31.10.2026

Todesfall

Karl Domenic Geissbühler ist gestorben

Er gehörte international zu den bedeutendsten Gestaltern von Opernplakaten. Für das Opernhaus Zürich schuf er über 700 Sujets.

Karl Domenic Geissbühler ist kurz vor seinem 94. Geburtstag gestorben. Das geht aus einer Todesanzeige hervor, die am Samstag erschienen ist.

Geissbühler kam 1932 in Winterthur zur Welt. Von 1949 bis 1954 absolvierte er die Grafikfachklasse der Kunstgewerbeschule Zürich, wo unter anderen Johannes Itten zu seinen Lehrern gehörte. Anschliessend blieb er der Schule als Assistent erhalten. Später studierte er an der Kunsthochschule Berlin. Ende der 1950er-Jahre zeichnete er zudem mehrere Titelblätter für den Zürcher Student, die heutige Zürcher Studierendenzeitung.

1958 stieg er als Art Director bei der Zürcher Werbeagentur von Rudolf Farner ein und warb dort etwa für Persil. Sechs Jahre später machte er sich selbständig. Er übernahm ein Atelier über dem Kino Corso am Bellevue, das er bis 2012 führte. Danach übergab er die Leitung seiner Tochter Nadine Geissbühler. Zu seinen Auftraggebern zählten British Airways und der Nähmaschinenhersteller Bernina.

Die kommerzielle Werbung sei für ihn «ein notwendiges Übel» gewesen, sagte Geissbühler 2025 der Zürcher Studierendenzeitung. Es zog ihn zur Kunst. 1976 gewann er den Wettbewerb für das neue Logo des Opernhauses Zürich. In der Folge verantwortete er bis 2012 den gesamten Werbeauftritt des Hauses. Weil das Budget anfänglich nur für ein Plakat pro Saison reichte, suchte er selbst nach Sponsoren, darunter frühere Kunden. Bis 2012 entstanden so mit seinem Team über 700 Opernplakate. Jedes verdichtete eine Inszenierung zu einem einzigen, einprägsamen Bild.

Für das Opernhaus gestaltete er auch Bühnenbilder, etwa 1981 für das Ballett «Der Narziss» von Heinz Spoerli. Ausstattungen für Oper und Ballett entwarf er zudem für Häuser in Basel und New York, Plakate auch für das Stadttheater Luzern. Sein letztes Plakat zeichnete er 2012 für die Zürcher Festspiele.

Für sein Schaffen wurde Geissbühler vielfach geehrt. 1965 erhielt er den eidgenössischen Preis für Gestaltung. Die Auszeichnung «Schweizer Plakat des Jahres» ging 1961, 1963, 1988 und 1990 an ihn. 2007 folgte die Goldmedaille in der Sparte Kultur bei den besten Plakaten der Schweiz. Sein Wissen gab er als Lehrer an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel weiter. (ma/nil)


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