14.11.2022

Kurzfilmtage Winterthur

Hauptpreis geht an Film aus den Niederlanden

Der Dokumentarfilm «Neighbour Abdi» von Douwe Dijkstra ist an der 26. Ausgabe ausgezeichnet worden.
Kurzfilmtage Winterthur: Hauptpreis geht an Film aus den Niederlanden
Hat sich den Hauptpreis an den 26. Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur geholt: Douwe Dijkstra. (Bild: zVg)

Die diesjährigen Fokus- und Wettbewerbsprogramme an den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur ermöglichten kurze Einblicke in fremde Realitäten und sehr diverse Perspektiven auf aktuelle Krisen und Umbrüche. Der Umgang damit könnte laut Mitteilung unterschiedlicher nicht sein: von dokumentarischer oder experimenteller Annäherung über hoffnungs- oder humorvolle Ansätze bis zur Selbstermächtigung. Der russische Angriffskrieg in Europa, der Klimawandel und die aktuellen identitätspolitischen Fragen waren an den Industry Events, wo sich internationale Filmemacherinnen und Filmemacher – auch aus der Ukraine und Russland – trafen, genauso spürbar wie in den Fokus- und Wettbewerbsprogrammen.

Im Gewinnerfilm «Neighbour Abdi» (Niederlande 2022) spielt der Somalier Abdi mithilfe von Filmemacher Douwe Dijkstra sein Leben nach und versucht seine Vergangenheit voller Krieg und Verbrechen zu verstehen. Der ausgezeichnete Dokumentarfilm «45th Parallel» (Grossbritannien 2022) ist ein Monolog über die Grenzen von Nationen, von Rechtsprechung und von Freiheit. Und im besten Schweizer Film «Flores del otro patio» von Jorge Cadena geht es um eine queere Gruppe von Aktivistinnen und Aktivsten sowie deren performativen Protest gegen die Ausbeutung im grössten Kohlebergwerk Kolumbiens. Insgesamt wurden 13 Preise und lobende Erwähnungen vergeben. Der detaillierte Jurybericht und alle Preisträgerinnen und Preisträger sind unter diesem Link zu finden.

Die komplexen, sozial relevanten Themen – die zur DNA der Kurzfilmtage gehören – stiessen laut Mitteilung auch beim Publikum auf «grosses Interesse». Das Kurzfilmprogramm von Person im Fokus: Kurdwin Ayub; die (identitäts-)politischen Programme Free Your Mind, Free Your Body und Stories of the Uncanny aus dem Grossen Fokus; Los Estados Andinos sowie Mother/Daughter und Borderline aus dem Land im Fokus (Israel) gehörten zu den bestbesuchten Programmen. Ebenso über 95 Prozent ausgelastet waren diverse Wettbewerbsprogramme.

17 000 Eintritte und über 600 Industry-Gäste

Das Spezialprogramm «Sport ist Mord» musste wegen grosser Nachfrage in den grössten Kinosaal Blue Cinema Maxx 1 verschoben werden, in dem unter anderem auch die Festivaleröffnung stattfand: «Nach zwei Coronajahren und vielen Kinoschliessungen war es ein unglaublich bestätigendes Gefühl, das Eröffnungsprogramm der diesjährigen Kurzfilmtage vor einem bis auf den letzten Platz ausverkauften Kinosaal anzumoderieren», lässt sich Stefan Dobler, Kaufmännischer Leiter der Kurzfilmtage, in einer Mitteilung zitieren.

Ein Highlight der diesjährigen Ausgabe sei sicherlich auch die Masterclass von Kurdwin Ayub gewesen, deren bisheriger Werdegang von ersten Gehversuchen bis zu ihrem aktuellen Langfilm «Sonne» (Österreich 2022) von viel Experimentierfreude und Selbstironie zeugt. «Sonne» war soeben mit dem Wiener Filmpreis ausgezeichnet worden. Sie wolle nicht Sprecherin für alle Kurdinnen oder Muslime sein, so Ayub. Vielmehr würden sie momentan Fragen der Vereinbarkeit von Filmschaffen und Care-Arbeit beschäftigen – auch ein grosses Thema des diesjährigen Industry Labs. In der Masterclass und dem anschliessenden Kurzfilmprogramm habe sich wunderbar nachvollziehen lassen, welche Themen und Weggefährtinnen und Gefährten nun auch Ayubs ersten Langfilm mitgeprägt hätten – der ausnahmsweise auch an den Kurzfilmtagen gezeigt wurde.

Mit 17 000 Eintritten und über 600 Industry-Gästen sei die Festivalleitung «sehr zufrieden» mit der ersten Ausgabe auf dem Sulzerareal. «Es war ein cineastisches Feuerwerk. Besonders die Filmemacherinnen und Filmemacher, die das Festival schon länger kennen und besuchen, sind dankbar bis begeistert, dass wir nun endlich alle Filme in Kinosälen mit entsprechenden Soundsystemen zeigen können», wird John Canciani, Künstlerischer Leiter der Kurzfilmtage, zitiert. Und spätestens beim Spaziergang über das Sulzerareal mit dem Hamburger Kollektiv A Wall is a Screen am Freitagabend sei allen klar geworden, wie gut die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur und das Industriegelände zusammenpassen würden. John Canciani fügt an: «Es fühlt sich an wie ein komplett neues, sehr cooles Festival».

Die 27. Internationalen Kurzfilmtage Winterthur finden vom 7. bis 12. November 2023 statt. (pd/tim)



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