Die Solothurner Filmtage feiern im Januar ihre 50. Ausgabe. Debütfilme junger Schweizer Filmschaffender prägten die allerersten Filmtage 1966 und spielen auch an der Jubiläumsausgabe eine wichtige Rolle.
Alte Hasen und Jungspunde, Klassiker und Debütfilme, Vergangenheit und Zukunft: Die 50. Solothurner Filmtage feiern an ihrer Jubiläumsausgabe einerseits die reiche Vergangenheit des Schweizer Films und räumen andererseits der jüngsten Generation hiesiger Filmemacher viel Platz ein.
"Es freut mich sehr, dass viele starke Debütfilme von jungen Schweizer Filmschaffenden im diesjährigen Programm sind", sagte Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer am Dienstag in Zürich vor den Medien. Im Zentrum der Geschichten der jungen Filmemacher stünden häufig "die Familie, das Private, die Selbstverwirklichung". Darin unterscheiden sich die Debüts von heute von jenen von 1966: "Damals war das Politische hoch im Kurs. Politik ist im 50. Jahrgang auf der Leinwand weniger stark vertreten."
Einen intimen Blick ins Innere einer Familie wirft Maurizius Staerkle-Drux' Debütfilm "Die Böhms - Architektur einer Familie". In seinem Dokumentarfilm zeigt der Regisseur, wie vier Generationen einer Architektenfamilie zusammen leben, arbeiten und streiten.
Auch Karim Patwas Spielfilm "Driften" ist ein Debüt: Robert, der den Rausch der Geschwindigkeit liebt, versucht nach einem illegalen Rennen wieder Fuss im Leben zu fassen. Das Werk mit Max Hubacher und Sabine Timoteo in den Hauptrollen beziehe den Zuschauer mit ein, ohne selber Stellung zu ergreifen, sagte Rohrer.
Beide Filme gehören zu den sieben Nominierten des "Prix de Soleure 2015". Die Auszeichnung ist verbunden mit einem Preisgeld von 60'000 Franken und ist damit der höchstdotierte Preis des Schweizer Films.
Neues von Boss, Lenz im Film
Zwei, die im letzten Jahr in Solothurn mit "Der Goalie bin ig" einen Grosserfolg feierten, sind auch 2015 an den Filmtagen anzutreffen. "Goalie"-Regisseurin Sabine Boss hat erstmals einen Film in italienischer Sprache gedreht. "Vecchi Pazzi" - deutsch etwa "Verrückte Alte" - handelt von einer ehemaligen Solistin, die in ein Altersheim verfrachtet wird. Der Film feiert an den Filmtagen seine Premiere und wetteifert mit neun anderen um den "Prix du Public".
Auch der Dokumentarfilm "Mitten ins Land" von Norbert Wiedmer gehört zu den Nominierten des Publikumspreises. Der Film ist eine poetische Reise mit Pedro Lenz, Autor des Mundart-Romans "Der Goalie bin ig", durchs Mittelland.
Mit Spannung erwartet werden zwei weitere Premieren: Stina Werenfels zeigt ihren neuen Spielfilm "Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern", eine Adaption von Lukas Bärfuss' Theaterstück, und Paul Riniker präsentiert "Usfahrt Oerlike" mit Jörg Schneider und Mathias Gnädinger in den Hauptrollen.
Treffen der Generationen
Eröffnet werden die 50. Solothurner Filmtage am 22. Januar - nach einer Rede von Bundesrat Alain Berset - vom Spielfilm "Unter der Haut". Auch das Werk von Claudia Lorenz, einer der 184 Spiel-, Dokumentar-, Kurzfilme und Musikclips des Festivalprogramms, ist ein Debütfilm.
An der Jubiläumsausgabe will Filmtage-Direktorin Rohrer Filmemacher der ersten Stunde der Filmtage auf die Generation heutiger Regisseure - wie Claudia Lorenz - treffen lassen und damit den Austausch der Generationen fördern.
Teilweise kontrovers diskutierte Meilensteine des Schweizer Films und damit der Filmtage laufen in der Sektion "L'expérience Soleure". Zum Jubiläumsprogramm gehören auch eine Ausstellung, spezielle Publikationen, ein grosses Fest sowie die Lancierung eines neuen Online-Filmrechercheportals. (sda)

