06.08.2020

Corona-Kampagne

Einäscherung wärmer als Maske

Ein Präventionsvideo der spanischen Hauptstadt Madrid sorgt für Aufregung. Darin werden Maskenverweigerer mit dem Bild eines Kremationsofens gewarnt. Nutzer in den sozialen Medien bezeichnen dies als pietätlos.
Corona-Kampagne: Einäscherung wärmer als Maske
«Es gibt Dinge, die mehr Hitze verursachen als eine Schutzmaske», heisst es in einem Video der spanischen Stadt Madrid. (Bild: Screenshot)

Eine Kampagne, mit der die spanische Hauptstadt Madrid ihre Bürger zur ständigen Einhaltung der Maskenpflicht zu bewegen versucht, hat erhebliche Aufregung ausgelöst. Das ebenso umstrittene wie eindrucksvolle Video «Protégete, protégenos!» (Beschütze dich, beschütze uns!) zeigt am Ende eine Feuerbestattung und warnt die Maskenverweigerer: «Einäscherungsofen: 980 Grad. Es gibt Dinge, die mehr Hitze verursachen als eine Schutzmaske».

Die sei «sehr schlechter Geschmack» und «pietätlos», klagten Nutzer von sozialen Netzwerken. Einige Medien bezeichneten die Kampagne als «hart» und «brutal» – aber Teilnehmer von TV-Talkshows entgegneten, die Sensibilisierung der Menschen sei angesichts des Anstiegs der Neuinfektionen und der unverantwortlich laschen Einstellung vieler Menschen nötig.

In Madrid halten sich zwar nahezu alle an die auch im Freien geltende Pflicht zum Tragen von Mund- und Nasenschutz. Aber in Kneipen und Restaurants und bei abendlichen Treffen grösserer Gruppen im öffentlichen und privaten Raum ist vor allem bei Jüngeren ein zunehmend eher unvorsichtiges Verhalten zu sehen.

Viele klagen, bei Temperaturen, die in Madrid im Sommer fast täglich die 35 Grad überschreiten, sei das Tragen einer Maske im Freien Folter – vor allem dann, wenn man den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten könne. Die Antwort im Video: «Deine Wohnung im Sommer: 32 Grad. Biere mit Freunden: 30 Grad. Disko: 28 Grad. Krankenhaus: 25 Grad. Intensivstation: 22 Grad. Einäscherungsofen: 980 Grad.»

In einstigen Corona-Hotspot Spanien wurde Madrid von der Pandemie mit gut 8400 Toten so hart getroffen wie keine andere Region des Landes. Die Lage hat sich zwar deutlich entspannt, die Zahl der Neuinfektionen nimmt aber nach dem Ende des Lockdowns stetig zu – mehrheitlich bei Menschen im Alter von bis zu 40 Jahren.

Nach jüngsten amtlichen Angaben registrierte Spanien bisher insgesamt 305'000 Infektionen und rund 28'500 Todesfälle. Erst am Mittwoch setzte die Schweiz das spanische Festland auf die Liste der Risikogebiete. Bereits vorige Woche riet das Auswärtige Amt in Berlin von Reisen in die von Neuausbrüchen besonders betroffenen Regionen Katalonien, Aragonien und Navarra im Nordosten des Landes ab. (sda/dpa/cbe)



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