30.04.2023

Juni/Juli 2020

WEGMANN TANJA, Juni/Juli 2020

Tanja Wegmann ist seit zwei Jahren Direktorin des Grand Hotel «Les Trois Rois», des einzigen Fünfsternhotels in Basel. Im Jahr 2019 wurde das Traditionshaus, in dem schon Picasso übernachtete, als GaultMillaus «Hotel des Jahres 2020» ausgezeichnet. «persönlich» hat sich mit der gebürtigen Baslerin über Corona und die Auswirkungen auf die Luxushotellerie, den Tourismus und das Leben allgemein unterhalten.
Juni/Juli 2020: WEGMANN TANJA, Juni/Juli 2020

Frau Wegmann, wie haben Sie die Corona-Krise erlebt? Für ein Fünfsternhotel war
die Zeit sicherlich nicht einfach?
Es war tatsächlich nicht einfach. Wir haben am 21. März 2020 die Türen des Hotels geschlossen, was ein sehr trauriger Moment nach der Wiedereröffnung von 2006 war. Es gab aber auch positive Momente in dieser Lockdown-Phase. So haben wir viel Herzblut in den Unterhalt investiert und beispielsweise die Brasserie gestrichen und mit Kunstwerken neu bestückt. Es wurde auch im Hintergrund viel gearbeitet, und ich war ebenfalls sehr präsent und bekam teilweise Privatkonzerte der Pianistin und eines Mitarbeitenden, der Klarinette übte. Die beiden haben regelmässig geprobt, und die Musikklänge begleiteten mich immer wieder auf meinem Gang durchs leere Hotel. Wir haben auch während des Lockdowns mit Blumenlieferungen und einem Kuchen-Take-away-Angebot den Kontakt zur Basler Bevölkerung gepflegt.

Können Sie den Schaden, den das Hotel durch den Lockdown erlitten hat, schon beziffern?
Dafür ist es noch immer zu früh, da weiterhin Veranstaltungen abgesagt werden, wie kürzlich die Art Basel oder auch die Baloise Session, die auf nächstes Jahr verschoben wird. Bei den Swiss Indoors wissen wir momentan noch nicht, ob sie stattfinden werden. Dieses Jahr wird auf jeden Fall ein Jahr der Schadensbegrenzung sein. Deshalb planen wir bereits für die nächsten drei Jahre, also für die Zeit von 2021 bis 2023.

Was haben Sie mit Ihren Mitarbeitenden gemacht?
Wir haben Kurzarbeit angemeldet und sind sehr froh, dass die Mitarbeitenden dies mitgetragen haben – auch dass sie zu Hause geblieben sind und geschaut haben, dass sie gesund bleiben. Die Phase vor der Schliessung, von Februar bis Mitte März, empfand ich als belastender, weil jeder, egal, ob Mitarbeitender oder Gast, das Virus hätte in sich tragen können. Da war die Angst vor einer Hotelschliessung aufgrund eines Corona-Falls schon da, und ich bin praktisch jeden Abend mit einem mulmigen Gefühl ins Bett gegangen. Aber glücklicherweise hatten wir bis heute nur einen Fall bei einem Mitarbeitenden, und dies auch noch während des Lockdowns.

Viele Menschen haben das Corona-Virus lange Zeit nicht ernst genommen und nicht im Traum daran gedacht, dass das, was in China passiert ist, auch bei uns passieren könnte.
Einschneidend war für uns der 27. Februar, der Donnerstag vor Fasnachtsbeginn. An diesem Tag feiern wir jedes Jahr die Waggisverkleidung, dabei verkleiden wir die drei Könige an der Fassade als Waggisse (Fasnachtsfiguren). Ein sehr schöner Anlass mit vielen Kindern, Guggenmusik und einem VIP-Lunch mit etwa 120 Baslerinnen und Baslern. Dieses Jahr war Corona das Gesprächsthema – vor allem auch weil an diesem Tag die Fasnacht abgesagt wurde. Das war ein riesengrosser Schock für alle Baslerinnen und Basler. Ein rabenschwarzer Tag. Als dann tags darauf die Baselworld, die grosse Basler Uhren- und Schmuckmesse, verschoben respektive abgesagt wurde, wusste ich: Jetzt wird es richtig ernst!



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