07.12.2022

Filmbesprechung

Schmissige Ideen, viel Tempo und Emotionen

Am Donnerstag kommt mit «Hotel Sinestra» der erste Schweizer Weihnachts- und Familienfilm mit originalem Drehbuch in die Deutschschweizer Kinos. Der Film macht vieles richtig.
Filmbesprechung: Schmissige Ideen, viel Tempo und Emotionen
Als die elfjährige Ava sich in den Weihnachtsferien im Hotel Sinestra ihre nervigen Eltern wegwünscht, sind am nächsten Morgen auf wundersame Weise tatsächlich alle Erwachsenen verschwunden. Endlich können die Kinder tun und lassen was sie wollen. (Bild: DCM Film Distribution, Schweiz)

Ach herrje, die Eltern nerven einfach. Sie befehlen und verbieten, sie sind unlustig und peinlich. Das haben alle bereits einmal gedacht – und das denkt auch die elfjährige Ava (Bobbie Mulder, Hauptrolle in der bekannten Kinderserie «Die Regeln von Floor»). Sie ist im Familienurlaub im Hotel Sinestra im Graubünden.

Wie wäre es also, sich Mutter und Vater einfach wegzuwünschen? Gefragt, getan. Aber Achtung: Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung. Am anderen Morgen ist der Teenager tatsächlich alleine. Und nicht nur Ava. Auch alle anderen jungen Hotelgäste sind plötzlich elternlos.

Die Freude ist riesig. Endlich alles tun, was man möchte – und das mit Vollgas: Pfannkuchenschlachten und Popcorn in der Riesenpfanne, endlos aufbleiben und nichts aufräumen – kindliche Anarchie generiert viel Spass. Blöd nur: Manche ersehnten Zustände sind nur eine sehr beschränkte Zeit lustig. Oder anders gesagt: In Gedanken ist die Vorstellung, für immer elternlos zu sein viel pfiffiger als im richtigen Leben.

Die Kinder merken schnell: So doof waren die Eltern doch nicht. So setzt Ava alle Hebel in Bewegung, um sie zu finden. Doch wie soll das gehen? Kann vielleicht der Junge, der unter dem Hoteldach wohnt und sich sehr seltsam verhält, helfen? Und was ist mit dem geheimnisvollen Brunnen oberhalb des Hotels?

Die holländisch-schweizerische Ko-Produktion «Hotel Sinestra» unter der Regie von Michiel Ten Horn macht vieles richtig: Die Grundidee – das dringende Bedürfnis, die Eltern hinter den Mond zu wünschen – bringt Kinder zum Kichern und da alle Erwachsenen auch mal jung waren, funktioniert sie auch für sie.

Zudem ist diese Ausgangslage Nährboden für schmissige Ideen, viel Tempo und die nötige Portion Emotionen. Das Drehbuch bringt die Geschichte bodenständig und effizient auf den Punkt, der Zeitpunkt kurz vor Weihnachten sorgt für die nötige Stimmung.

Dazu kommt der clever gewählte Drehort: Das Hotel Sinestra ist bei holländischen Skitouristen bekannt und beliebt, da das Haus seit mehr als 40 Jahren auf sie ausgerichtet ist. Die niederländische Presse hat denn auch regelmässig über den Film und seine Entstehung berichtet und damit Werbung gemacht für das Unterengadin.

Ausserdem soll es in diesem Hotel ja tatsächlich spuken. Ein untoter Belgier geistere durch die Gänge, wird erzählt. Wo sonst also, wenn nicht dort, werden Wünsche in mysteriöser Weise zu Tatsachen?

Dass die Dialoge Schweizerdeutsch synchronisiert wurden, lässt den Film stellenweise etwas holpern und künstlich wirken. Auch hätte man sich etwas mehr Schweizer Personal bei der Besetzung gewünscht.

Sonst aber gilt für Kinder: Ab ins Kino. Am besten mit den Eltern. Auch wenn diese manchmal nerven. (sda/cbe)



Dieser Text von Raphael Amstutz, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.



Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Kommentarfunktion wurde geschlossen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Zum Seitenanfang20230203

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.