19.03.2022

Swissfilm Association

«Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert»

Nach 17 Jahren ist Schluss: Der langjährige Verbandspräsident Peter Beck ist zurückgetreten. Was ist der Grund? Und wie hat sich der Verband der Filmproduktionsbranche in den letzten 17 Jahren verändert? Ein Gespräch über den Wandel der Zeit.
Swissfilm Association: «Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert»
«Ich wollte eigentlich weder in den Verband noch auf den Präsidentenstuhl», so Peter Beck, Creative Direktor und Produzent bei Beck & Friends. (Bild: zVg)
von Matthias Ackeret

Herr Beck, Sie sind als Präsident der Swissfilm Association zurückgetreten (persoenlich.com berichtete). Was gab den Ausschlag?
Die Zeit. Einerseits ist da das Alter – ich bin schon einiges über 65 Jahre alt –, andererseits bin ich der Meinung, dass es nach dieser langen Zeit gut ist, den Platz für neue Mitglieder und neue Ideen freizugeben. Wir haben dies bereits vor fünf Jahren so geplant.

Wie hat sich der Verband in den letzten 17 Jahren verändert?
Als ich angefangen habe, gab es beim Verband nicht viel Struktur. Der Verband hatte Statuten aber keine eigene Geschäftsstelle, nur ein Sekretariat bei unserem Rechtsberater. Alles funktionierte im Milizsystem. Es gab weder ein Leitbild, noch eine klar definierte Vision. Das hat sich in den Jahren grundlegend verändert.

Sie traten also an, um den Verband zu verändern …
Nein, ich wurde geschubst. Ich wollte eigentlich weder in den Verband noch auf den Präsidentenstuhl. Ich bin 1998 in den Verband eingetreten, weil die SRG damals mit dem TPC eine Tochtergesellschaft gründen wollte, die mit Gebührengeldern den freien Markt aufrollen sollte. Das geht nicht, fand ich und liess mich vom damaligen Präsidenten zur Mitgliedschaft bewegen. Als Mitglied der Arbeitsgruppe, die den Auftrags- und Werbefilmpreis Edi aufbaute, wurde ich dann in den Vorstand eingeladen. Und dort habe ich den damaligen Präsidenten Andres Brütsch überredet, statt zwei noch vier Jahre im Amt zu bleiben. Er wollte dafür die Garantie, dass ich danach den Posten übernehme. Vier Jahre später musste ich mein Wort halten.

«Viel Zeit hat die Politik in Anspruch genommen»

Leitbild und Edi haben Sie bereits erwähnt. Welche anderen Ziele haben Sie sich für den Verband gesetzt?
Als ich Präsident wurde, habe ich mich gefragt: Was soll ein Verband? Und wen vertreten wir? Aus diesen Fragen ergibt sich ein klares Raster, nach dem sich alle Massnahmen und Projekte an sechs Punkten ausrichten lassen: Sichtbar machen, was die Branche leistet, mitbestimmen, was in der Branche passiert, vernetzen, was zusammengehört, rechtliche Sicherheit schaffen, Standards setzen und Wissen vermitteln. In den meisten Bereichen haben wir einiges erreicht.

Was heisst das konkret?
Der Aufbau einer professionellen Geschäftsstelle mit allem was dazu gehört. Viel Zeit hat auch die Politik in Anspruch genommen. Im politischen Bereich gibt es immer Gegenkräfte, die ihre eigenen Ziele verfolgen. Das ist part of the deal. Mit der SRG zum Beispiel sitzen wir seit 2000 immer wieder am Tisch und kommen trotzdem nur langsam voran. Aber das TPC ist weg. Die gute Botschaft ist: Wir sind von einem unwichtigen Verband im Jahr 2000 zu einem ernst zu nehmenden Player geworden. Wir werden in den politischen Gremien ernst genommen und haben ein gutes Standing. In der kommenden Session sind wir nach der Motion Flury wieder mit einer parlamentarischen Initiative unterwegs.

Rückblickend gesehen, was haben Sie erreicht?
Image und Reputation. Der Verband muss sichtbar sein und seine Mitglieder müssen für Qualität, für Schweizer Produktionshandwerk stehen. Der Edi macht uns nicht nur sichtbar, sondern zeigt auch was State of the Art ist. Daran müssen sich alle Auftrags- und Werbefilmproduktionen orientieren.

Und was nicht?
Ein nationaler Verband, der die Interessen der Branche vertritt, bräuchte in meinen Augen etwa 100 Mitglieder. Wir sind immer plus minus 40. Einige hören auf, einige kommen dazu. Zudem sind wir ein nationaler Verband. Wir müssen auch in der Romandie und im Tessin vertreten sein. Das ist ein Mandat, das ich nach meinem Rücktritt noch mitnehme: den Kontakt in die Romandie und das Tessin verstärken.

«In den 20 Jahren hat eine Professionalisierung stattgefunden»

Wie geht es mit der Swissfilm Association ohne Präsidenten weiter?
Ich bin guter Dinge. In den 20 Jahren hat eine Professionalisierung stattgefunden. Wir haben mit dem Vorstand* etwas aufgebaut: ein gut strukturiertes Portfolio, gut strukturierte Prozesse, einen Verband, der die Auftrags-, Werbefilm- und TV-Produzenten ausgewogen abdeckt, und eine gut aufgestellte Geschäftsstelle. Das wird weiter prosperieren.

Wenn Sie zurückschauen, worauf sind Sie besonders stolz?
Eigentlich am meisten darauf, dass ich aus einem ehemals zerstrittenen Verband von Konkurrenten einen funktionierenden «Club von Freunden» machen konnte. Und der Edi ist zur neutralen Plattform der gesamten Branche geworden, wo heute alle miteinander sprechen und feiern können. Oder anders ausgedrückt: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Was hat sich in den letzten 17 Jahren beim Auftrags- und Werbefilm am meisten verändert?
Das ist schwierig, in zwei Sätzen umfassend zu erklären. Auf technischer Ebene hat sich so ziemlich jeder Bereich komplett verändert. Auch produktionell gibt es heute massiv mehr Modelle, wie man einen guten Film herstellen kann. In der Multiplikation der Distributionskanäle und der daraus folgenden Vielfalt der Formate sind auch die Erzählformen vielfältiger geworden. Was bleibt, ist die Aufgabe, mit jedem Film eine passende und wirksame Story zu finden.



* Der Vorstand von Swissfilm Association 2022/23

Levente Paal (WirzFraefelPaal Productions, Teilhabender Produzent, Vorsitzender des Vorstands), Michel Alraun (Maybaum Film, Produzent, Regisseur, Owner), Stefan Bircher (Shining Film, Producer/Partner), Christoph Bürge (B&B EndemolShine, Delegierter des VR), Muriel Droz (Lauschsicht, Managing Director), Rudi Haller (Solid & Hallerfilm, Produzent, Owner), Lilian Lüthi (Frame eleven + partners, Head of Production, Partner), Derya Tuna (Tuna Production, Produzentin).



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