18.07.2025

The Late Show

Fans schockiert über Format-Ende

Steht das Ende der amerikanischen «Late Shows» bevor? Die Fans von Stephen Colbert verkrafteten am Freitag nur schwer das angekündigte Ende seiner ikonischen US-Late-Night-Show. Dieses kommt vor dem Hintergrund der Veränderung der Medienlandschaft durch Streaming-Dienste und nach Spannungen mit der Trump-Regierung.

«Nächstes Jahr wird unsere letzte Staffel sein, der Sender wird die Sendung im Mai beenden», erklärte der Moderator der «Late Show with Stephen Colbert» am Donnerstagabend (Ortszeit) unter Buhrufen und ungläubigen Reaktionen des Publikums in den New Yorker Studios. «Ich teile eure Gefühle. Es ist nicht nur das Ende unserer Show, es ist das Ende der ‹Late Show auf CBS, denn ich werde nicht ersetzt, und das alles wird verschwinden», fügte der 61-Jährige hinzu.

Er beendet damit die «Late Show»-Franchise, die 1993 von David Letterman ins Leben gerufen worden war. In den sozialen Medien überschlugen sich die Reaktionen – einige sprachen von «Zensur» und riefen zum Boykott des CBS-Mutterunternehmens Paramount auf, andere begrüssten das Ende einer ihrer Ansicht nach progressiven «Propagandasendung».

Trump: «Liebe es, dass Colbert gefeuert wurde»

«Ich liebe es, dass Colbert gefeuert wurde. Sein Talent ist kleiner als seine Einschaltquoten», freute sich unterdessen der republikanische US-Präsident Donald Trump.

Mit spöttischem Lächeln und seiner typischen schwarzen Brille hatte Stephen Colbert am Montag in der Sendung die Zahlung von 16 Millionen Dollar durch Paramount an Donald Trump als «grosses Bestechungsgeld» bezeichnet, um einen Rechtsstreit beizulegen. Trump hatte CBS beschuldigt, im Vorjahr ein Interview mit der damaligen Vizepräsidentin und Präsidentschäftskandidatin Kamala Harris manipulativ bearbeitet zu haben, um die Demokratin aufzuwerten.

«CBS hat Colberts Sendung nur drei Tage nach dessen Kritik an einer Vereinbarung beendet, die wie Korruption aussieht», schrieb daraufhin die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die politische Gründe vermutet.

«Wenn Paramount und CBS die ‹Late Show aus politischen Gründen beendet haben, muss die Öffentlichkeit davon erfahren», legte der demokratische Senator Adam Schiff nach, nachdem er am Donnerstag in der Sendung zu Gast gewesen war.

Paramount befindet sich in Fusionsverhandlungen mit der Produktionsfirma Skydance, was die Zustimmung der US-Regulierungsbehörde FCC erfordert. FCC-Chef Brendan Carr, ein von Trump ernannter Beamter, hatte bereits erklärt, dass die Einigung mit Trump ein Faktor bei der Bewertung der geplanten 28-Milliarden-Dollar-Fusion sein werde.

CBS bezeichnete die Absetzung der «Late Show» als «rein finanzielle Entscheidung in einem schwierigen Umfeld für das Spätabendprogramm» und betonte, dass diese Entscheidung «in keiner Weise mit den Leistungen der Sendung, deren Inhalten oder anderen Fragen rund um Paramount» zu tun habe (persoenlich.com berichtete).

Rückgang bei Werbung

Laut dem Marktforschungsinstitut Nielsen dominierte Stephen Colbert im ersten Quartal 2025 mit fast 2,4 Millionen Zuschauern deutlich die Konkurrenz unter den «Late Shows», die nach 23.30 Uhr ausgestrahlt werden – vor Jimmy Kimmel (ABC/1,8 Millionen) und Jimmy Fallon (NBC/1,2 Millionen).

Die «Late Show with Stephen Colbert» generiert wöchentlich rund drei bis fünf Millionen Aufrufe auf ihrem offiziellen YouTube-Kanal. Stephen Colbert hatte im Oktober 2019 einen neuen Vertrag mit CBS unterzeichnet, der sein Jahresgehalt auf 15 Millionen Dollar erhöhte, und im Juni 2023 eine Vertragsverlängerung um drei Jahre bis zum Ende der Saison 2026 akzeptiert.

Doch laut einer vom New York Times zitierten Studie des Beratungsunternehmens Guideline sind die Werbeeinnahmen der «Late Shows» seit 2018 um 50 Prozent eingebrochen – ein Effekt der Abwanderung des Publikums zu Streamingplattformen.

Stephen Colbert wurde ab 1999 auf dem Sender Comedy Central als satirischer Korrespondent der «Daily Show» seines Freundes Jon Stewart bekannt, bevor er 2005 erfolgreich «The Colbert Report» startete, mit dem er seinen einzigartigen Stil aus politischem Humor und Ironie etablierte. (awp/sda/afp/cbe)


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