26.01.2020

Kein lohnendes Geschäft

APG stoppt Versuche mit Gesichtserkennung

Vor rund drei Jahren startete die APG mit Gesichtserkennung. Der Versuch sei inzwischen beendet, sagt Beat Holenstein von der APG-Geschäftsleitung. Sowohl die APG als auch Softwarelieferantin Advertima hätten keine Daten der US-Firma Clearview bezogen.
Kein lohnendes Geschäft: APG stoppt Versuche mit Gesichtserkennung
Die Software sei noch zu wenig ausgereift: Die APG will den Test vorerst nicht weiterführen. (Bild: Pixabay)
von Edith Hollenstein

Im Frühling 2017 begann die Aussenwerbevermarkterin APG mit Tests im Bereich Gesichtserkennung. Wie APG-Geschäftsleitungsmitglied Beat Holenstein im Sommer 2019 in einem «10vor10»-Beitrag erklärte, kam dabei eine spezielle Software zum Einsatz, die Alter, Geschlecht und Stimmung erfasst. Dabei habe es sich nicht um ein marktfähiges Produkt gehandelt, sondern um einen internen Test. «Diesen Test haben wir inzwischen beendet», sagt Holenstein auf Anfrage von persoenlich.com. Man werde die technologische Entwicklung im Bereich Gesichtserkennung zwar mit Interesse weiterverfolgen, jedoch seien weitere Tests vorderhand nicht geplant.

«Kein rentables Geschäft»

Für den Stopp der Experimente gebe es verschiedenen Gründe. Zu einen seien die Rahmenbedingungen in der Schweiz schwierig, da Sensoren und Kameras im öffentlichen Raum mit grosser Skepsis begegnet werde. Datenschutzvorbehalte seien hier viel ausgeprägter als etwa in Asien. Zudem habe die APG kein rentables Geschäft mit Gesichtserkennung erkennen können. «Wir fokussieren uns auf programmatische Ausstrahlung von Werbung, bei der wir via Bewegungs- und Frequenzdaten sehr gutes Targeting erreichen», sagt Holenstein. «Für Programmatic benötigen wir keine Gesichtserkennung, denn schliesslich ist und bleibt Aussenwerbung ein One-to-Many-Medium. «Wir werden uns nie an einzelne Personen richten, sondern immer an Personengruppen mit bestimmten gemeinsamen Merkmalen.»

Des Weiteren sei die Gesichtserkennungssoftware noch nicht so ausgereift, dass sie die Emotionen der Leute zuverlässig habe erkennen können, so Holenstein.

Keine Daten von Clearview

Das Thema kam auf, nachdem vergangenes Wochenende die New York Times über die US-Firma Clearview berichtete, die rund drei Milliarden Bilder von Menschen aus dem Internet zusammengestellt hatte, um eine umfassende Datenbank zur Gesichtserkennung zu entwickeln. Für die Datenbank seien öffentlich zugängliche Bilder bei Plattformen wie Facebook und YouTube eingesogen worden, so die NYT

Hatte auch die APG bei ihrem Test Daten von Clearview verwendet? Nein, sagt Holenstein. Auch bei der Ostschweizer Firma Advertima, deren Software die APG für den Test verwendete, winken die Verantwortlichen ab. 

Die APG hat für den Gesichtserkennungspilot eine Software der St. Galler Firma Advertima verwendet. «Wir machen keine Gesichtserkennung. Wir sind nicht in der Lage, eine Person, respektive deren Identität zu erkennen», sagt Mitgründer Mario Siano auf Anfrage von persoenlich.com. Advertima habe die Technologie vollständig selber entwickelt. «Wir haben keine Datenlieferanten», so Siano. Hier gebe es in keinster Weise einen Zusammenhang. «Wir kennen Clearview auch nur aus den Medien.»



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