12.03.2019

New Media Journalism

Eine Romanze, die nicht wahr sein muss

Studierende haben ein Storytelling-Projekt ausgearbeitet, das zeigt: Deep-Fake-Videos bieten auch Chancen.
New Media Journalism: Eine Romanze, die nicht wahr sein muss
Mehr und mehr gefälschte Videos tauchen im Netz auf, sogenannte Deep Fakes. (Bild: zVg.)

Der junge Journalist Ben hat eine lange Partynacht hinter sich. Seine Freundin Marie ist 30 geworden und die Feier mit gemeinsamen Bekannten war entsprechend heftig. Doch am nächsten Morgen plagt Ben mehr als nur ein Kater. Marie hat nämlich ein Video bekommen, auf dem zu sehen ist, wie Ben im Flur vor der gemeinsamen Wohnung leidenschaftlich ihre beste Freundin Susanne küsst. Ben ist schockiert, kann sich nicht erinnern und bittet seine Kollegen in einer Whatsapp-Chatgruppe verzweifelt um Hilfe.

Das ist das Setting, in dem zehn Studierende des internationalen Studiengangs New Media Journalism ein Storytelling-Projekt namens «Deep Fake Love» rund um Deep Fakes entwickelt haben, wie es in einer Mitteilung heisst. Deep Fakes sind Videos, die durch künstliche Intelligenz erstellt werden. Sie enthalten falsche, aber sehr echt wirkende bewegte Bilder. Viral ging zum Beispiel ein Video, in dem Angela Merkels Gesicht durch jenes von Donald Trump ersetzt wird.

In ihrem Projekt zeigen die Studierenden aus der Schweiz und aus Deutschland gemäss der Mitteilung, wie Deep-Fake-Videos entstehen, wie sie mit Hilfe des sogenannten Debunking entlarvt werden können und dass in der Geschichte schon immer Medieninhalte gefälscht wurden. Sie beleuchten auch die positiven Seiten der neuen Videotechnik: Sie kann tote Sängerinnen wiederauferstehen lassen, macht Fantasy-Wesen in Filmen noch lebensechter und bietet nicht zuletzt auch Medienschaffenden die Chance, ihre Geschichten noch kreativer zu erzählen.

Interviews mit Experten für Storytelling und Debunking, für Zukunftsforschung und Medienethik sowie Recherchen in den Tiefen der Geschichte und des Internets dienten den Studierenden als Grundlage für den aufschlussreichen Multimediabeitrag. Das Besondere an «Deep Fake Love» sei, dass hier an einem Ort und mit Hilfe einer Liebesgeschichte, in die sich jeder einfühlen könne, alles Wissenswerte über Deep Fakes vermittelt werde, wie es weiter heisst. Und dass sich die Studierenden nicht vom Alarmismus rund um die manipulierten Videos blenden lassen würden.

Ob nun das Video vom küssenden Ben ein Deep Fake ist oder nicht, bleibt bis zum Schluss offen. Damit schaffen die Storymacher einen überraschenden Turnaround: Sie zeigen zwar im Projekt auf, dass solche Videos identifiziert werden können, machen aber auch deutlich, dass normale Menschen in ihrem Alltag dies nicht so rasch und einfach auf die Reihe kriegen. Und so bleibt eine Frage zurück: Wird es eine Welt geben, in der man als Fremdgänger in ein Video integriert werden kann und deswegen alles verliert? (pd/cbe)



Am Masterlehrgang New Media Journalism ist auch das MAZ Luzern beteiligt.

 



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