Ein brutaler Dreifachmord führt die beiden Kommissarinnen Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Tessa Ott (Carole Schuler) an einen Ausflugsort im idyllischen Zürcher Oberland. Ein Ehepaar liegt erschossen im Auto, ein Mann unweit davon entfernt bei seinem Mountainbike. Alle drei wurden mit einem Kopfschuss hingerichtet. Vor Ort machen die beiden einen herzzerreissenden Fund: Die sechsjährige Ella (Maura Landert) hat sich unter dem Rock der toten Mutter versteckt und dort während Stunden ausgeharrt.
Bei den Schweizer Medien kommt die aktuelle Ausgabe vom Schweizer Tatort überwiegend gut an. «Endlich ein akzeptabler Tatort aus Zürich», titelt der Tages-Anzeiger. «Wir sind erleichtert! Der neue Zürcher ‹Tatort› funktioniert, obwohl das Team seit dem letzten, wenig überzeugenden nicht gewechselt hat», heisst es in der Kritik weiter. Der Tagi wertet die Zusammenhänge im Film als «recht kompliziert». Allerdings fliesse alles organischer ineinander als in früheren Zürcher Tatort-Debakeln: auch ästhetisch.
«Blinder Fleck» sei «ein Krimi, der seine Zuschauenden bis zum Ende ans Sofa fesselt», schreibt der Blick in der Besprechung. Wie Regisseur Tobias Ineichen den Bogen zwischen der Zukunft mit künstlicher Intelligenz und der Vergangenheit mit den Grauen des Kosovokrieges spanne, sei mutig, wenn auch manchmal verwirrend, heisst es weiter.
Mehr Kritik ist in der NZZ zu lesen. Sie bezeichnet die Schweizer Krimis – angelehnt an die Drohnen-Geschichte – als «ferngesteuert». Regisseur Ineichen sei bemüht, Gewichtiges zu erzählen. Und das Buch von Karin Heberlein und Claudia Pütz kenne die Formel für den dramaturgischen Flügelschlag: vom Vogel zur Drohne, von der Natur zur Technik. Das Urteil der NZZ: «Alles nicht ganz unklug.» Jedoch seien die Figuren «ausdruckslos». Die Inszenierung verrate «keine Persönlichkeit».
Fast 30 Prozent Marktanteil
390'000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben laut SRF den Zürcher Tatort am Sonntagabend verfolgt. Dies macht einen Marktanteil von 29,3 Prozent aus (Overnight/live plus zeitversetzte Nutzung bis 2 Uhr nachts). Baptiste Planche, Leiter Fiktion SRF, zeigt sich auf Anfrage zufrieden mit diesen Zahlen. «Mit ‹Blinder Fleck› ist auch die zweite SRF-Tatort-Folge im Jahr 2023 beim Publikum ausserordentlich gut angekommen», sagt er. Nach dem Erfolg des ersten Tatorts ‹Seilschaft› im April mit 32,3 Prozent Marktanteil sei dies wiederum äusserst erfreulich.
Planche verweist auf die Publikumszahlen in Deutschland und nennt diese «grandios». Mit 30,1 Prozent Marktanteil in Deutschland sei «Blinder Fleck der erfolgreichste Schweizer Tatort seit 1993. Mit dem sechsten Fall aus Zürich habe sich der Schweizer Tatort beim deutschen Publikum etabliert.
«Blinder Fleck» wurde unter anderem auf dem Zürcher Bergrücken Pfannenstiel, in Wäldern rund um Dietikon ZH sowie in der Kirche Dreikönigen in Zürich-Enge gedreht. Für die Regie ist Tobias Ineichen verantwortlich. Das Drehbucht stammt von Claudia Pütz («Der Bestatter») und Karin Heberlein («Sami, Joe und ich»). Realisiert hat die sechste Zürcher «Tatort»-Folge «Blinder Fleck» die Produktionsgesellschaft C-Films. (wid)

