14.09.2022

Todesfall

Fotograf Rolf Canal gestorben

Er gilt als einer der besten Dokumentaristen Graubündens. Für den Verlag Engadin Press hat er vor allem Landschaften für Postkarten, Kalender und Bücher fotografiert.
Todesfall: Fotograf Rolf Canal gestorben
War auch in der Werbefotografie oder im Bereich Architektur und Tourismus tätig: Rolf Canal. (Bild: Urs Oskar Keller)

Ende August ist der bekannte Bündner Fotograf Rolf Anton Canal verstorben. Canal, geboren am 4. März 1959, besuchte in Samedan die Primarschule und später die Mittelschule (heute Academia Engiadina). Von 1977 bis 1980 machte er eine Fotografenlehre bei der bekannten Thurgauer Fotografin Clara Wenzinger in Kreuzlingen am Bodensee.

Nach einigen Wanderjahren im Unterland zog es ihn wieder ins Engadin, denn «nirgendwo war es für ihn so schön wie im Engadin», wie er oft betonte. In seiner Heimat lernte er in jungen Jahren seine grosse Liebe Annette (Patzen) aus dem Domleschg kennen. Sie heirateten 1985 in Samedan und gründeten eine Familie. Von 1983 bis 2006 hat Rolf Canal als Fotograf bei der Engadin Press in Samedan gearbeitet.

Der diplomierte Fotograf arbeitete danach bei der Firma Flüela Foto und Verlag (Samedan) sowie in der Bildredaktion der Zeitung «Südostschweiz. In dieser Zeit geschah auch die Entwicklung der digitalen Fotografie. Viel Wissen über diese neue Technik habe er sich in Eigenregie erarbeitet und später dann auch in Kursen weitergegeben. 2014 hat er seine Firma «fotocanal.ch» gegründet. Er war Mitglied der Schweizer Berufsfotografen und Fotodesigner (SBF).

Poet mit der Grossbildkamera

Das interessante Bildarchiv der Engadin Press wurde von der Südostschweiz Mediengruppe (heute Somedia) in Chur leihweise dem Fotografen Rolf Canal zur Verfügung gestellt. Im historischen Archiv befinden sich geschätzte 40'000 Bilder. Die Engadin Press gab über 2'000 Postkarten-Sujets und Kalender im Eigenverlag heraus.

Der Poet mit der Grossbildkamera – der mit allen Formaten arbeitete – war auch in der Werbefotografie, im Bereich Architektur, Tourismus, Landschaft, Ortsbild und für Porträts tätig. Bei der Engadin Press, die damals Herbert Haueter leitete, gab es auch ein professionelles Foto- und Schwarzweiss-Labor nur für das Unternehmen selbst. Rolf Canal hat für den Verlag vor allem Landschaften für Postkarten, Kalender und Bücher fotografiert sowie Passbilder, Porträts, Reportagen und Aufnahmen für Hotelprospekte gemacht. Daneben war er bis 1990 für die Fotoabteilung im Ladengeschäft im Zentrum von Samedan zuständig.

Bevorzugtes Motiv Graubünden

Fotografieren war für Rolf Canal «Beruf, Leidenschaft und Freizeitbeschäftigung» zugleich. Er bestieg auch gerne die umliegenden Berge und veröffentlichte diverse Bücher über seine Heimat. Sein bevorzugtes Motiv war die Landschaft Graubünden. Rolf Canal hatte ein besonderes Auge für das Detail, für die Spiele zwischen Licht und Schatten und für die Besonderheiten der Natur. Passend dazu veröffentlichte er Bücher wie «Engadin – Tal des Lichts» (1999), «Prägende Landschaften – Engiadina Bassa, Samnaun, Val Müstair» (2000) und «Rhätische Bahn» (2009). Mit dem Engadiner Lehrer und Schriftsteller Daniel Badraun (62), der heute in Schlattingen TG lebt und ebenfalls in Samedan aufwuchs, veröffentlichte Rolf Canal 2021 als Zweitauflage das Buch «Lieblingsplätze Engadin» im deutschen Gmeiner-Verlag in Messkirch. Badraun: «Es war eine spannende Zeit, stundenlang suchten wir nach passenden Bildern zu meinen Texten. Seine Art, die Natur und unsere Dörfer zu sehen, war erfrischend, das fertige Buch war ein grosses Geschenk für mich und sicher auch für das Engadin.»

Ein grosses Herz für das Engadin

«Fotografieren ist mein Leben», sagte er. Einen Schicksalsschlag erlitt die Familie, als seine Gattin Annette 2009 an den Folgen einer Krebserkrankung starb. Mit viel Kraft und Hingabe kümmerte sich Rolf Canal in dieser schwierigen Zeit um seine beiden Söhne und seinen Beruf. 2020 erlitt er einen Schlaganfall und war einige Wochen im Spital und in der Reha Valens GR in Therapie. Mit viel Kraft und Energie holte er sich seine Fähigkeiten zurück und erholte sich glücklicherweise sehr gut.  Am Sonntag, 28. August 2022, war der 63-jährige Fotograf noch wandern und verstarb dann unerwartet in der Nacht auf Montag zu Hause. Rolf Canal hinterlässt zwei erwachsene Söhne, Claudio und Curdin Canal, die beide im Kanton Zürich leben.

von Urs Oskar Keller



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