03.05.2021

Frauenzentrale Zürich

Nur Ja heisst Ja

Aktuell wird über eine Anpassung des Schweizer Sexualstrafrechts diskutiert. Die Frauenzentrale Zürich will Druck machen, damit der Straftatbestand der Vergewaltigung endlich der Realität angepasst wird – unter anderem mit einer emotionalen und aufrüttelnden Kampagne.

Grossbritannien, Dänemark, Irland, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Zypern, Island, Schweden und Griechenland – wer das «Nein» einer Frau missachtet und Geschlechtsverkehr ohne ausdrückliche Zustimmung hat, landet in diesen europäischen Ländern nicht selten im Gefängnis.

Wenn sich hingegen eine Frau in der Schweiz nicht physisch wehrt – zum Beispiel, weil sie in einem Schockzustand oder anderweitig reaktionsunfähig ist –, wird das nicht als Vergewaltigung angesehen. Auch dann nicht, wenn sie zuvor ganz klar «Nein» gesagt hat. So heisst es in einer Mitteilung vom Montag.

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Dabei sind nicht-einvernehmliche sexuelle Handlungen in der Schweiz weit verbreitet, nur bleiben sie in den meisten Fällen straflos. Der Kanton Zürich ist in der Schweiz gar Schlusslicht, wenn es darum geht, Beschuldigte zu verurteilen: Wer hier einer Vergewaltigung beschuldigt wird, kommt in 12 von 13 Fällen straffrei davon.

Die Statistiken belegen, was Opferberatungsstellen längst wissen: Mit dem aktuellen Sexualstrafrecht werden Vergewaltigungsopfer von Behörden und Justiz im Stich gelassen, während Täter ohne Strafe davonkommen. Das ist ein Grund, weshalb nur 10 Prozent der Frauen, die sexuelle Handlungen gegen ihren Willen erleben, den Vorfall der Polizei melden und gerade einmal 8 Prozent der Frauen schliesslich Strafanzeige erstatten.

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Die Frauenzentrale fordert ein Gesetz, das festlegt, dass Sex auf Einvernehmen beruhen muss – und lanciert in Zusammenarbeit mit ihrer langjährigen Werbeagentur Publicis die Kampagne «Nur Ja heisst Ja – weil Sex ohne Zustimmung immer eine Vergewaltigung ist». Im Juni debattiert die Politik über das Schweizer Sexualstrafrecht. Die Kampagne von Publicis wird im Vorfeld der Sommersession online und auf Plakaten zu sehen sein.


Mit der Kampagne möchten die Organisation die Öffentlichkeit aufrütteln und aufzeigen, wie wichtig die Forderung nach einer Revision des Sexualstrafrechts für Frauen ist. Die Sorgen und das Bedauern von Frauenorganisationen und Opferberatungsstellen in den Vernehmlassungsantworten sollen berücksichtigt werden.

Die Frauenzentrale verlangt den Grundsatz «Nur Ja heisst Ja»: Jedes vaginale, orale oder anale Eindringen ohne Zustimmung ist im Gesetz als Vergewaltigung anzuerkennen! Das ist der Grundstein für den dringenden gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit sexueller Gewalt – und wird auch von der Istanbul-Konvention so verlangt, die seit dem 1. April 2018 in der Schweiz gilt.

«Wir möchten ein Sexualstrafrecht, in dem die Definition von Vergewaltigung nicht länger auf Gewalt/Nötigung und Widerstand basiert, sondern auf der fehlenden Einwilligung. Zudem fordern wir eine systematische Datenerhebung bei Sexualdelikten sowie ein einheitliches Vorgehen in der gesamten Schweiz bei der Untersuchung und Ahndung von Vergewaltigungen», lässt sich Olivia Frei, Co-Geschäftsführerin der Frauenzentrale, zitieren.

Umgesetzt hat den Film die Zürcher Regisseurin und langjährige Frauenrechts-Aktivistin Luisa Ricar. Es ist mitnichten ihr erstes Projekt, welches sich gegen Sexismus und Chauvinismus richtet, wohl aber eines ihrer krassesten bisher: «Mit der Kampagne haben wir die Möglichkeit, das stereotype Bild eines Vergewaltigers aufzubrechen und der Realität anzupassen. Die Filme und die scheinbar «normalen» Geschichten der Männer tun weh. Und das sollen sie auch. Es soll klar werden, dass Vergewaltigung etwas ist, das im Alltag geschieht und sich nicht auf dunkle Gassen und wildfremde Täter beschränkt.» 

Verantwortlich bei Frauenzentrale Zürich: Olivia Frei (Co-Geschäftsführerin), Sandra Plaza (Co-Geschäftsführerin). Verantwortlich bei Publicis Zürich: Matthias Koller (Gesamtverantwortung), David Lübke (Creative Direction), Cosima Pereira Köster (Senior Art Director), Mathias Bart (Senior Copywriter), Cathy Nyffenegger, Stefania Bertolo (Beratung) Prodigious: Pre Press, Litho; Bildbearbeitung, Filmproduktion: CZAR Film. Luisa Ricar (Regie), Meret Madörin (Kamera), Sandy Blum (Executive Producer), Julia Frieling (Production Assistant), Fabian Raabe (Fotograf), Evelyn Steigbügel (Schnitt), Samuel Muff Slgh (Grading), Jingle Jungle (Vertonung). (pd/lol)



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