15.04.2026

Nach SRF-Recherche

Natitrainer verliert den Job

Die Ära von Patrick Fischer an der Bande der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft ist vorzeitig zu Ende. Der 50-Jährige wurde am Mittwoch per sofort freigestellt, nachdem SRF-Recherchen eine Urkundenfälschung öffentlich machten – und der Druck von Sponsoren und internationalem Verband wuchs.
Nach SRF-Recherche: Natitrainer verliert den Job
Wurde eben erst noch an den Sports Awards als «Trainer des Jahres» ausgezeichnet: Patrick Fischer. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

In der Sendung «10 vor 10» vom Mittwochabend schilderte der verantwortliche SRF-Redaktor Pascal Schmitz, wie es zur Enthüllung kam: Während einer Mittagspause bei den Dreharbeiten zu einem SRF-Porträt habe Patrick Fischer «ungefragt» erzählt, dass er ein gefälschtes Covid-Zertifikat bestellt habe, mit dem er 2022 an die Olympischen Spiele in Peking gereist war. Anwesend seien auch der Medienchef des Verbands und ein SRF-Kameramann gewesen.

«Da muss man sich als Journalist fragen, was man mit dieser Information macht», so Schmitz. «Soll man sie einfach wieder vergessen? Oder muss man nicht seiner Aufgabe nachgehen?» Man habe sich entschieden, der Sache nachzugehen – es folgte «eine klassische journalistische Recherche», so Schmitz.

SRF forderte den seit 2023 rechtskräftigen Strafbefehl bei der Luzerner Staatsanwaltschaft an. Dies geschah über das Öffentlichkeitsprinzip. SRF konfrontierte Fischer am Montagvormittag mit den Dokumenten. Dieser ging daraufhin selbst an die Öffentlichkeit.

Die Umstände der Enthüllung sind ihrerseits umstritten. CH Media wirft die Frage auf, ob SRF das Vertrauen Fischers im Rahmen der Dreharbeiten ausgenutzt habe. Entscheidend sei, ob Fischer «off the record» gesprochen habe. SRF entgegnete, es handle sich «um eine rechtskräftig festgestellte Straftat einer Person in öffentlicher Funktion».

Laut CH Media hatte SRF bereits seit mehreren Wochen Kenntnis vom Strafbefehl – auch schon vor den Sports Awards vom 29. März, an denen Fischer als «Trainer des Jahres 2025» ausgezeichnet worden war. Bewusst zugewartet habe man nicht, so der Sender.

Druck von allen Seiten

Noch am Montag hatte der Verband Fischer den Rücken gestärkt und die Angelegenheit für erledigt erklärt. Zwei Tage später folgte die Kehrtwende. Verbandspräsident Urs Kessler begründete den Entscheid am Mittwochabend: «Vertrauen und Integrität sind zentral in unserem Sport. Aus heutiger Sicht war unsere erste Beurteilung zu kurz gegriffen.»

Laut Schmitz wuchs der Druck auf den Verband von mehreren Seiten: Swiss Olympic zeigte sich «überrascht und irritiert», der internationale Eishockeyverband kündigte eine Untersuchung an. Auch Sponsoren reagierten – Ford bezeichnete das Vorgehen Fischers als «inakzeptabel».

Ende einer Ära

Fischer war 2023 per Strafbefehl wegen Urkundenfälschung verurteilt und mit einer Busse von knapp 39’000 Franken belegt worden. Zudem wurde bekannt, dass er bereits 2020 wegen einer Geschwindigkeitsübertretung verurteilt worden war – seine Aussage, er habe sich «bis auf diesen Vorfall» immer ans Recht gehalten, ist damit nicht zutreffend.

Mit dem Abgang endet eine über zehnjährige Ära. Fischer war seit 2015 Nationaltrainer und führte die Schweiz dreimal in den WM-Final (2018, 2024, 2025). Jan Cadieux, der das Amt nach der Heim-WM ohnehin übernommen hätte, steht ab sofort an der Bande. Die WM in Zürich und Freiburg beginnt am 14. Mai. (cbe)


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KOMMENTARE

Heinrich Hochuli
17.04.2026 20:52 Uhr
Alle Menschen machen im Leben Fehler, aber das war kein Fehler. Patrick Fischer wollte nur das Beste für das schweizerische Eishockey und mit 3 WM Silbermedaillen ist die Entlassung für mich überhaupt nicht akzeptabel. Ohne Patrick Fischer gibt es an der WM in der Schweiz keine Medaille und die gegnerischen Mannschaften lachen sich dabei bis zum Bauchweh über eine solche Freude für sie. Wie blöd sind wir eigentlich und wer hat noch nie eine Dummheit gemacht ? Patrick Fischer, für mich sind und bleiben sie der beste Trainer den die Schweiz je hatte, Kopf hoch und alles Gute für die Zukunft.
Kistler Elisabeth
17.04.2026 15:00 Uhr
Ich erachte es absolut unnötig, in die falsche Richtung geschossen, wenn wegen eines COVID-Zertifikats, wozu notabene alle Menschen, die keine Impfung wollten fast gezwungen wurden, insbesondere wenn sie am öffentlichen Leben teilnehmen mussten. Einen solchen Aufstand zu machen, eine „off record“ Aussage benutzen und diesen Menschen verurteilen…. ich bin enttäuscht vom SRF und würde am liebsten alles was damit zusammenhängt kündigen. Es wäre in der Verantwortung der Vorgesetzten gewesen, diesen Fall von allen Seiten zu betrachten, alle Komponenten in Betracht ziehen, die daraus resultierenden Konsequenzen durchgehen und erst danach einen Entscheid zu fällen. Ich habe Journalismus studiert und bin echt äußerst enttäuscht von diesem Vorgehen, für mich entspricht das nicht den ethischen Grundsätzen des Journalismus, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass der Interviewte in einer Pause mir was Persönliches, Vertrauliches erzählt hat. Das „Delikt“ liegt Jahre zurück, inzwischen wissen wir, dass während der COVID Zeit nicht alles wirklich super gelaufen ist. Die Nichtgeimpften wurden auf eine Art diskriminiert. Sowas zu nehmen und zu verfolgen, das betrachte ich als unnötig, für mich sieht’s fast so aus als wollte sich der Journalist profilieren. Wie auch immer, es gäbe bestimmt andere Themen, die relevanter sind, worüber es sich lohnt die Allgemeinheit zu informieren…. Ich möchte nicht weiter darauf eingehen, nur noch, es wurde aus einer Mücke einen Elefanten gemacht, obwohl dies niemandem dienlich ist, insbesondere, da niemand durch Patrick Fischers Tat verletzt wurde, auch nicht mental. Für mich ist das journalistische Vorgehen mit Kanonen auf Spatzen geschossen und absolut unnötig. Ich wünsche Patrick Fischer und seiner Familie alles Gute
André Albrecht
16.04.2026 07:59 Uhr
Ich halte diese "Recherche" von SRF für unnötig und stehe da eher auf der Seite von CH Media. Dieses "off-the-record" Geständnis hätte man einfach wieder vergessen können. Zumal der Mann nach der WM eh aufgehört hätte. Ein bisschen übereifrig, dem nachzugehen, würde ich jetzt einmal sagen. Und eine sehr unschöne Geschichte für die WM und seinen Nachfolger.
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