29.01.2026

Palais Mascotte

«Es ist ein Stück Zürcher Kulturgeschichte»

Der traditionsreiche Club an der Theaterstrasse hat am Donnerstag unter neuer Leitung von Isabel-Sophie «Bella» Loheit eröffnet. Erstmals wird der Ort von einer Frau geführt. Die Agentur Inhalt und Form gestaltete den visuellen Auftritt.
Palais Mascotte: «Es ist ein Stück Zürcher Kulturgeschichte»
Isabel-Sophie «Bella» Loheit führt das Palais Mascotte in Zürich als neue Betreiberin und CEO in eine neue Ära. (Bilder: zVg)

Frau Loheit, das Mascotte heisst neu Palais Mascotte. Warum änderten Sie den Namen?
Der ursprüngliche Name Palais Mascotte stammt aus dem Jahr 1916 und begleitet diesen Ort seit über 110 Jahren. Mit der Wiedereröffnung wollten wir bewusst dorthin zurückgehen, wo alles begann. Der Name ist nicht nur historisch, sondern trägt die Identität und den Geist dieses Hauses in sich – ein Ort für Kunst, Freiheit, Kreativität und Begegnung. Wir erfinden das Palais Mascotte nicht neu, wir denken es neu.

Das tönt sehr gut, aber was wird sich für den Gast konkret ändern?
Sehr viel – und gleichzeitig bleibt das Wesentliche erhalten. So fliessen die Bar und der Club zusammen. Die Abende beginnen im Barbetrieb und gehen fliessend in den Club über. Es sind keine getrennten Welten mehr, sondern ein durchlässiges Erlebnis. Auch die Musik soll nicht mehr durch Zufall oder Lautstärke bestechen, sondern kuratiert werden. So legen wir Wert auf Italo Disco, Funk bis Chicago House. Wir haben auch keine Fremdveranstalter mehr. Zudem führen wir Ausstellungen, Talks und Vernissagen durch – Kunst wird ein Teil der Atmosphäre.

Wen wollen Sie mit Ihrem neuen Konzept ansprechen?
Auf einen Punkt gebracht: Menschen, die echte Begegnungen suchen – Tanzende, Denkende, Arbeitende, Liebende, Suchende. Wir sprechen ein kulturinteressiertes, neugieriges Publikum an, das Wert auf Qualität, Atmosphäre und musikalische Tiefe legt. Menschen, die sich nach Wärme, Kreativität und einem Ort sehnen, an dem sie einfach sein dürfen – oder werden.

Wem gehört das Palais Mascotte?
Das Palais Mascotte wird unter neuer Leitung betrieben, wobei ich das Haus als Betreiberin, CEO und Co-Owner übernehme.

Nun hiess es lange, das Mascotte sei geschlossen. Jetzt geht es wieder auf. Welche Reaktionen haben Sie darauf bekommen?
Die Reaktionen waren sehr positiv – viele Menschen verbinden mit diesem Ort persönliche Erinnerungen, emotionale Momente und eine lange Geschichte. Die Wiedereröffnung wird als Rückkehr eines bestimmten «Geistes» wahrgenommen: eines Ortes voller Freiheit, Kreativität und Nähe.

Ist ein solcher «Kaltstart» nicht ein Problem?
Nein, im Gegenteil. Wir starten mit einer klaren Vision, einem starken Team und einer tiefen Verbindung zur Geschichte des Hauses. Die Pause gibt uns die Möglichkeit, bewusst zu kuratieren, neu zu strukturieren und etwas aufzubauen, das organisch wachsen kann. Das Palais Mascotte lebt nicht von Technik oder Trends, sondern von Haltung.

Was gab für Sie den Ausschlag, beim Palais Mascotte einzusteigen?
Das Palais Mascotte entsteht erst wieder durch meine Vision. Vorher war es der Club Mascotte. Das Palais Mascotte ist kein beliebiger Ort. Es ist ein Stück Zürcher Kulturgeschichte. Einen Raum mit so viel Vergangenheit in die Zukunft zu führen, ohne ihn seiner Seele zu berauben, ist mein Traum. Es ging mir nie darum, einfach einen Club zu übernehmen, sondern Verantwortung für einen Ort zu tragen, der immer schon mehr war als Nachtleben: Bühne, Begegnungsraum, Zuflucht. Der Gedanke, dieses nächste Kapitel «erstmals aus einer weiblichen Perspektive» schreiben zu dürfen, war für mich persönlich sehr ausschlaggebend.

Wie bewerben Sie die Location?
Wir setzen bewusst nicht auf klassische Club-Promotion, sondern auf einen ganzheitlichen Marken- und Kommunikationsansatz. Gemeinsam mit der Iundf Group – insbesondere der Agentur Inhalt und Form und Philip Stolte (Art Director) – haben wir das Palais Mascotte strategisch und kommunikativ neu positioniert: als kulturellen Ort mit Haltung, nicht als austauschbare Eventlocation.

Inhalt und Form verantwortet dabei den 360-Grad-Ansatz – vom Aufsetzen und Führen der Social-Media-Kanäle über die Eventbewerbung und PR-Arbeit bis hin zur Mediaplanung. Auch die Website wurde als zentrales digitales Aushängeschild neu konzipiert und umgesetzt. Uns geht es weniger um Lautstärke als um Relevanz: Wir erzählen Geschichten, zeigen Haltung und lassen den Ort für sich sprechen. Das Palais Mascotte soll nicht überall sein, sondern genau dort, wo es Sinn macht.


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