24.09.2026

SRF

Ein Coach für den nicht-blinden Darsteller

Ab Sonntag wird die Krimiserie «Blind» ausgestrahlt. Darin spielt Sven Schelker einen sehbehinderten Barkeeper, obwohl er selbst nicht sehbehindert ist. So ist SRF mit dieser heiklen Ausgangssituation umgegangen.
SRF: Ein Coach für den nicht-blinden Darsteller
Den Umgang mit dem Langstock hat Sven Schelker mit seinem Coach vom Sehbehinderten Verband geübt. (Bild: SRF)

Castings für Film und Serien stehen vermehrt unter Beobachtung. Es passiert immer wieder, dass die Auswahl der Darstellerin oder des Darstellers scharf kritisiert wird. Die Wahl von Jake Gyllenhaal für «Prince of Persia» (2010) wurde kritisiert, weil er als weisser Schauspieler einen Perser verkörpert hat. Scarlett Johansson ist 2018 aus einem Filmprojekt ausgestiegen, nachdem ihre Wahl für die Rolle eines Transmanns kritisiert wurde. Das sind nur zwei Beispiele.

Auch die Besetzung der neuen SRF-Serie «Blind» hat a priori Zielscheibenpotenzial. Hauptcharakter der Geschichte, die aus dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Christine Brand verfilmt wurde, ist ein sehbehinderter Barkeeper, der Zeuge einer Bluttat wird. Nur: Der Schauspieler, der ihn verkörpert, Sven Schelker, ist selbst nicht sehbehindert.

Erfolgloses erstes Casting

Gegenüber persoenlich.com erklärt SRF, dass es «sehr bestrebt war, die Rolle des blinden Barkeepers mit einer Person mit einer Sehbehinderung zu besetzen». Trotz eines intensiven Castings im deutschsprachigen Raum habe man allerdings keinen passenden und professionellen Schauspieler mit Sehbehinderung finden können. Die Wahl sei erst in einer weiteren Castingrunde auf Sven Schelker gefallen.

Der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV) bestätigt auf Anfrage die Bemühungen von SRF. Er lobt den Sender für sein Vorgehen. Der SBV sei früh einbezogen worden und eine sehbehinderte Beraterin habe Schelker bei den Vorbereitungen unterstützt. «Es ist zu begrüssen, dass das Thema Blindheit in Filmen aufgegriffen wird. Voraussetzung ist eine glaubwürdige und respektvolle Wiedergabe der Lebensrealität blinder Menschen», so der SBV.

Dieser Coach, dessen Aufgabe es war, dass Sven Schelker einen Blinden glaubwürdig wiedergibt ist Daniela Moser. Für sie wäre es «grundsätzlich ideal, wenn ein Schauspieler mit Sehbehinderung die Rolle spielen würde». Da keine geeignete betroffene Person gefunden wurde, sei die Alternative, einen sehenden Schauspieler durch den SBV zu coachen, sicher eine gute Lösung.

Sven Schelker hat sie beigebracht, dass viele alltägliche Handgriffe über andere Sinne als das Sehen geschehen. Zum Beispiel das Einschenken einer Flüssigkeit in ein Glas: «Der Flüssigkeitsstand im Glas wird beispielsweise übers Gehör ermittelt. Je tiefer der Ton, umso voller ist das Glas. Auch kann mit dem Finger im Glas der Füllstand überprüft werden.»

Üben am Berner Hauptbahnhof

Auch Sven Schelker war sich der sensiblen Situation bewusst. «Ich habe mit sehbehinderten Menschen darüber geredet, inwiefern sie sich auch von einer sehenden Person repräsentiert fühlen könnten. Mit der durchweg positiven Unterstützung dieser Personen im Rücken konnten wir gemeinsam die Arbeit aufnehmen», schreibt er auf Anfrage. Am schwierigsten für eine authentische Darstellung sei es gewesen, zu lernen, die Reflexe zu unterdrücken, die durch die Sehkraft kommen. Er musste zum Beispiel üben, nicht die Hand automatisch auf die Türklinke fallen zu lassen. Mit Daniela Moser hat der Schauspieler auch einen Vormittag am Berner Hauptbahnhof verbracht. Moser habe ihm dort unter anderem den Umgang mit dem Langstock gezeigt. «Was ich in dieser Arbeit gelernt habe, ist ein vertieftes Verständnis dafür, was es heisst, ohne Sehkraft zu sein. Und davor habe ich den grössten Respekt.»

Anhand von Gesprächen mit der Regie und dem Ablauf des Coachings zeigt sich Daniela Moser mit Schelkers Arbeit zufrieden. Eine eigene Meinung kann sich das Publikum ab Sonntag machen. Die Serie läuft auf Play SRF und SRF1. Am selben Tag zeigt das Zurich Film Festival die erste Folge in Anwesenheit von Romanautorin Christine Brand.


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KOMMENTARE

Sven Widmer
24.09.2026 09:04 Uhr
Ich verrate jetzt hier ein Geheimnis. Der Mörder beim Tatort ist in Wirklichkeit kein Mörder, sondern ein Schauspieler.
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