11.01.2026

Todesfall

Erich von Däniken ist gestorben

Der Schweizer Autor und Publizist hat sich als umstrittener Götterforscher weltweit einen Namen gemacht. Seine Bücher verkauften sich millionenfach. Jetzt ist von Däniken mit 90 Jahren im Berner Oberland verstorben.
Todesfall: Erich von Däniken ist gestorben
Erich von Däniken, hier auf einer Aufnahme von 2010, ist am Samstag im Alter von 90 Jahren verstorben. Das teilte ein Vertreter mit und wurde der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Sonntag von Erich von Dänikens Tochter bestätigt. (Bild: Keystone/Karl-Heinz Hug)

Umtriebig, rastlos und stets auf der Suche nach Antworten auf seine Fragen: Erich von Däniken war bis ins hohe Alter aktiv. Über 200 Tage war er allein 2024 noch unterwegs, bestritt unzählige Auftritte und war auf Reisen. So besuchte er etwa Ägypten, Jordanien oder die Türkei. Kurz vor seinem 90. Geburtstag im vergangenen April musste er dann etwas kürzer treten.

Ausgerechnet bei der Präsentation seiner ersten autorisierten Biografie anlässlich seines 90. Geburtstags war der Mann, der stets im himmelblauen Sakko auftrat, der grosse Abwesende.

Er sei gesundheitlich «etwas angeschlagen», sagt sein langjähriger Assistent, Manager und Wegbegleiter Ramon Zürcher der Nachrichtenagentur Keystone-SDA damals. Eine geplante Vortragstournee hatte der Autor abgesagt.

Von Däniken verfasste 49 Bücher, die laut Zürcher 75 Millionen mal verkauft und in über 30 Sprachen übersetzt wurden.

Der Autor und Publizist war ein globales Phänomen: Seit den 1960er-Jahren machte er sich einen Namen als Götterforscher, der Mythen und Mysterien zu erklären versuche. Mayas, Inkas, Ausserirdische – von Däniken lieferte Erklärungen für das Unerklärbare und für das, worauf die Wissenschaft keine Antwort hatte. Er traf damit einen Nerv der Zeit.

Vom Jesuitenschüler zum Unternehmer

Manager Zürcher beschrieb von Däniken als charismatisch, begeisterungsfähig und begeisternd. Seit Kindesbeinen neugierig und stets auf der Suche. Diese Eigenschaften hätten ihn durch sein Leben getragen. Von Däniken sei ein Getriebener gewesen – und ein grosszügiger Gastgeber. Alle waren sie bei ihm zu Besuch: Astronauten, Kosmonauten, Wissenschaftler.

Von Däniken erblickte am 14. April 1935 im aargauischen Zofingen das Licht der Welt und wuchs in einer streng katholischen Familie in Schaffhausen auf. Als Schüler in einem Jesuiten-Internat in Freiburg lernte er alte Sprachen. Vieles, was er im Latein- und Griechisch-Unterricht bei Übersetzungen aus dem Alten Testament las, stellt er in Frage.

Mit «Erinnerungen an die Zukunft» im Jahr 1968 löst von Däniken einen Science-Fiction-Boom aus und erobert die Bestsellerlisten. Mit seinen Deutungen alter Überlieferungen feierte der damalige Hotelier als Hobbyforscher einen Welterfolg. Die New York Times schrieb gar vom Ausbruch der «Dänikenitis».

Dem Erstling folgen zahlreiche weitere Bücher, Dokumentarfilme und Fernsehserien. Aus dem Hobbyforscher von Däniken wurde ein Unternehmer, später gründet er eine Stiftung.

Mit seiner Mischung aus Pseudowissenschaft und Unterhaltung erreichte von Däniken ein Millionenpublikum.

Er wurde belächelt und verehrt. Der Spiegel schrieb 1973 vom «Däniken-Schwindel», von Wahn und Geschäft, aber auch von einem «Welt-Phänomen». So oder so: Von Däniken traf den Geschmack seines Publikums, irgendwo zwischen Verschwörungstheorie und anerkannter Wissenschaft.

Ohne Glück beim Mystery Park

1995 zog von Däniken mit seiner Frau nach Beatenberg im Berner Oberland. In Unterseen bei Interlaken bezog er ein Büro, das zum Archiv mit tausenden von Büchern, Reliquien und Unterlagen wurde. Alles Beweise für seine Theorien.

Sein Themenpark in Interlaken jedoch musste im November 2006 nach zweieinhalb Jahren wegen finanzieller Probleme wieder schliessen. Beim Mystery Park blieb der sonst so erfolgsverwöhnte von Däniken glücklos.

2009 begann von Däniken, sich als fleissiger Twitterer zu betätigen. Er unterhielt auch in den Sozialen Medien ein grosses Publikum. (sda/cbe)

Von Dario Greco und Therese Hänni, Keystone-SDA


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