06.12.2016

Robert Bösch

«In der Werbung habe ich vieles für den Journalismus gelernt»

Robert Bösch, einer der bekanntesten Bergfotografen der Welt, präsentiert in seinem neuen Buch eine sehr persönliche Wahrnehmung der Bündner Berge. Mit «persönlich» spricht er übers Bergsteigen und die Verlockungen der Digitalfotogafie.
Robert Bösch: «In der Werbung habe ich vieles für den Journalismus gelernt»
von Matthias Ackeret

Herr Bösch, Sie sind einer der bekanntesten Berg- und Actionfotografen der Welt.
 Wie viele Male haben Sie bereits um Ihr Leben gebangt?
Einige Male war es knapp. Man kann es nicht wegdiskutieren, Bergsteigen ist gefährlich. Obwohl ich nie gerettet werden musste und immer wieder selbstständig zurückkam, war es manchmal knapp. Die gefährlichsten Momente erlebte ich allerdings als Fotograf, weil ich durch die Bildsuche abgelenkt war – und das, obwohl ich als Fotograf für ein Bild nie mein Leben riskieren würde. Als Bergsteiger sieht das anders aus: Wenn man etwas erreichen will, muss man bereit sein, Risiken einzugehen. Man steht immer vor dem gleichen Dilemma: Man will eine möglichst schwierige Tour machen, aber lebendig zurückkommen.

Was war vorher: das Bergsteigen oder
 die Fotografie?

Bergsteigen und Fotografie begleiten mich seit meiner Kindheit. Aber zum professionellen Fotografieren bin ich über das Bergsteigen gekommen. Allerdings konnte ich mir lange nicht vorstellen, meinen Lebensunterhalt als Fotograf zu verdienen.

Und als Bergsteiger?
Obwohl ich in Schlieren aufgewachsen bin, war ich mit meinem Vater oft in den Bergen. Mit dem ernsthaften Bergsteigen habe ich allerdings erst nach zwanzig angefangen – aber dann sehr intensiv und suchtmässig. Bergsteigen ist eine gefährliche Leidenschaft, entsprechend muss man diese auch intensiv und seriös betreiben. Bergsteigen ist nicht wie ein New-York-Marathon, wo man es einfach mal versuchen kann. Als Bergführer habe ich später während einiger Jahre mein Auskommen verdient.

Was ist das Verrückteste, was Sie gemacht haben?
Als Fotograf? Jeder Auftrag ist eine neue Herausforderung. Ich gehörte mit drei, vier Kollegen zu den ersten Fotografen im deutschsprachigen Raum, die die Action-fotografie pushten. Das begann in den Achtzigerjahren. Dies schlug sich bei mir unter anderem in verschiedenen Büchern über Gleitschirmfliegen, Skitouren, Mountainbiken oder Bergsteigen nieder. Ich machte mir auch einen Namen, weil ich in gewissen Bereichen weiter ging als andere Fotografen und als Kulisse erstmals auch die grossen Wände miteinbezog. So war die erste Eins-zu-eins-Reportage durch die Eigernordwand ein entscheidender Schritt in diese Richtung. Mit Ueli Steck habe ich dann Jahre später diese Arbeit perfektioniert. Da wir beide geübte Bergsteiger sind, konnten wir mit wenig Aufwand sehr effizient arbeiten. Den Dok-Film über seine drei Rekordbegehungen der Eigernordwand, der Matterhorn-Nordwand und der Grandes-Jorasses-Nordwand haben wir mit geringstmöglichem Aufwand in wenigen Tagen gedreht. Generell haben wir schon voneinander profitiert. Ueli war gewissermassen ein Glücksfall für mich und ich für ihn wohl auch ein bisschen. Doch er wäre auch ohne mich berühmt geworden. Er ist einfach ein zu guter Bergsteiger.

Bekannt sind auch Ihre Werbeaufnahmen
für das Outdoor-Unternehmen Mammut.
 Hat Sie Werbung nie gestört?

Nein, für mich war nie Werbung böse und Journalismus gut. Im Gegenteil: Ich konnte viele Elemente wie die Reportagefotografie für die Werbung verwenden. Gleichzeitig habe ich in der Werbung vieles gelernt, was ich im Journalismus verwenden konnte. Zusätzlich konnte man gutes Geld verdienen. Die Mammut-Kampagne war für mich ein spezieller Glücksfall. Die Idee stammt von der Bieler Agentur Erdmannpeisker. Die Kampagne lebte davon, dass die Bilder authentisch sind, dass die Leute wirklich vor Ort waren. Klar hat man das Ganze am Computer noch ein bisschen perfektioniert. Die besten Bilder waren aber diejenigen, bei denen das nicht notwendig war.

Kürzlich ist Ihr Buch «Aus den Bündner Bergen» erschienen. Wie gingen Sie bei der Realisierung 
des vor?

Ich musste lernen, planlos, ohne Zeitplan, ohne Routenvorstellung und unabhängig von Wetter und Prognose, unterwegs zu sein. Es fiel mir nicht leicht, mich in «meiner» Bergwelt in einer Art und Weise zu bewegen, die ich ein Leben lang zu vermeiden versucht hatte: Beurteilung des Wetters, Routenplanung, Lichteinschätzung, alles musste ich ignorieren. Und vor allem musste ich mich von den Bildern lösen, die ich im Kopf hatte. Dadurch entstand Neues. Obwohl ich weiss, wann und wo ich zu sein habe, um Piz Bernina mit Biancograt im rötlichen Abendlicht zu fotografieren, und ich weiss, wann die Viamala-Schlucht am eindrücklichsten ausschaut, habe ich in diesem Buch auf solche Aufnahmen verzichtet.

Sie waren allein unterwegs. Gab es nie sonderbare Begegnungen, wie beispielsweise mit Messners Yeti?
(Lacht.) Nur mit Jägern. Und die sind natürlich auch sonderbar.


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«Aus den Bündner Bergen», Fotografien, ca. 200 Seiten, ca. 100 grossformatige Fotografien. NZZ Libro.

Noch bis am 14. Januar 2017 findet in der Bildhalle Zürich eine Ausstellung von Robert Böschs neusten Fotografien statt.



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