20.03.2019

Giacobbo/Müller

«Wir werden sehr viel um das Zelt ‹herumseckeln›»

Bei der Knie-Premiere zum 100-Jahr-Jubiläum treten Viktor Giacobbo und Mike Müller am Donnerstagabend mit einem neuen Programm auf. Im Interview sprechen die Kabarettisten über die Besonderheiten von Pointen im Zirkus und «belehrenden Tadel» von Journalisten.
Giacobbo/Müller: «Wir werden sehr viel um das Zelt ‹herumseckeln›»
«Wir haben uns überlegt, welche unserer Figuren sich für den Zirkus eignet»: Viktor Giacobbo und Mike Müller im Casinotheater Winterthur. (Bild: Marc Wetli)
von Matthias Ackeret

Herr Giacobbo, Sie treten nun während des ganzen Jahres mit Mike Müller im Circus Knie auf. Die Latte wird beim 100-Jahr-Jubiläum doch sehr hoch sein. Was reizt Sie an diesem Engagement?
Giacobbo: Pure Freude. Ich habe mir nach meinem ersten Engagement vor dreizehn Jahren immer gewünscht, dass es nochmals klappt. Dass dies ausgerechnet im Jubiläumsjahr sein wird, freut mich besonders. Mit Mike zusammen ergeben sich spielerisch viel mehr Möglichkeiten als alleine. Wir können miteinander kommunizieren, indem wir alle unsere Figuren spielen. Erleichternd kommt dazu, dass wir nur im Abendprogramm auftreten müssen.

Herr Müller, Sie sind nun zum ersten Mal beim Zirkus. Welche Erwartungen haben Sie?
Müller: Eigentlich nur gute. Viktor und ich haben früher einmal in Winterthur eine Spezialsendung aus dem Circus Knie gemacht. Es war an einem Karfreitag, der Zirkus durfte aus religiösen Gründen eigentlich gar nicht auftreten. Warum, war mir auch nicht ganz klar. Als gute Schweizer, die sich an die Gesetze halten, haben wir dies jedenfalls akzeptiert und im Zirkus eine Spezialsendung gemacht. Beim ersten Engagement von Viktor habe ich ihn einige Male bei seinen Auftritten besucht. Dabei habe ich auch die Familie Knie kennengelernt.

«Eine gute Pointe ist eine gute Pointe. Punkt»

Sind die Zirkuspointen anders? Nicht jedes Bühnenprogramm hat im Knie auf Anhieb funktioniert.
Giacobbo: Eine gute Pointe ist eine gute Pointe. Punkt. Wichtig ist aber, dass man seinen Auftritt dem Zirkus anpasst. Und zwar sowohl formal wie inhaltlich. Im ersten Knieprogramm erzählte ich die Geschichte von Fredi Hinz, der beim Zirkus mitmachen wollte und dafür alles unternahm. Am Schluss wird er von der Familie Knie adoptiert. Beim jetzigen Programm haben wir verschiedene Figuren, die aber alle einen Bezug zum Zirkus haben müssen. Auf der Bühne kann ein Sketch in einem Shoppingcenter, einem Restaurant oder am Skilift handeln. Im Zirkus gibt es nur eine Bühne: den Zirkus.

Wie gehen Sie beim Schreiben der Nummern vor?
Müller: Wir werden sehr viel um das Zelt «herumseckeln». Wir haben uns überlegt, welche unserer Figuren sich für den Zirkus eignet. Das sind längst nicht alle. Zudem darf man für Maske und Kostüm nicht zu viel Zeit benötigen.

Können Sie sich noch an die Premiere Ihres ersten Programms erinnern?
Giacobbo:
 Daran mag ich mich gut erinnern. Beim Knie spielt man – wie bei uns im Casinotheater – bereits vor der eigentlichen Premiere zwei bis drei Vorstellungen. So hat man den ersten Schock schon bei der Nachmittagsvorstellung, zu der neben den Pressefotografen auch Leute aus den Heimen eingeladen werden. Dabei war auch eine Journalistin des «Tages-Anzeigers». Diese schrieb anschliessend, an der Premiere hätte Giacobbo überhaupt nicht funktioniert, obwohl sie gar nicht bei der Premiere anwesend war. Das war umso ärgerlicher, als die Premiere ein Erfolg war und ich als Fredi Hinz einen sehr lustigen und auch spontanen Dialog mit Moritz Leuenberger hatte, der damals Bundespräsident war und im Publikum sass.

Solche Kritik kann tödlich sein ...
Giacobbo: Ich kann mit negativer Kritik gut umgehen. Behauptet aber jemand, er sei an der Premiere gewesen und war es nicht, betreibt er Verarschung der Leser. Zum Glück hatten diese Fake News keinen Einfluss auf die damalige sehr erfolgreiche Tournee.

Müller: (Lacht.) So wichtig ist der «Tages-Anzeiger» auch wieder nicht.

«Wenn man den belehrenden Tadel überstanden hat, ist man drei Monate später Kult»

Für Ihre Nachfolger beim Schweizer Fernsehen ist es aber sehr schwierig, da die Messlatte, die Sie gelegt haben, sehr hoch ist.
Giacobbo: 
Was heisst Nachfolger? Michael Elsener hat zwar den gleichen Sendeplatz wie wir früher, macht das Programm aber auf seine Art, und das sehr gut. Natürlich muss jede neue Sendung erst ihren Rhythmus finden. Auch wir waren nicht von Anfang an makellos. Die gleichen Kritiker, die jetzt über Michi Elsener herfallen, haben über uns ähnlich selbstverliebte Verrisse geschrieben.

Wirklich?
Giacobbo: Peer Teuwsen, der nach nur zwei Sendungen von Elsener in der «NZZ am Sonntag» titelte «Es ist zum Fremdschämen», behauptete damals, meinetwegen könne sich Mike nicht entfalten und deshalb werde die Sendung nie funktionieren. Schon damals konnte Teuwsen nicht unterscheiden, was Improvisation und was ein gescripteter Einspieler ist. Die Erfahrung zeigt aber: Wenn man den belehrenden Tadel überstanden hat, ist man drei Monate später Kult.

Sie, Herr Müller, hatten mit Peer Teuwsen nach dessen «NZZaS»-Kritik auf Twitter ein
kleines Wortgefecht ...
Müller: Na ja, Kritiker sind im Austeilen besser als im Einstecken. Wenn einer wie
bei Michis Sendung nicht zwischen Improvisation und Skript unterscheiden kann, reibe ich ihm das halt unter die Nase. Eine kleine Twitter-Debatte, nichts weiter, und das angeschossene Rehlein witterte bald eine Nazikeule. Lächerlich. Über Teuwsens Hauptthese, wonach es in der Schweiz keine Komik gebe, kann man gerne diskutieren. Nur müsste er einmal raus und nicht den ganzen Abend vor dem Fernseher verbringen. Wäre er nur einmal in ein Theater gegangen, wäre er eines Besseren belehrt worden.


Das ausführliche Interview mit Viktor Giacobbo und Mike Müller lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von «persönlich». Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

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