19.02.2013

Holocaust

Dokumente über Nazi-Verbrechen seit 1990er Jahren bekannt

Bisher als unveröffentlicht deklariert.

Als bisher unveröffentlicht deklarierte Dokumente und Bilder über Massentötungen während der Nazi-Zeit haben Ende Januar in der Schweiz für Aufsehen gesorgt. Laut dem Historiker Sacha Zala sind sie seinerForschungsgruppe jedoch bereits seit 1985 bekannt.

Die Nachrichtenagentur sda hatte am 27. Januar einen Bericht der "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens mit der Aussage übernommen, die offizielle Schweiz habe bereits 1942 von den Nazi-Verbrechen an Juden gewusst. Das Fernsehen zitierte dabei "bisher unveröffentlichte Dokumente". Die sda übernahm diese Formulierung.
 
Zala, Direktor der Forschungsgruppe der Diplomatischen Dokumente der Schweiz, hält entgegen, dass der Wissenstand der Schweizer Behörden von 1942 seit langem
bekannt ist. Er widerspricht zudem der Aussage, die Dokumente und Bilder seien "unbekannt".
 
Seit 1973 seien die Dokumente und Bilder im Schweizerischen Bundesarchiv frei zugänglich. Entsprechend habe seine Forschungsgruppe bereits 1997 in Band 14 der "Diplomatischen Dokumente der Schweiz" (DDS) auf sie verwiesen.
 
Die Forschungsgruppe hat eine elektronische Dokumentation zum Holocaust auf der Internetseite dodis.ch aufgeschaltet. Diese Dokumentation ist seit 2004 zugänglich. Sie wurde damals aus Anlass des erstmals an den Schweizer Schulen begangenen Shoah-Gedenktages publiziert. Die Zeitung "Le Temps" druckte zwei dieser Bilder 2012 ab.
 
Diverse Publikationen
 
Zala verwies ferner auf das Buch "Bilder aus der Schweiz 1939-1945" von Katri Burri und Thomas Maissen, das im Jahr 1997, nach dem Band 14 der DDS, veröffentlicht worden war. Dort waren einige dieser Fotos über die Massenmorde an den Juden zu sehen. Weitere Veröffentlichungen folgten.
 
Die grosse mediale Resonanz der Fotografien anlässlich des Shoah-Gedenktages Ende Januar 2013 zeige aber deutlich, dass die Bilder eines Massakers in Rumänien im Jahre 1941 von einer breiten Öffentlichkeit in der Schweiz bislan kaum rezipiert wurden. Was einigen als Novum erscheine, sei Historikern und an Geschichte Interessierten oft schon seit langem bekannt, sagte Zala. (sda)

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