpreises Krachts Schreiben in einer Mitteilung von Dienstag.

Rückzug kommt spät

Jury-Sprecher und Kulturredaktor Daniel Graf bedauert gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor allem den späten Zeitpunkt, zu dem der Entscheid von Kracht kommt. Denn die Jury hatte Krachts Roman «Eurotrash» bereits Mitte September als eines von den fünf besten deutschsprachigen Büchern des aktuellen Jahrgangs auf der Shortlist nominiert. Zudem sind eine ganze Reihe von Terminen für Lesungen in der Schweiz, Deutschland und Österreich fixiert.

Mit Blick auf dieses Verfahren sagt Graf: «Ich hätte es fairer gefunden, wenn der entsprechende Entscheid früher gekommen wäre.» Schliesslich habe Kracht seit 2016 gewusst, dass er den Schweizer Buchpreis schon einmal erhalten habe, damals für seinen Roman «Die Toten».

Graf wie auch Katrin Eckert, Geschäftsführerin von BuchBasel, bedauern zudem, dass eine andere Autorin oder ein anderer Autor zu den fünf Nominierten gehören würden, wenn sich Kracht früher entschieden hätte. «Inhaltlich finde ich das schade», sagt Eckert.

Graf erzählt, dass jedes Jurymitglied «mindestens zwei bis drei weitere Namen» für die Shortlist parat gehabt hätte. «Es ist ein schmerzlicher Prozess, sich auf den engen Kreis der fünf Nominierten zu einigen», sagt Graf. Die Jury hatte die Shortlist aus 92 eingereichten Titeln zusammengestellt. Dabei sei die Nominierung kein Zwang, so Graf. Denn die Bücher werden von den Verlagen in Absprache mit den Autorinnen und Autoren eingereicht.

Kryptisch ist Krachts Argument zur Förderung seines Werks. Vermutlich bezieht er sich damit auf einen Artikel in den Tamedia-Zeitungen von Anfang Oktober letzten Jahres. Darin geht es um einen Werkbeitrag von 25'000 Franken der Kulturstiftung Pro Helvetia an den Bestsellerautor aus vermögendem Haus. Wäre Kracht nun mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet worden, hätte er dafür eine Preissumme von 30'000 Franken bekommen. Kracht selber war für eine Stellungnahme gegenüber Keystone-SDA nicht erreichbar.


Strahlkraft des Deutschen Buchpreises

Bemerkenswert ist zudem, dass quasi zeitgleich mit der Mitteilung des Rückzugs vom Schweizer Buchpreis die Jury des Deutschen Buchpreises in Frankfurt mitteilte, Kracht sei neben fünf weiteren Autorinnen und Autoren für den Deutschen Buchpreis 2021 nominiert.

Offen bleibt auch, ob diese Nominierung eine Rolle für Krachts Rückzug in der Schweiz gespielt hat. Immerhin hat der Deutsche Buchpreis für die Wahrnehmung eines Werks im deutschen Sprachraum eine höhere Strahlkraft als das Pendant in der Schweiz.

In der Geschichte beider Buchpreise ist es bis anhin nur einmal vorgekommen, dass eine Autorin oder ein Autorin beide Preise erhält: 2010 erhielt die Zürcherin Melinda Nadj Arbonji für ihren Roman «Tauben fliegen auf» beide Auszeichnungen. Und in der Geschichte des Schweizer Buchpreises seit 2008 gibt es niemanden, der den Preis zwei Mal bekommen hätte.

Der Trägerschaft bleibt nun nichts, als den Entscheid von Kracht «zu nehmen, wie er ist». SBVV-Geschäftsführerin Tanja Messerli verweist darauf, dass sein Rückzug ab sofort gilt. Er werde nicht an der Lesetour und an der Preisverleihung am 7. November im Rahmen der BuchBasel teilnehmen, aber den Beitrag von 3000 Franken für die Nominierung auf der Shortlist bekommen.

Und Daniel Graf verspricht, dass die verbleibenden Shortlist-Bücher «noch einmal intensiv diskutiert werden». Damit stehen «Die Erfindung des Ungehorsams» von Martina Clavadetscher, «Was der Fall ist» von Thomas Duarte, «Feuerland» von Michael Hugentobler und «Grösser als Du» von Veronika Sutter für den Schweizer Buchpreis 2021 zur Debatte. (sda/wid)



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