Um die «Absurdität der gefährlichen Initiative» aufzuzeigen, haben über 40 Filmschaffende aus eigenem Antrieb und unentgeltlich drei kurze Spots produziert. Sie thematisieren die Privatisierung von öffentlichen Institutionen wie der Feuerwehr, der Schule und der Trottoirs.
Filmschaffende sehen sich durch die No-Billag-Initiative bedroht. Anfang Januar hatten Filmstars bereits für Cinésuisse, den Dachverband der Schweizer Film- und Audiovisionsbranche, in Spots – produziert von Frank Bodin – Stellung gegen die Initiative bezogen. Nun stellen weitere Filmschaffende ihre ablehnende Haltung in Kurzfilmen dar.
Sie thematisieren die Privatisierung von öffentlichen Institutionen wie der Feuerwehr, der Schule und der Trottoirs. «Heute würde niemand ernsthaft fordern, die Feuerwehr zu privatisieren», sagt Martin Guggisberg, Regisseur der Clips. «In der USA ist das aber zum Teil schon die Realität – Häuser lässt man einfach niederbrennen. Wollen wir wirklich dahin?»
Mitgewirkt haben unter anderem der Kameramann Felix von Muralt (Schellenursli, Die Schwarzen Brüder), Monica Gubser (Herbstzeitlosen, Die letzte Pointe), Isabella Schmid (Papa Moll), Matthias Hungerbühler (Der Kreis) und Daniel Rohr. Gedreht wurde im Dezember in Zürich mit einer 40-köpfigen Crew und Cast, die an diesem Projekt alle unentgeltlich mitarbeiteten. Regie führte Martin Guggisberg, der auch für die Drehbücher zuständig war. Produziert wurden die Spots von Cyrill Gerber (Milan Film) und Andrea Blaser.
«Mit diesen Spots wollen wir die Leute darauf aufmerksam machen, dass die No-Billag-Initiative ein weiterer Versuch ist, eine wichtige öffentliche Institution zu privatisieren. Davon profieren nur die grossen Medien- und Werbekonzerne. Für die Bevölkerung aber wird es teurer», so Guggisberg weiter.
Dazu komme noch: Nur noch genau das zahlen, was man konsumiert, entspricht nicht einem schweizerischen Solidaritätsgedanken, der das Land zusammenhalte. Die französisch-, italienisch- und rätoromanisch-sprachigen Landesteile würden verlieren, Angebote für Menschen mit Seh- und Hörbehinderung könnten nicht mehr finanziert werden, in der Schweiz könnten keine Filme mehr produziert werden. Die Spots werden in ausgewählten Kinos und online zu sehen sein.
Auch Solothurner Filmtage lehnen die Vorlage ab
Auch die Solothurner Filmtage, die grösste Werkschau des Schweizer Films, empfehlen, am 4. März ein Nein zur No-Billag-Initiative in die Urne zu legen. Die Initiative gefährde die kulturelle Vielfalt und den Schweizer Film, teilen die Filmtage mit.
Im Rahmen des Filmfestivals, das vom 25. Januar bis 1. Februar stattfindet, wollen sich Schauspielerinnen und Schauspieler gegen die Initiative stark machen. So laden Jean-Luc Bideau, Heidi Maria Glössner, Stefan Gubser, Max Hubacher und Sarah Spahle am 31. Januar zur performativen Aktion «Nein zu No Billag!».
Ein weiteres Nein aus der Kulturbranche hat auch die Société Suisse des Auteurs (SSA) bekanntgegeben. Kurz vor Beginn der Solothurner Filmtage erinnert sie in einer Mitteilung daran, dass grosse und kleine Kulturveranstaltungen zwingend auf Berichterstattung in den Medien angewiesen seien. Nicht nur, um Publikum anzulocken, sondern auch, um Sponsoren zu überzeugen. Für diese sei die Sichtbarkeit einer Veranstaltung ausschlaggebend. Kein ausländisches Medienunternehmen und kein rein kommerzieller Schweizer Sender könne den Festivals, Konzerten, Theateraufführungen so viel Sichtbarkeit geben wie es heute die Service-public-Radios und -Fernsehen täten. (pd/maw)

