Das Theater Winterthur setzt in der nächsten Saison auf ein buntes Programm. Ein Highlight dürfte eine Lesung des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell sein. Insgesamt soll sich der Vorhang für 160 Vorstellungen heben. Die Anzahl Vorstellungen sei von 110 auf 160 erhöht worden, sagte Marc Baumann, Leiter des Theaters Winterthur, am Dienstag vor den Medien. Einige Produktionen gastierten mehr als drei Tage im Haus, weshalb der Mehraufwand mit bestehendem Personal bewältigt werden könne. "An jedem Tag soll bei uns etwas laufen", sagte Baumann. Eine Ausnahme bilde der Montag, das Personal müsse sich auch ausruhen. Das Theater will vermehrt Neukunden ansprechen, die sich im Vorbeigehen spontan für einen Besuch entscheiden, sagte Baumann am Rande der Medienkonferenz.
Viele der rund 43'000 Zuschauer, die letztes Jahr hauseigene Vorstellungen besuchten, hätten ihre Karten nämlich im freien Verkauf erstanden. "Wir haben den Verlust von 500 Abos damit wieder aufgefangen". Das Theater setzt auch auf spezielle Veranstaltungen wie etwa eine Silvesterparty, um Gäste ins Haus zu holen. Diese Saison neu geschaffen wurde ein Familienabonnement. Eltern wie Kinder bezahlen den selben Preis und können fünf Vorstellungen, darunter etwa "Alice im Wunderland", besuchen. Gezeigt wird auch "Das verbotene Land". Für diese Oper stehen mehrere hundert Kinder aus Winterthur und Beirut gemeinsam auf der Bühne. Die Saison startet am 7. September 2011 mit der Rossini-Oper "La Scala di Seta", die das Opernhaus Zürich und das Musikkollegium Winterthur gemeinsam geben, wie Programmleiter Thomas Guglielmetti sagte.
Weiter werden unter anderem "Spiegel, das Kätzchen" nach der gleichnamigen Novelle von Gottfried Keller sowie "La Bohème" von Puccini gezeigt. Auch dieses Jahr gastieren diverse ausländische Institutionen in Winterthur. Dazu gehört etwa die Kammeroper Köln, die das Musical "My Fair Lady" präsentiert. Aus dem Ausland reist auch das "Alonzo King Lines Ballet" an. Die Künstler aus San Francisco führen in Winterthur in der Sparte "Tanz" ihre Programme "Dust and Light" sowie "Rasa" als Europapremiere auf
Nebst Musiktheater, Schauspiel- und und Tanzvorführungen sind auch Lesereihen angesagt. Guglielmetti verkündete sichtlich stolz, dass Henning Mankell, schwedischer Theaterregisseur und Autor von Kriminalromanen, am Pfingstmontag in Winterthur lese. Aus welchem Werk er vorträgt, ist noch offen. Der aus Urnäsch AR stammende Guglielmetti ist seit dem 1. September 2010 in Winterthur tätig. Zuvor arbeitete er als Dramaturg und Regisseur an verschiedenen Häusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Sein Start sei nicht ganz leicht gewesen, da er nicht gewusst habe, wie das Winterthurer Publikum ticke, sagte Guglielmetti. Er hoffe, dass das Theater belebt werde und auch mehr junge Besucher kämen. Im Theater Winterthur sei ein "guter Geist des gemeinsamen Engagements" spürbar, sagte der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend an der Medienkonferenz. Das Haus stehe aber vor dem Problem, dass es energetisch nicht sehr gut ausgerüstet sei und eine Sanierung dringend nötig wäre. Eine weitere Herausforderung sei die Finanzierung. Je nach Ausgang der Abstimmungen vom Wochenende erhalte Winterthur aus dem Finanzausgleich weniger Geld. Da Investitionen in den kulturellen Bereich nicht gesetzlich vorgeschrieben seien, würde der Rotstift dort als erstes angesetzt. "Wir müssten das Budget für 2012 kürzen", sagte Wohlwend. Konkrete Angaben konnte er nicht machen. (sda)

