21.05.2001

Welche Werbung braucht die Zukunft?

Eine Wachstumsbranche stösst in Grenzbereiche vor: die Werbung. Ihr Ansprechpartner, der Konsument, weicht ihr aus. Er ignoriert Internet-Banner, zappt sich aus TV-Werbeblöcken heraus und überblättert Anzeigen. Was tun, um an den potenziellen Konsumenten zu gelangen? Carlo Schmid, Präsident der Schweizer Werbung SW, nimmt Stellung.
Welche Werbung braucht die Zukunft?

Wettbewerb an allen Fronten

Marken mussten früher vor allem bekannt sein und ein gutes Image haben. Das hat sich geändert. Weil die Märkte gesättigt sind, wird um Anteile härter gekämpft denn je. Für die Werbung bedeutet das, dass sie auffallen muss – aber nicht nur. Sie muss sich dem Wettbewerb stellen, sie muss dynamisch und flexibel sein. Vergleichende Werbung wird an Bedeutung gewinnen; Wettkampf ist attraktiv, Aufmerksamkeit ist garantiert. Wenn es dem Werber gelingt, die Verbraucher auf seine Seite zu ziehen, lassen sie sich längerfristig binden.

Der Faktor Internet

Das weltweite Datennetz bedeutet eine Revolution, vor allem für die Werbung. Nicht unbedingt wegen den Werbemöglichkeiten, sondern weil es Lebens- und Konsumgewohnheiten verändert – und damit die Märkte. Die Verbraucher wollen dann über Internet einkaufen, wann sie es für richtig halten, und sei es mitten in der Nacht. Sie können sich unabhängig von Zeit und Ort flexibel zusammenschliessen, um bessere Preise auszuhandeln. Dank der Interaktivität von neuen Medien werden die Konsumenten bald auch mitbestimmen wollen, wie ein Produkt aussehen soll. Und sie werden wie selbstverständlich davon ausgehen, dass alle nötigen Informationen nur ein paar Mausclicks weit entfernt sind. Der Stil des Internet, das Denken in Links und Fenstern, wird auch auf klassische Formen Werbung Einfluss nehmen. Nicht Produkte müssen im Zentrum stehen, sondern die Möglichkeiten für den Konsumenten.

Das Ende des Schönheitskults

Die Werbeträger der Zukunft sind nicht mehr perfekte Models; ihnen fehlen die Ecken und Kanten, um glaubhaft zu sein. Auch der Prototyp des Konsumenten von 14 bis 49 hat ausgedient. "Normalos" werden die Werbung erobern. Authentische Persönlichkeiten ersetzen dabei narzisstische Idealbilder. Werte wie Verantwortung oder Freundschaft werden zum Inhalt erfolgreicher Werbung, die Botschaften werden von Alltagsmenschen transportiert – und wirken damit glaubhafter.

Ja oder Nein, heiss oder kalt

Heute werden Kaufentscheidungen blitzschnell gefällt. Jugendliche sind sich gewohnt, nicht lange darüber nachzudenken, ob sie ein Produkt haben wollen oder nicht. Um besser als die Konkurrenz zu sein, muss seine Werbung einen Mehrwert für das beworbene Produkt generieren. Markenbekanntheit heisst noch nicht Markenerfolg. Ein Kult um ein Produkt macht dieses erst einzigartig – wenn er nicht inszeniert wirkt. Mit Witz und Ironie lassen sich vor allem junge Käufer binden.

Kontrastpunkte setzen


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