25.04.2019

15 Jahre KSP

«Was ist eine Coop-Agentur ohne Coop?»

2004 gründeten die Publicis-Werber Daniel Krieg und Uwe Schlupp ihre eigene Werbeagentur. Die Firmengeschichte sagt viel über die Werbung und die Veränderungen in der Branche aus. Ein Gespräch über Selbstständigkeit, Grosskunden und den Neid, den man sich erkämpfen muss.
15 Jahre KSP: «Was ist eine Coop-Agentur ohne Coop?»
Feiern am Freitag ihr 15-Jahr-Jubiläum: Daniel Krieg und Uwe Schlupp. (Illustration: Sean Ryan)
von Matthias Ackeret

Herr Schlupp, wann beschlossen Sie eigentlich, eine eigene Agentur zu gründen?
Uwe Schlupp: Daniel Krieg und ich kannten uns beide von Publicis, wo wir damals gearbeitet hatten. Eines Abends rief mich Krieg in sein Büro und fragte mich, ob ich für die Gründung einer eigenen Agentur zu gewinnen sei. Da ich zuvor noch meine Familie um Zustimmung fragen musste, vertröstete ich ihn auf den nächsten Tag.

Wie haben Sie Ihre Familie überzeugt?
Schlupp: Ich habe ihr erklärt, dass eine Agentur mehr Arbeit und weniger Geld bedeutet. Und dass man zudem noch ganz viel «Zeug» am Hals hat, was man eigentlich gar nicht unbedingt will.

Und: Ist es so eingetreten?
Schlupp: Mehr Arbeit hat es uns sicher eingebrockt, beim Geld war es manchmal mehr, manchmal weniger. Trotzdem habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit keine Sekunde bereut. Das Leben als Unternehmer verläuft zwar weniger linear als dasjenige eines Angestellten, dafür ist es auch spannender und selbstbestimmter.

«Dem Glück nachrennen bringt ja nichts»

Herr Krieg, warum hatten Sie 2004 das Gefühl, dass nun der richtige Moment für die Agenturgründung gekommen sei?
Daniel Krieg: Es war mir bereits während meines HSG-Studiums klar, dass ich mich einmal selbstständig machen würde. Ich wusste nur lange nicht, womit (lacht). Dem Glück nachrennen bringt ja nichts. Aber 2004 ist das Glück bei mir um die Ecke gebogen, da habe ich es halt gepackt.

Was überraschend war: Als Gründungspartner konnten Sie die deutsche Topagentur Springer & Jacoby gewinnen …
Krieg: Das hat eine Vorgeschichte. So kurz wie möglich: Ich stand im ominösen schwarzen Büchlein von Jean-Remy von Matt, in dem er die Namen aller für ihn interessanten Werber aufführte. Ich wollte aber wegen meiner kleinen Kinder nicht nach Hamburg. Bei einem Treffen im Starbucks am Bellevue erklärte ich Jean-Remy aber selbstbewusst, wie ich halt bin: Sollte Springer & Jacoby in die Schweiz kommen wollen und mich deshalb kontaktieren, sässe ich schneller im Flugzeug, als diese den Hörer auflegen könnten. Der Zufall wollte es, dass Jean-Remy in der folgenden Woche Konstantin Jacoby traf und ihm von mir erzählte. Zwei Wochen später bekam ich wirklich einen Anruf von Konstantin. Und wiederum zwei Wochen später sass ich mit einem Businessplan im Flieger nach Hamburg. Die anwesenden Herren Finanzer und Agenturbosse machten grosse Augen, meinten aber, die grossen Zahlen in meinem Plan entsprächen zwar meinen grossen Ambitionen – gemeint hatten sie wohl mein grosses Mundwerk –, aber ich solle doch lieber noch einen Partner mit an Bord nehmen. Im Flieger zurück stellte ich mir die Frage: Wer passt zu mir, wer ergänzt mich perfekt – oder besser: Wer verträgt sich mit mir? Denn zwei Kriegs wären definitiv einer zu viel (lacht).

Und so sind Sie auf Uwe Schlupp gestossen?
Krieg: Genau. Ich selbst habe ja einen wilden Lebenslauf, mit Investment-Banking und Jobs auf Auftraggeberseite und so Sachen, bevor ich Texter und später CD wurde. Und mit Uwe, den ich damals schon von WHS kannte, glaubte ich, den Richtigen gefunden zu haben. Doppelte Kreativpower. Denn Strategie und Beratung habe ich im Blut, dachte ich damals. Irgendwie kam das ja dann auch ganz gut so. Einen Tag vor dem Unterschreiben der Verträge gab es dann aber noch ein kleines Problem: Springer & Jacoby rief an und sagte mir, sie hätten mit der Agenturschliessung in London so viel Geld «verlocht», dass es nun für die Gründung Schweiz nicht mehr reiche. Den Namen könnten wir immer noch haben, aber kein Geld. Innerhalb von 24 Stunden habe ich dann das Geld aufgetrieben. Das war das grösste Glück überhaupt. Denn so hiessen wir ab Start zwar KSSJ Krieg Schlupp Springer & Jacoby, aber die Firma gehörte uns. Und ja: Seit dem Tag wissen wir, was viel arbeiten wirklich heisst.

Schlupp_Krieg

Hatten Sie bei Ihrem Start bereits einen Kunden?
Schlupp: Als wir starteten, hatten wir kaum Geld, keine Kunden und keine Mitarbeitenden. Aber wir hatten ganz viel Moral, Ehrlichkeit und ein paar gute Leads. Dabei haben wir aber konsequent keine Publicis-Kunden angegraben. Einfach weil sich das nicht gehört – und auch weil Fredy Collioud, unser damaliger Chef bei Publicis, mit uns fair umging. Davon bin ich übrigens auch heute noch überzeugt: Alles im Leben kommt zurück, das Gute wie das Schlechte. Aber es herrschte Aufbruchstimmung. Der erste Kunde war Maxon Motor. Damit konnten wir bereits die halbe Miete zahlen. Der erste grosse Kunde war kurz danach die Uhrenfirma Maurice Lacroix, eine Mitgift von Springer & Jacoby. Zuerst halfen wir ein bisschen mit, später durften wir den ganzen Etat betreuen, was für alle Beteiligten eine gute Lösung war.

Krieg: Nur wenig später wurde das MZSG Malik Management Zentrum St. Gallen unser Kunde. Da haben wir dann sogar doppelseitige Inserate im «Spiegel» geschaltet. Das war zu der Zeit, als es noch Anzeigen gab (lacht).

«Nach dem Gewinn von Coop kam dann auch etwas Neid»

Wie haben die Kollegen auf Ihre Neugründung reagiert? Gab es auch Neid?
Schlupp: Wie heisst es doch so schön: Mitleid bekommt man umsonst, für Neid muss man hart arbeiten. Anfänglich spürten wir sehr viel Wohlwollen. Alle haben uns auf die Schultern geklopft und wollten irgendwann bei uns arbeiten. Nach dem Gewinn von Coop kam dann auch etwas Neid dazu, aber das ist doch nur menschlich.

KSP Krieg Schlupp Partner wurde lange als Coop-Agentur wahrgenommen. War dies ein Vor- oder ein Nachteil?
Schlupp: Rückblickend sicher ein Vorteil. Mit dem Schub von Coop im Rücken haben wir noch viele andere bedeutende Kunden gewonnen. Zuvorderst ist VW zu nennen, die wir nun seit über zwölf Jahren als Leadagentur betreuen, aber auch Hirslanden oder AXA. Coop war für uns wichtig, da man uns plötzlich als Agentur wahrnahm, die als Leadagentur ein Riesenbudget stemmen kann. Operativ und strategisch. Vor ein paar Jahren mussten wir uns aber dann die Frage stellen: Wer sind wir eigentlich ohne das Coop-Budget?

Ja, wer ist die Coop-Agentur ohne Coop?
Krieg: Dank Coop sind wir auf das Thema Nachhaltigkeit beziehungsweise Purpose gestossen. Für uns als Agentur ist es wichtig, dass wir uns inhaltlich von unseren Mitbewerbern abheben. Und deshalb ist heute unser Claim «More Purpose – More Profit». Und wenn man sich in der Welt umschaut, sieht man, dass wir damit aber so was von relevant und aktuell sind. «Sinn stiften – Sinn bieten», das ist heute das Thema überhaupt. Deshalb ist KSP übrigens auch strategischer Partner des CLVS Center for Leadership and Values der Universität St. Gallen, bin ich Mitglied des Transformer Clubs des World Web Forums und engagiere ich mich als Coach im Programm New Leipzig Talents des Dr. Arend Oetker Center for Business Psychology and Leadership der HHL Leipzig.

2016 trennten Sie sich von Coop. Was bedeutete das für Sie?
Krieg: Es war zwar für uns selbst nötig, sonst wären wir, wie die Dinos, ausgestorben. Als Klassikagentur. Aber es war hart. Und es hat das bestätigt, was alle wissen, die je einen Change durchziehen mussten: Jeder Change geht mindestens doppelt so lange, wie man anfangs meint, dass er im allerschlimmsten Fall gehen könnte. Dafür sind wir jetzt fit, das anzubieten, was heute gefragt ist. Denn das neue Zauberwort heisst «und» statt – wie früher – «oder». Also Awareness und Performance. Agenda-Setting und Analytics. Werbung und Content. Brand und Sales. On und Off. Customer Value und Public Value. Agil und Wasserfall. Und, und, und. Oder wie wir es sagen: Purpose und Profit.

Bei Ihrem 10-Jahr-Jubiläum ist Stress an der Jubiläumsparty im Plaza aufgetreten. Wie feiern Sie am Freitag?
Schlupp: 2019 ist auf der ganzen Welt kein Jahr für opulente Partys. Wir feiern deshalb ganz bescheiden bei uns in Wollishofen. Und tun lieber etwas für das Klima. 2024 feiern wir dann vielleicht wieder grösser (lacht).     



Das ausführliche Interview mit Daniel Krieg und Uwe Schlupp finden Sie in der aktuellen «persönlich»-Ausgabe.

 



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