Grosser Publikumsaufmarsch für Sepp Blatter im Chalet Muri an der Stadtgrenze von Bern. Auf Einladung des ehemaligen Berner Stadtrats und heutigen Kommunikationsberaters Claudio Righetti zeigte sich der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter sehr pointiert und angriffig. Anlass für die Einladung war Blatters 90. Geburtstag, den er am 10. März feiern durfte.
Im Gespräch mit Righetti blickte der gebürtige Walliser auf seine lange Karriere zurück, erzählte Anekdoten aus Begegnungen mit internationalen Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Queen Elizabeth II und betonte seine lebenslange Leidenschaft für den Fussball.
Kritik an Gianni Infantino
Gleichzeitig sparte Blatter nicht mit Kritik an der heutigen Fifa und seinem Nachfolger Gianni Infantino. Insbesondere Entscheidungen wie die WM-Vergabe 2034 nach Saudi-Arabien sowie die Nähe zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump und die anschliessende Verleihung des Fifa-Friedenspreises sieht er skeptisch. Dennoch zeigte sich Blatter überzeugt von der Zukunft des Sports, vor allem mit Blick auf den Frauenfussball. Zum Abschluss unterstrich der 90-Jährige, dass er mit reinem Gewissen auf seine Vergangenheit blicke.
Nach über einer Stunde Gespräch wurde er vom Publikum, in dem sich neben dem deutschen, dem finnischen und dem belgischen Botschafter auch bekannte Persönlichkeiten wie Marco Solari, Ehrenpräsident Filmfestival Locarno, oder Benedikt Weibel, ehemaliger SBB-Chef, befanden, mit grossem und zustimmendem Applaus verabschiedet. Elf Jahre nach seinem Rücktritt als Fifa-Chef scheint Blatter wieder vollständig rehabilitiert zu sein, nicht zuletzt wegen solcher Veranstaltungen. (pd/ma)

