20.04.2020

Mehr Schweizer Filme

Filmschaffende üben Kritik an SRF

Das Schweizer Fernsehen reagiert auf den Appell einer notleidenden Branche und zeigt in den kommenden Wochen mehr hiesige Filmproduktionen. Doch der Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz freut sich nur bedingt. Die neuen Sendeplätze seien zu spät angesetzt.
Mehr Schweizer Filme: Filmschaffende üben Kritik an SRF
In «Verdacht» wird Max Gruber (Imanuel Humm) vor den Augen seiner Schüler verhaftet. (Bild: SRF)
von Michèle Widmer

Die Coronakrise trifft für die Kulturschaffenden hart. Anfang April machten die Verbände Association suisse des scénaristes et réalisateurs de films und Filmregie und Drehbuch Schweiz (ARF/FDS) auf die Misere aufmerksam. Viele im Jahr 2020 lancierten Filme drohten sang- und klanglos in den Archiven zu verschwinden. 

Der ARF/FDS hat «den öffentlichen Schweizer Fernsehanstalten» deshalb den Vorschlag gemacht, während der Coronakrise Programmlücken mit Schweizer Spiel- und Dokumentarfilmen zu füllen. Mit den entsprechenden Sendeentschädigungen würde das Fernsehen so einen wertvollen Beitrag zur Minderung der finanziellen Not der Filmurhaber leisten. (persoenlich.com berichtete).

Weitere Schweizer Filme im Programm

Nun reagiert SRF auf diesen Vorschlag und zeigt mehr Schweizer Filme, wie es in einer Mitteilung vom Montag heisst. Man wolle die Branche «rasch und unbürokratisch unterstützen» und nehme in den kommenden Wochen zum bereits bestehenden Angebot noch weitere Schweizer Filme ins Programm.

Konkret schafft SRF ab Mai zwei zusätzliche Sendeplätze für Schweizer Filmproduktionen. Für fiktionale Produktionen wird ab Montag, 4. Mai 2020, jeweils um 22.55 Uhr auf SRF zwei ein wöchentlicher Sendeplatz etabliert. Auf diesem Sendeplatz sollen vor allem Schweizer Spielfilme gezeigt werden, die thematisch zum eher jüngeren Zielpublikum auf SRF zwei passen.

Bei der Auswahl der Filme werde einerseits berücksichtigt, dass diese für den jeweiligen Sendeplatz geeignet seien, und andererseits, dass möglichst viele verschiedene Produktionsfirmen berücksichtigt werden. Geplant sind Filme wie «Sennentuntschi» (Regie: Michael Steiner), «Recycling Lily» (Regie: Pierre Monnard) oder «Verdacht» (Regie: Sabine Boss).

Schweizer Dokumentarfilme werden neu und bis auf Weiteres ab Sonntagabend, 10. Mai 2020, regelmässig um 23 Uhr auf SRF 1 programmiert. Den Start macht hier «Das Mädchen vom Änziloch» (Regie: Alice Schmid), gefolgt von «Wätterschmöcker» (Regie: Thomas Horat) oder «Messies – Ein schönes Chaos» (Regie: Ulrich Grossenbacher). Danebst bleibe der wöchentliche Sendeplatz der «CH:Filmszene» und von «DOK» am Donnerstaghauptabend weiterhin eines der wichtigen Schaufenster für Dokumentarfilme.

Mit diesen beiden neuen Sendeplätzen will SRF dem Schweizer Film zu mehr Sichtbarkeit verhelfen, wie es weiter heisst. Über die Senderechtsentschädigungen und die breitere Verteilung der Succès-passage-antenne-Gelder wolle man so einen kleinen Beitrag zur Linderung der schwierigen finanziellen Situation für viele Filmschaffende leisten.

Schweizer Dok-Filme bleiben «Randerscheinung»

Beim Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz (ARF/FDS) kann man sich über diesen Schritt von SRF nur bedingt freuen. «Wir begrüssen die zeitnahe Umsetzung sehr. Leider sind beide Sendeplätze mit 22.55 Uhr und 23 Uhr sehr spät angesetzt und werden deshalb nicht das grosse Publikum erreichen», sagt Präsidentin Barbara Miller auf Anfrage von persoenlich.com. 

Gerade der Schweizer Dokumentarfilm geniesse weltweit ein grosses Renommee, gewinne viele Preise und werde an unzähligen Festivals auf der ganzen Welt gezeigt. Dass er bei SRF auch weiterhin, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Randerscheinung bleiben werde, sei sehr bedauerlich.




Welche Schweizer Filmproduktionen SRF in den kommenden Wochen zeigt, sehen Sie hier.



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