Sanfter Verführer, wilder Pirat, teuflischer Mörder: Johnny Depp hat fast alle Rollen ausprobiert, vom schrägen Independent-Film bis zum "Fluch der Karibik"-Blockbuster. Am Sonntag wird der hochbezahlte Exzentriker 50.
Schwarze Striche im weiss angemalten Gesicht, eine ausgestopfte Krähe und Federn auf dem Kopf - so meldet sich Johnny Depp auf der Leinwand zurück. Der Pirat, Charmeur, Gangster, Vampir und Monster mit Scherenhänden kommt im August in Gore Verbinskis Western "The Lone Ranger" in der Rolle des Indianers Tonto in die Kinos.
Warum ausgerechnet ein Weisser eine "Rothaut" spielen muss, lästern einige vorab über das mehr als 200 Millionen Dollar teure Action-Abenteuer.
Depp dürfte das nicht kratzen. Den Zuspruch eines Indianerstammes hat er schon. Bei den Dreharbeiten im vorigen Jahr wurde der Schauspieler in New Mexico im Haus der Comanche-Indianerin LaDonna Harris in den Stamm aufgenommen.
Er sei ein sehr umsichtiger Mensch mit Wertvorstellungen, die denen der indigenen Völker entsprächen, sagte Harris damals dem Internet-Portal "Indian Country". Zudem soll Depp von seinen Vorfahren Cherokee-Blut in den Adern haben.
Möchtegern-Musiker
Eine exotische Kindheit war dem Jungen aus dem ländlichen Kentucky aber nicht beschieden. Mit seinen Eltern und drei Geschwistern zog er häufig um. Mit 15 schmiss er die Schule, er wollte Musiker werden. Als Gitarrist tingelte er durch Los Angeles und landete erst als Komparse, dann mit TV-Rollen vor der Kamera.
Der Durchbruch kam 1987 als Undercover-Agent in der TV-Serie "21 Jump Street". "Der dümmste Job, den ich je gemacht habe", klagte er einige Jahre später im dpa-Gespräch, als er den Film "What's Eating Gilbert Grape" vorstellte.
Da war längst klar, dass viel mehr in ihm steckte. In dem Familiendrama des schwedischen Regisseurs Lasse Hallström spielte er den ältesten Sohn, der sich um den behinderten Bruder (Leonardo DiCaprio) kümmert.
Sieben Filme mit Burton
Independent-Regisseur John Waters castete ihn 1990 in "Cry Baby" als 50er-Jahre-Rocker. Tim Burton holte ihn gleich danach als "Edward mit den Scherenhänden" vor die Kamera, Seite an Seite mit Depps damaliger Freundin Winona Ryder. Die Beziehung mit Ryder ging in die Brüche, die mit Burton hält nach sieben gemeinsamen Filmen weiter an.
In Burtons schräger Komödie "Ed Wood" porträtiert der Star den schlechtesten Hollywood-Regisseur aller Zeiten. In "Sleepy Hollow" geht Depp als junger Gendarm Gruselmorden nach. In "Charlie und die Schokoladenfabrik" wird er zum kauzigen Fabrikanten Willy Wonka.
In "Sweeney Todd" brachte Burton seinen Star als teuflischen Barbier zum Singen. Er war der verrückte Hutmacher in "Alice im Wunderland" und der hohlwangige Vampir in "Dark Shadows".
Kein Genre ausgelassen
Depp liebt exzentrische Figuren, nicht nur auf der Leinwand. Mit Marlon Brando verband ihn eine enge Freundschaft, zusammen drehten sie "Don Juan de Marco" (1995). Er war auch ein Freund des Autors und Journalisten Hunter S. Thompson. Depp verkörperte ihn in "Fear And Loathing In Las Vegas" (1998) und "Rum Diary" (2012).
Nach Thompsons Selbstmord im Jahr 2005 griff Depp für eine spektakuläre Bestattung tief in die Tasche. Mit einer Kanone wurde die Asche seines Freundes in den Himmel geschossen.
Depp hat kein Genre ausgelassen. Dem Mafia-Thriller "Donnie Brasco" (1997) mit Al Pacino folgte das Drogendrama "Blow" (2001), dann der bluttriefende Latino-Western "Once Upon a time in Mexico" (2003) von Kultfilmer Robert Rodriguez. (sda)

