03.03.2023

Roger Köppel

Rücktritt aus dem Nationalrat auf Ende Legislatur

Der Zürcher SVP-Nationalrat wird im Herbst nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren. Der 57-Jährige will sich nach acht Jahren im Nationalrat künftig ganz der Weltwoche widmen.
Roger Köppel: Rücktritt aus dem Nationalrat auf Ende Legislatur
Konzentriert sich auf die Entwicklung der Weltwoche: Verleger und Chefredaktor Roger Köppel. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Er werde seine Tätigkeit als Nationalrat bis noch zu den Wahlen im Herbst weiterführen und wolle dann Platz für neue Kräfte aus dem Kanton Zürich machen, schrieb Köppel am Freitag in einer Medienmitteilung.

Die Weltwoche habe sich in den vergangenen Jahren erfreulich entwickelt. Er wolle künftig seine volle Aufmerksamkeit der Weiterentwicklung des Unternehmens widmen, hiess es. Köppel übernahm die Wochenzeitschrift im Jahr 2006.

Pointierter Redner und «Absenzenkönig»

Im Bundeshaus ist der Weltwoche-Chefredaktor und -Verleger seit seiner Wahl 2015 vor allem mit zwei Dingen aufgefallen: mit seinen scharfzüngigen Voten und auffällig vielen Absenzen. Der vom Blick mehrfach zum «Absenzenkönig» gekrönte Nationalrat rechtfertigte diese unter anderem mit seinem hohen beruflichen Engagement.

Viel Aufwand betrieb er bei den Wahlen 2019 auch für seine Ständeratskandidatur. Er besuchte alle 162 Gemeinden im Kanton Zürich. Im ersten Wahlgang landete er trotzdem hinter Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) auf dem dritten Platz. Zum zweiten Wahlgang trat Köppel nicht mehr an. Als Nationalrat hingegen wurde er sowohl 2015 als auch 2019 jeweils mit rekordhoher Stimmenzahl gewählt.

Köppel teilte nicht nur gegen Politikerinnen und Politiker anderer Parteien aus, er las auch Parteikollegen die Leviten, wenn er es für nötig hielt. Zuletzt etwa traf es Altnationalrat Toni Brunner, als dieser im vergangenen Jahr vor der Ersatzwahl für Bundesrat Ueli Maurer (SVP) vorschlug, es soll eine Frau mit auf das SVP-Bundesratsticket. Auch der später gewählte Albert Rösti war dem Weltwoche-Chef zunächst nicht genehm.

Gern gesehener Talkgast im deutschen TV

Seine direkte Art verhalf Köppel, der von 2004 bis 2006 als Chefredaktor die deutsche Tageszeitung Die Welt leitete, auch zu zahlreichen Auftritten in deutschen TV-Talksendungen. In der Rolle eines «enfant terrible» verteidigte er dort nicht nur die Haltung der Schweiz in jeweils umstrittenen Fragen, sondern erklärte seinen meist deutschen Gesprächspartnern und Gesprächspartnerinnen auch gerne ausführlich, was bei ihnen alles schiefläuft.

Die SVP des Kantons Zürich nahm Köppels Rückzug aus dem Nationalrat «mit Bedauern» zur Kenntnis und dankte ihm für sein grosses politisches Engagement, wie die Partei am Freitag mitteilte. Die Zürcher SVP sei überzeugt, dass der «liberale Freidenker» der Politik und der Partei auch ohne Nationalratsmandat erhalten bleiben werde. (pd/cbe)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Thomas Läubli
03.03.2023 18:41 Uhr
Ich kann gut auch weiterhin auf die «Weltwoche» verzichten. Sie war einmal ein stolzes Kulturmagazin, als noch Grössen wie Hugo Loetscher die Kulturredaktion geführt haben. Heute wird dort nur noch der 999. Wokeness-Artikel geschrieben, was mit Kulturberichterstattung rein gar nichts mehr zu tun hat. Das ist leider ein Trend, der auch die NZZ und den Tagesanzeiger journalistisch wertlos macht.
Maja Ziegler
03.03.2023 12:09 Uhr
Der blitzgescheite, fleissige und rhetorisch brillante Köppel wird schmerzlich fehlen. Aus meiner Sicht ein Verlust, es bleibt das langatmige und schwerfällige Debattieren der weniger begnadeten Damen und Herren im Parlament. Sehr, sehr schade!
Toni Bucher
03.03.2023 10:43 Uhr
Endlich geschafft, denn der Spagat zwischen „Volksvertreter“ und „Zitronenfalter“ schafft auch das Leitmotiv - «Die andere Sicht kommt nicht nur an, sie ist ein urdemokratisches Gebot der Stunde – unabhängig, kritisch, gut gelaunt.» - nicht!
Thomasxaver Graf
03.03.2023 09:46 Uhr
Das ist eine sehr gute Nachricht. Ob seine Abwesenheit ob seiner vielen bisherigen Absenzen im Parlament gross ins Gewicht fallen wird? Ein Hardliner, Miesepeter und Wadenbeisser weniger im Schweizer Steuerungsgremium.
Kommentarfunktion wurde geschlossen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren