05.01.2023

Dokumentation

Kinostart für Film über Schweizer Migrationspolitik

Die SRF-Dokumentation «Im Land der verbotenen Kinder» ist ab Sonntag vorerst in den Kinos zu sehen. Die Luzerner Dokfilmer Jörg Huwyler und Beat Bieri waren damit ein weiteres Mal für eine Produktion des Schweizer Fernsehens verantwortlich.
Dokumentation: Kinostart für Film über Schweizer Migrationspolitik
Menschen mit Koffern: Die Saisonniers waren die Puffermasse des Schweizer Wirtschaftswunders, Menschen zweiter Klasse. (Bilder: zVg)

Der 80-minütige Dokumentationsfilm «Im Land der verbotenen Kinder» feiert diesen Sonntag im Zürcher Riffraff-Kino seine Premiere. Gleichzeitig wird er in Luzern sowie anderen Schweizer Kinos gezeigt, bevor er im Frühjahr im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird.

Produziert wurde er von den beiden Luzerner Dokfilmern Jörg Huwyler und Beat Bieri, die beide bereits mehrere Produktionen für das Schweizer Fernsehen produziert haben. Zuletzt war dies ein Dokfilm über die Geschichte des Bürgenstocks. Zudem haben beide mehrere Jahre als Redaktoren beim Schweizer Fernsehen gearbeitet.

Vergessenes Kapitel der Schweizer Migrationspolitik

Der Film «Im Land der verbotenen Kinder» behandelt laut einer Mitteilung ein dunkles, fast vergessenes Kapitel der Schweizer Migrationspolitik: Bis 2002 mussten je nach Schätzung zwischen 15'000 und 50'000 Kinder von Saisonniers in der Schweiz im Untergrund leben. Weil Gastarbeitern der Familiennachzug in den ersten Jahren untersagt war, sie die Trennung jedoch nicht aushielten, holten viele ihre Kinder heimlich zu sich. Diese lebten im Versteckten, mussten drinnen bleiben, während Gleichaltrige draussen spielten, durften nicht zur Schule – und waren nicht krankenversichert. Nicht selten wurde die Fremdenpolizei durch Hinweise aus der Nachbarschaft auf solche Kinder aufmerksam, was ihren Landesverweis zur Folge haben konnte.

Rund 500'000 weitere Saisonnier-Kinder – so die neusten Berechnungen – wurden bei Verwandten in ihren Herkunftsländern untergebracht oder bei Pflegefamilien in der Schweiz und in Heimen im grenznahen Italien. Für viele Betroffene – Kinder und Eltern – war die Isolation und Trennung eine traumatische Erfahrung, über die sie lange nicht sprachen und die das Verhältnis in den Familien stark belastete. Nun – 20 Jahre nach Aufhebung des Saisonnierstatuts – ist die Zeit des Schweigens vorbei: Anfang Oktober Jahres 2021 gründeten Betroffene einen Verein und fordern politische und gesellschaftliche Anerkennung für das verursachte Leid. Und zum ersten Mal reden nun Opfer auch in einem Dokfilm über ihre schmerzlichen Erfahrungen. 

Vorführungen in den grossen Städten

Wie lange der Film im Riffraff laufen wird, ist unbekannt. Dies hängt auch von den Publikumszahlen ab. Gleichzeitig mit Zürich startet der Film am Sonntag im Kino Bourbaki in Luzern. Im Februar wird er in St. Gallen und im März in Winterthur zu sehen sein. Zudem sind Vorführungen in Bern und Basel geplant. SRF DOK wird im April eine gekürzte Fassung des Filmes zeigen. (pd/ma)



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