11.06.2026

Murat Yakin

«Wir wollen die beste WM spielen»

Es wird die schwierigste Fussball-Weltmeisterschaft der letzten Jahrzehnte – zumindest unter politischen Prämissen. Im Interview spricht Nationaltrainer Murat Yakin über Ambitionen, Selbstzweifel und seinen Anspruch, mit der Schweiz Geschichte zu schreiben.
Murat Yakin: «Wir wollen die beste WM spielen»
Murat Yakin am Point de Presse vor dem Abflug zur Fifa-Fussball-WM 2026, aufgenommen am 2. Juni in Kloten. (Bild: Keystone/Claudio Thoma)

Herr Yakin, Sie bestreiten nun als Schweizer Nationaltrainer Ihr drittes grosses Turnier. Wodurch unterscheidet sich dieses von den andern?
Das Turnier findet in einer anderen Zeitzone statt, und die Distanzen zwischen den einzelnen Spielorten sind beträchtlich. Dies bedarf einer minuziösen Planung, mit welcher wir schon im Sommer 2025 begonnen haben.

Inwiefern beeinträchtigt die politische Situation mit den USA Ihre Vorbereitung?
Ich versuche mich voll und ganz auf den Sport zu fokussieren. Natürlich stimmt es mich traurig, wenn ich Nachrichten und Meldungen zum Krieg im Iran oder zu anderen Geschehnissen rund um die US-Politik sehe und höre. Aber wir haben die Rollen innerhalb des Verbands frühzeitig besprochen und geklärt. Mannschaft und Trainerteam fokussieren sich voll und ganz auf das Sportliche, der Verband kümmert sich um die politischen Themen.

«Wir sind darauf vorbereitet»

Ist ein Turnier in Amerika anders als eines in Europa oder in Katar, wo die letzte WM stattfand?
Das Spiel auf dem Platz ist immer und überall gleich. Besonders zu berücksichtigen sind diesmal die grosse Zeitverschiebung, die besonderen Anspielzeiten und die grossen Distanzen. Wir sind darauf vorbereitet.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Ihre erste WM vor vier Jahren als Nationaltrainer denken? Was machen Sie heute anders?
Wir haben eine sehr detaillierte Analyse der WM 2022 gemacht, Schlüsse daraus gezogen und Massnahmen ergriffen. Wir haben uns in den letzten vier Jahren im Staff stark professionalisiert, sei es im medizinischen Bereich oder in der Performance, aber auch, wenn es um die Regeneration und die Ernährung geht.

Sie wollen die «beste WM aller Zeiten» spielen. Was heisst das konkret?
Wir wollen die beste WM spielen, welche eine Schweizer Nati gespielt hat. Abgesehen von Bern 1954, wo ein Team nach überstandener Vorrunde bereits direkt im Viertelfinale stand, hat es die Schweiz an einer WM noch nie weiter als ins Achtelfinale geschafft. Das möchten wir toppen.

Sie wirken immer sehr selbstsicher. Gibt es aber auch Momente, in denen Sie an Ihren Entscheidungen zweifeln?
Die Entscheidfindung ist manchmal ein sehr herausfordernder Prozess, an dem ich auch nachts herumstudiere. Wenn ich einmal entschieden habe, zweifle ich aber nicht mehr daran.

«Das würde ich heute anders machen»

Rückblickend gesehen: Wann war das der Fall?
Rückblickend würde ich das Achtelfinale in Katar 2022 anders angehen. Wir haben uns damals entschieden, Spieler aufzustellen, welche nach ihrer Grippe noch nicht ganz genesen waren. Das würde ich heute anders machen.

Momentan wird in der Schweiz über den «Fall Fischer» diskutiert. Verfolgen Sie die Debatte, und war es richtig, dass man Patrick Fischer kurz vor einer Heim-WM entlassen hat?
Es ist nicht meine Aufgabe, diesen Fall zu beurteilen.

Sie standen auch schon im Fokus von Medienkampagnen. Wie gehen Sie damit um? Lässt Sie das kalt?
Ich bin seit 30 Jahren im Fussballgeschäft. Es ist Teil des Spiels. Wichtig ist, dass man sich in guten und schlechten Zeiten voll und ganz auf seine Nächsten verlassen kann.

Leiden Sie darunter, dass der Trainer oftmals als Schuldiger bei Niederlagen gilt?
Auch das ist Teil des Geschäfts.

Die «Bilanz» bezeichnet Sie als «Muri national». Bedeutet Ihnen dies etwas?
Ich bin stolz und dankbar, Nationaltrainer zu sein und mit der Nationalmannschaft unser Land vertreten zu dürfen. Der Begriff ist auch eine Verpflichtung, und ich werde mit meinem gesamten Team und Staff an der WM alles dafür tun, ihr gerecht zu werden.



Murat Yakin, geboren 1974, ist seit 2021 Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft und absolvierte in dieser Funktion eine Welt- und eine Europameisterschaft. Zuvor war er Trainer von diversen Vereinen, wobei er mit dem FC Basel zweimal Schweizer Meister wurde. In seiner aktiven Karriere spielte er 49 Mal für die Schweizer Fussballnationalmannschaft und schoss dabei vier Tore. Mit den Grasshoppers und dem FC Basel wurde er fünf Mal Schweizer Meister. Yakin ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

Das ausführliche Interview mit Murat Yakin ist in der persönlich-Printausgabe vom Mai erschienen.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen
persönlich Exemplar
Neues Heft ist da
Die neue «persönlich»-Ausgabe ist da - jetzt Probe-Exemplar bestellen.