06.01.2021

Studie zum Detailhandel

CS erwartet nach Boom einen Umsatzrückgang

Die Credit Suisse erwartet, dass Kleider und Schuhe nach der Pandemie wieder an Fahrt gewinnen dürften.
Studie zum Detailhandel: CS erwartet nach Boom einen Umsatzrückgang
Homeoffice und abgesagte Anlässe hielten Konsumenten davon ab, ihr Geld für die Neuausstattung ihrer Garderobe auszugeben. (Bild: Pixabay.com)

Nach den Hamsterkäufen während des Corona-Lockdowns liegt die Latte für die Schweizer Lebensmittelläden hoch. Die Ökonomen der Credit Suisse rechnen deshalb bei diesen mit einem Umsatzrückgang im neuen Jahr.

Im Bereich Nahrungsmittel und Near-Food dürften die Umsätze nach dem sehr starken Jahr 2020 um 6 Prozent sinken, heisst im Detailhandelsausblick der Grossbank für 2021, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Allerdings wäre damit auch das angebrochene Jahr immer noch besser als die Lage vor der Krise. Denn das Niveau von 2019 dürfte heuer um 3 Prozent übertroffen werden.

Die Umsatzentwicklung sei 2020 in vielen Segmenten so positiv gewesen, «dass ein Wiedererreichen der Werte im Jahr 2021 unter normalen Umständen unwahrscheinlich erscheint», schrieben die CS-Ökonomen. Dies umso mehr, als treibende Kräfte für den Detailhandel wie höhere Löhne und Zuwanderung ausblieben.

Dies würden vor allem diejenigen Segmente zu spüren bekommen, die 2020 gegenüber dem Vorjahr stark gewachsen seien: Neben dem Lebensmitteldetailhandel seien dies Do-it-yourself, Garten- und Autozubehör, Heimelektronik, Körperpflege und Gesundheit oder Freizeit.

Aufschwung bei Kleidern und Schuhen

«Hingegen erwarten wir, dass das Bekleidungs- und Schuhsegment nach überstandener Pandemie wieder etwas an Fahrt gewinnen dürfte», schrieben die CS-Ökonomen. Dies dürfte kleinere Rückschläge in den anderen Non-Food-Branchen, die 2020 teils stark profitiert hatten, kompensieren. Im gesamten Non-Food-Segment sollte es zu einem Umsatzplus um etwas über 2 Prozent führen. Damit würde das Vorpandemiejahr 2019 um rund 4 Prozent übertroffen.

Allerdings schränken die CS-Ökonomen die Aussagekraft ihrer Prognosen selber ein: Diese Prognosen würden auf Annahmen bezüglich der epidemiologischen Entwicklung basieren, «die mit hoher Unsicherheit behaftet sind, und sollten vor allem als grobe Richtungsweisung dienen». Denn mögliche Einschränkungsmassnahmen dürften nicht ausser acht gelassen werden.

Onlineboom geht weiter

Der Aufschwung des Onlinehandels dürfte weitergehen, dem die Coronakrise Rückenwind verliehen habe, hiess es. Die Umsätze der Bestellungen übers Internet dürften im abgelaufenen Jahr um 55 Prozent auf 16 Milliarden Franken geklettert sein.

In den Vorjahren habe das Wachstum jeweils 8 bis 10 Prozent betragen, sagte CS-Ökonomin Tiziana Hunziker in einer Online-Medienkonferenz. Mittlerweile dürfte der Online-Umsatz 17 Prozent des gesamten Detailhandels ausmachen.

Treiber seien die Schliessung der Nicht-Lebensmittelläden im Frühling gewesen und der Nachholkonsum. Zudem dürften gewisse Konsumenten den Menschenmengen in Einkaufsmeilen und Shoppingzentren bewusst ausweichen, um das Risiko einer Ansteckung zu vermeiden, was den Onlinehandel weiter beflügle, hiess es.

Zalando geschrumpft

Nicht davon profitiert haben dürfte nach Schätzung der CS-Ökonomen der Modelieferant Zalando. «Bis September wurden über 17 Prozent weniger Warenwert an Rückfuhren verbucht als im Vorjahr. Wir gehen deshalb davon aus, dass Zalando 2020 nur knapp 750 Millionen Franken umgesetzt hat.

Hauptgrund dafür dürfte der reduzierte Bedarf an Kleidung und Schuhen gewesen sein. «Höhere Homeoffice-Anteile, abgesagte oder verschobene Anlässe und Events sowie eine gewisse Zurückhaltung bezüglich unnötiger Ausgaben während des Lockdowns hielten Konsumenten wohl davon ab, ihr Geld für die Neuausstattung ihrer Garderobe auszugeben», hiess es in der Studie.

Grundsätzlich dürfte Corona den Wandel im Detailhandel beschleunigen. Wegen des zunehmenden Homeoffice würden die Läden vor allem in den Büroquartieren der Städte an Laufkundschaft verlieren. Michel Balmer von der Mobilitätsanalysefirma Senozon rechnet mit einem Rückgang der Passanten um 5 bis 30 Prozent. (awp/sda/eh)



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