11.10.2018

Media Use Index 2018

Influencer übertrumpfen klassische Medien

Die MUI-Studie der Y&R Group Switzerland zeigt eine kritische Tendenz: 30 Prozent der Digital Natives halten Influencer für glaubwürdiger als klassische Medien – Tendenz steigend. Eine weitere Erkenntnis: Das Smartphone wird immer mehr zum Messenger.
Media Use Index 2018: Influencer übertrumpfen klassische Medien
Besonders beliebte Influencer der Schweizer sind Musiker. Hier posieren Fans mit dem Sänger Luca Hänni an der Influencer-Marketing-Konferenz 2017. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Die Y&R Group Switzerland hat die neuste Ausgabe des Media Use Index publiziert. Die Studie zeigt, wie die Digitalisierung voranschreitet und das Mediennutzungsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer verändert. Bezahlte Tageszeitungen verlieren weiter an Lesern. Das Smartphone wird immer mehr zum Messenger, während das Telefonieren an Bedeutung einbüsst. Ausserdem zeigt sich eine kritische Tendenz: Bereits 30 Prozent der Digital Natives halten Influencer für glaubwürdiger als klassische Medien – Tendenz steigend.

Bezahlte Tageszeitungen verlieren weiter

Bezahlte Tageszeitungen verlieren auch 2018 weiter an Lesern. Gerade noch 45 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer konsumieren dieses Medium zumindest noch gelegentlich. Auch die Internetnutzung per Tablet nimmt erstmals ab. Der Zugriff auf das Internet via Smartphone nimmt dagegen auf hohem Niveau weiterhin zu.

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Smartphone etabliert sich als Smartmessenger

Die beliebteste Aktivität der Schweizer auf dem Smartphone bleibt das Schreiben und Lesen von Nachrichten via WhatsApp, iMessage und ähnlichen Diensten, wie es in einer Mitteilung heisst. Über sämtliche Generationen hinweg etabliert sich das Smartphone als Smartmessenger, da es häufiger zum Texten als für jede andere Tätigkeit verwendet wird. Auch der Anteil jener Personen, die via Smartphone Browser ins Internet gelangen, steigt kontinuierlich.

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Facebook-Konzern dominiert weiterhin auf Smartphone

Der Einfluss des Facebook-Konzerns zeigt sich laut der Studie eindrücklich anhand der Lieblingsapps der Schweizer Bevölkerung. Die ersten drei Ränge belegen WhatsApp, Facebook und Instagram, die alle zum gleichen Mutterhaus gehören. Dabei verliert Facebook gegenüber Instagram weiter an Boden.

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Für welche Zwecke das Smartphone genutzt wird, ist individuell höchst unterschiedlich. Die ungestützte Frage nach den drei liebsten Apps führte insgesamt zu über 680 verschiedenen Ergebnissen. Während WhatsApp rund 1100 Mal genannt wird, vereint Spotify als zehnthäufigste erwähnte App bereits weniger als 100 Nennungen. Dies zeigt, dass es selbst für grosse digitale Brands eine Herausforderung ist, bei den Nutzern Top of Mind zu bleiben. Gleichzeitig bieten sich Chancen für Nischenanbieter, die durch ihr relevantes Angebot bei den Konsumenten punkten können.

Instagram und Snapchat sind Digital Natives wichtiger als Facebook

Für Digital Natives ist neben Instagram nun auch Snapchat wichtiger als Facebook. Nachdem letztes Jahr Facebook bereits von Instagram verdrängt wurde, positioniert sich nun auch Snapchat vor Facebook. WhatsApp spielt weiterhin in einer eigenen Liga und bleibt ungefährdet die wichtigste Social Network Plattform.  

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Influencer beeinflussen Digital Natives

Der Anteil der Schweizer, welche angeben Influencern zu folgen, liegt praktisch unverändert zum Vorjahr bei 59 Prozent. Influencer sind Personen, die sich aufgrund ihrer Aktivitäten in sozialen Netzwerken eine reichweitenstarke Community aufgebaut haben, in der sie eine hohe Relevanz sowie Glaubwürdigkeit besitzen und deshalb Meinungen beeinflussen können.

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Besonders beliebte Influencer der Schweizer sind Musiker und Schauspieler. Zwei von drei Digital Natives (65 Prozent), welche die sozialen Medien nutzen, folgen zum Beispiel mindestens einem Musiker; bei den Digital Immigrants sind es 58 Prozent und bei den Silver Surfern immerhin noch 47 Prozent. 30 Prozent der Digital Natives finden sogar, dass Influencer glaubwürdiger sind als klassische Medien. Das ist ein Anstieg von 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was in Bezug auf die Fake News Thematik sicher kritisch zu betrachten ist.

Streaming gleichauf mit Live TV

57 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer streamen mindestens einmal pro Woche TV-Inhalte. Damit setzt sich der Aufwärtstrend auch 2018 fort. Demgegenüber stagniert der wöchentliche Konsum von Live TV weiterhin bei 59 Prozent. Bei den Digital Natives ist Streaming bereits mit grossem Abstand die dominierende Art Bewegtbild-Content zu konsumieren.

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Die Studie Media Use Index der Y&R Group Switzerland untersucht jährlich das Mediennutzungs- und Informationsverhalten der Schweizer Bevölkerung. Für den Quervergleich unterteilt die Studie die Online-Bevölkerung in drei Generationen: Digital Natives (14- bis 29 Jahre), Digital Immigrants (30- bis 54 Jahre) und Silver Surfer (55- bis 69 Jahre). Die Studie wurde 2009 erstmals durchgeführt, 2018 erscheint sie in der zehnten Auflage. Hierfür wurden in Zusammenarbeit mit Marketagent.com 2000 Personen zwischen 14 und 69 Jahren aus der Deutsch- und Westschweiz online zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ gemäss den offiziellen Strukturdaten der Schweiz. (pd/cbe)



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Kommentare

  • Bruno Roeder, 11.10.2018 09:17 Uhr
    Guten Tag, der Influencer-Hype, wird wohl noch ein wenig weiter kursieren (da es leider alle auf die gleiche Weise aufgreifen)... doch was bedeutet das für Menschen, Marken und Medien? Wir "The Communicator Group, Zürich-Berlin" beschäftigen uns mit dem Thema "Digitalisierung - Mensch, Medien, Marken im Wandel." Dies, in Zusammenarbeit mit führenden Universitäten. Das derzeit fokussierte Thema, welches wir in Zusammenarbeit mit dem Profiler, Alan Stevens, Australien, zu einem Projekt entwickelt haben, lautet „Self First!“ und bezieht sich auf das Verhältnis „Jugend & Digitalisierung“. Status: Das Cyberspace bietet jungen Menschen viele Chancen, jedoch genauso viele Gefahren. Jüngste (mediale) Diskussion gilt dem Einfluss der Influencer auf die Jugend. Wir erleben hier Konsumzwang, Verführung, Druck durch Communities auf den Einzelnen. In den USA und in Australien sind Themen wie Cyber-Mobbing und der rasante Suizid-Anstieg junger Menschen (weltweite Bedeutung) ein grosses Thema. Den Grund dafür erkennen wir im mangelhaften Wissen, wer hinter dem "Public Ego" steckt. Das Public Ego / die Online Identität, entspricht einer fundamentalen Verhaltensänderung des Menschen in der Transformation zum digitalen Zeitalter. Die Online-Identität verhält sich aus verschiedenen Gründen, die wir allesamt wissenschaftlich untersucht haben, ganz anders als das analoge Ich. Wer dies nicht weiss und sich darauf nicht einstellt, läuft Gefahr im nahezu rechtlosen Raum des Cyberspace zu kapitulieren. Dies betrifft junge Menschen genauso wie die Industrie, welche vergebliche Bemühungen unternimmt, dem Konsumenten im WEB erfolgreich mit ihrer Marke zu begegnen. Ergo: "Das Public Ego - Schillernd, facettenreich und gefährlich? - Konsequenzen für junge Menschen.“ Es wird dringend notwendig, dass Menschen viel mehr Wissen über das Public Ego erhalten. Nur so kann ein bewusstes und faires Miteinander der Web-User gewährleistet werden. Mit guten Grüssen "The Communicator Group"
  • Armin Biermann, 11.10.2018 10:31 Uhr
    Die Problematik geht viel tiefer als Statistiken aussagen, wenn man analysiert, was digitale Medien mit uns machen: https://biermann.ch/was-digitale-medien-mit-uns-machen/
  • Sandra Caprez, 12.10.2018 14:25 Uhr
    Wurde auch ausgewertet, welche Medientitel die Digital Natives konsumieren? Wenn's grösstenteils Gratiszeitungen und die 20min-App sind, dann ist es kein Wunder, dass die Glaubwürdigkeit von "klassischen Medien" nicht hoch eingeschätzt wird.

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