Ben Affleck hat mit seinem Polit-Thriller "Argo" den Oscar für den besten Film abgeräumt. First Lady Michelle Obama selbst verkündete die Auszeichnung für "Argo". Prompt gab es Proteste aus dem Iran.
"Argo" ist eine sehr amerikanische Geschichte und zeichnet die Geschehnisse um die tatsächliche Rettung von US-Geiseln in Teheran 1980 nach. Auch die Bekanntgabe der Auszeichnung war sehr amerikanisch: Michelle Obama verkündete per Live-Schaltung aus dem Weissen Haus den Oscar für "Argo" in der Königskategorie.
Eine ungewöhnliche Ehre für Regisseur, Hauptdarsteller und Koproduzent Affleck, dessen Thriller drei Preise gewann. Die iranischen Medien zeigten sich am Montag erwartungsgemäss unzufrieden. In Berichten der Nachrichtenagenturen Mehr und Fars wurde "Argo" als "anti-iranischer Film" verurteilt.
Fars kritisierte zudem die silberfarbene Robe der First Lady, die im Iran mit seinen strengen Kleidervorschriften für Frauen verboten wäre. Ein Foto Obamas wurde denn auch offensichtlich geändert: Ihr eigentlich schulterfreies Kleid bedeckt plötzlich die Schultern.
Daniel Day-Lewis mit Oscar-Rekord
Der Protest dürfte der Popularität von "Argo" in den USA eher zuträglich sein. Ein anderes uramerikanisches Filmprojekt enttäuschte dagegen bei der Oscar- Verleihung: Steven Spielbergs Drama "Lincoln" war mit zwölf Nominierungen als Top-Favorit ins Rennen gegangen, holte aber nur zwei der Goldstatuen.
Immerhin konnte der Brite Daniel Day-Lewis als US-Präsident Abraham Lincoln die Akademie überzeugen. Er wurde zum dritten Mal in seiner Karriere als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet - ein Rekord.
Beste Hauptdarstellerin wurde etwas überraschend Jennifer Lawrence für ihre Rolle in dem Film "Silver Linings Playbook". Sie stach damit die hochgehandelte Emmanuelle Riva ("Amour") aus. Beste Nebendarstellerin ist Anne Hathaway im Musical "Les Misérables", das insgesamt auf drei Auszeichnungen kam. Für Lawrence und Hathaway sind es die ersten Oscar-Ehren.
Erfolg für Österreichs Filmschaffen
Die Gala in Hollywood war ein grosser Abend für den österreichischen Film: Michael Haneke holte den Auslands-Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film mit "Amour" und sicherte sich mit 70 Jahren seine erste Goldstatue. Der von in Berlin tätigen Schweizern koproduzierte Film "Kon Tiki" ging leer aus.
Lauter Jubel lag Haneke fern. "Es ist angenehm", sagte der Regisseur auf die Frage, mit welchem Adjektiv er seine Freude über den Gewinn beschreiben könnte. Für den deutsch-österreichischen Schauspieler Christoph Waltz gab es schon den zweiten Oscar.
In dem Western "Django Unchained" spielt der 56-Jährige - wie schon bei seinem ersten Erfolg "Inglourious Basterds" 2010 - eine Nebenrolle unter der Regie von Quentin Tarantino. Der US-Regisseur sicherte sich zudem den Drehbuch-Preis. Tarantino und Waltz zogen mit den Trophäen in der Hand in der Oscar-Nacht durch Hollywood.
Erster Oscar für James-Bond-Song
Den Oscar für den besten Dokfilm erhielt "Searching for Sugar Man" der Filmemacher Malik Bendjelloul und Simon Chinn. Der Film erzählt die Geschichte des Songwriters Sixto Rodriguez, der in den 1970er Jahren zwei erfolglose Folk- Alben aufgenommen hatte und später ohne sein Wissen im Südafrika der Apartheid- Zeit zum Star avancierte.
Adele holte mit "Skyfall" den ersten Oscar für einen James-Bond-Song, und Ang Lees opulente Romanadaption "Life of Pi" wurde mit vier Auszeichnungen, darunter für die Regie, zum erfolgreichsten Film der 85. Academy Awards.
Die amerikanische Filmakademie präsentierte eine gelungene Gala mit sehr viel Musik und einem gut aufgelegten Moderator. Der US-Schauspieler Seth MacFarlane überzeugte bei seiner Oscar-Premiere die Star-Gäste im Dolby Theatre ebenso wie Zuschauer weltweit mit ironischen Witzeleien. (sda)
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