In der Sendung «10 vor 10» vom Mittwochabend schilderte der verantwortliche SRF-Redaktor Pascal Schmitz, wie es zur Enthüllung kam: Während einer Mittagspause bei den Dreharbeiten zu einem SRF-Porträt habe Patrick Fischer «ungefragt» erzählt, dass er ein gefälschtes Covid-Zertifikat bestellt habe, mit dem er 2022 an die Olympischen Spiele in Peking gereist war. Anwesend seien auch der Medienchef des Verbands und ein SRF-Kameramann gewesen.
«Da muss man sich als Journalist fragen, was man mit dieser Information macht», so Schmitz. «Soll man sie einfach wieder vergessen? Oder muss man nicht seiner Aufgabe nachgehen?» Man habe sich entschieden, der Sache nachzugehen – es folgte «eine klassische journalistische Recherche», so Schmitz.
SRF forderte den seit 2023 rechtskräftigen Strafbefehl bei der Luzerner Staatsanwaltschaft an. Dies geschah über das Öffentlichkeitsprinzip. SRF konfrontierte Fischer am Montagvormittag mit den Dokumenten. Dieser ging daraufhin selbst an die Öffentlichkeit.
Die Umstände der Enthüllung sind ihrerseits umstritten. CH Media wirft die Frage auf, ob SRF das Vertrauen Fischers im Rahmen der Dreharbeiten ausgenutzt habe. Entscheidend sei, ob Fischer «off the record» gesprochen habe. SRF entgegnete, es handle sich «um eine rechtskräftig festgestellte Straftat einer Person in öffentlicher Funktion».
Laut CH Media hatte SRF bereits seit mehreren Wochen Kenntnis vom Strafbefehl – auch schon vor den Sports Awards vom 29. März, an denen Fischer als «Trainer des Jahres 2025» ausgezeichnet worden war. Bewusst zugewartet habe man nicht, so der Sender.
Druck von allen Seiten
Noch am Montag hatte der Verband Fischer den Rücken gestärkt und die Angelegenheit für erledigt erklärt. Zwei Tage später folgte die Kehrtwende. Verbandspräsident Urs Kessler begründete den Entscheid am Mittwochabend: «Vertrauen und Integrität sind zentral in unserem Sport. Aus heutiger Sicht war unsere erste Beurteilung zu kurz gegriffen.»
Laut Schmitz wuchs der Druck auf den Verband von mehreren Seiten: Swiss Olympic zeigte sich «überrascht und irritiert», der internationale Eishockeyverband kündigte eine Untersuchung an. Auch Sponsoren reagierten – Ford bezeichnete das Vorgehen Fischers als «inakzeptabel».
Ende einer Ära
Fischer war 2023 per Strafbefehl wegen Urkundenfälschung verurteilt und mit einer Busse von knapp 39’000 Franken belegt worden. Zudem wurde bekannt, dass er bereits 2020 wegen einer Geschwindigkeitsübertretung verurteilt worden war – seine Aussage, er habe sich «bis auf diesen Vorfall» immer ans Recht gehalten, ist damit nicht zutreffend.
Mit dem Abgang endet eine über zehnjährige Ära. Fischer war seit 2015 Nationaltrainer und führte die Schweiz dreimal in den WM-Final (2018, 2024, 2025). Jan Cadieux, der das Amt nach der Heim-WM ohnehin übernommen hätte, steht ab sofort an der Bande. Die WM in Zürich und Freiburg beginnt am 14. Mai. (cbe)
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17.04.2026 20:52 Uhr
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