15.08.2019

Sascha Michael Campi

«Es ist eine Geschichte direkt aus dem Leben»

Reinhard Lutz, der bekannteste Kokainhändler der Schweiz, ist wegen Dealens im Knast wieder festgenommen worden. Deswegen erscheint seine Biografie «Mein Leben als Schneekönig» bereits am Donnerstag. Ein Gespräch mit Mitautor Sascha Michael Campi.
Sascha Michael Campi: «Es ist eine Geschichte direkt aus dem Leben»
Ist Mitautor von «Mein Leben als Schneekönig», erschienen im Münsterverlag Basel: Sascha Michael Campi. (Bilder: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Campi, in «Mein Leben als Schneekönig» schildert Reinhard Lutz seine Lebensgeschichte. Nun wurde er wegen Kokaingeschäften innerhalb des Gefängnisses wieder verhaftet. Hat Sie dies überrascht?
Bislang ist alles nur eine Vermutung, man weiss nicht, ob Reinhard Lutz wirklich im Knast gedealt hat. Von der Justiz wurde noch nichts bestätigt. Sollte Reinhard Lutz jedoch tatsächlich in neue Drogengeschäfte verwickelt sein, so würde ich dies sehr bedauern. Erstaunen würde mich eine Erhärtung des Verdachtes nicht, gerade wenn man den Werdegang von Reinhard Lutz kennt. Doch man hätte es sich anders gewünscht. Lutz plante auch schon ein Leben in Freiheit.

Wann hatten Sie letztes Mal Kontakt mit Reinhard Lutz?
Er hat mich immer mal wieder telefonisch kontaktiert, dabei ging es um die bevorstehende Buchpublikation, die wir aufgrund der aktuellen Ereignisse vorgezogen haben.

Wie haben Sie eigentlich Reinhard Lutz kennengelernt?
Ich habe ihn in der Strafanstalt Saxerriet kennengelernt. Damals schrieb ich an meinem Buch «Vom Fuchs zum Wolf», in welchem ich die  Ereignisse vom 10. Februar 2012 schilderte, als ich unter Alkoholeinfluss in der Zürcher Langstrasse in eine Bar hineinfuhr und einen schrecklichen Unfall verursachte. Reini Lutz bekam davon Wind und begann fortan, sich für mich zu interessieren. Zuerst wollte ich das Buch von Lutz nicht ausarbeiten, doch nach Absprache mit meinem Mentor Valentin Landmann habe ich dann zugestimmt. Mit dem Resultat bin ich sehr zufrieden.

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Wie verlief der Entstehungsprozess des Buches?
Reinhard Lutz hatte bereits ein Manuskript, dieses musste ich jedoch von Grund auf überarbeiten. Zudem musste ich Vieles aus seinen Notizen streichen, konnte aber aufgrund unserer langen und persönlichen Gesprächen im Gefängnis Neues hinzufügen.

Was erwartet den Leser des Buches?
Das Buch «Mein Leben als Schneekönig» ist keine Erfolgsgeschichte. Es ist eine Geschichte direkt aus dem Leben, die eine Koryphäe beschreibt, die im Leben gescheitert ist. Es soll jungen Menschen zeigen, was es bedeutet, mit Drogen zu handeln: Man bezahlt für wenige schöne Momente mit Jahrzehnten im Knast. Bei Lutz selber waren es rund 30 Jahre, also die Hälfte seines Lebens. Zudem soll es noch aufzeigen, dass der Drogenhandel, wie er vor zwei, drei Jahrzehnten praktiziert wurde, heute nicht mehr möglich ist. Nebst der persönlichen Geschichte von Reinhard Lutz gibt das Buch auch einen Einblick in die Zürcher Kokainszene, die zu einer der grössten der Welt gehört.

«Es gibt für so etwas keine Rechtfertigung»

Hatten Sie den Eindruck, dass Lutz seine Taten bereut hat?
Lutz hatte es geschafft, mit Kokainhandel viel Geld zu machen. In seiner unternehmerischen Hochblüte besass er sieben legale Firmen mit insgesamt 90 Angestellten. Er war einer der Wenigen, die es geschafft hatten, sich legale Geschäftsfelder aufzubauen. Zudem verfügte er über die Möglichkeit, auszusteigen. Dies hat er jedoch vermasselt, wie so einiges. 

Können Sie sich seinen Rückfall erklären?
Es gibt für so etwas keine Rechtfertigung. Würde der Rückfall sich bestätigen, so vermute ich dahinter das Motiv Geld, respektive Geldnot. Irgend etwas musste wohl dringend bezahlt werden. Genau aus solchen Gründen sollte man sich stets überlegen, welche Grenzen man im Leben überschreitet. Gerade bei Drogendealen ist die Gefahr gross, dass man rückfällig wird, sobald man in Geldnot steckt.

Glauben Sie, dass die erneute Verhaftung von Reinhard Lutz dem Buch nützen wird?
Es gab vor diesem Ereignis bereits viele Medienanfragen. Es wäre so oder so über das Buch berichtet worden. Schädlich ist nur, dass Reinhard Lutz nun für Interviews nicht zur Verfügung stehen wird, sollte die Untersuchungshaft länger dauern.



Sascha Michael Campi wurde 1986 geboren und ist ehemaliger Werbeverkäufer und Barbesitzer. 2018 erschien im Münsterverlag seine Biografie «Vom Fuchs zum Wolf», in welcher er seine Milieu- und Halbwelterfahrungen schildert. Zudem publizierte er im Mai seinen Roman «John Berger - in Teufels Klapse».

 



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