18.12.2003

Guido Tognoni wird Organisator der Asian Games

Guido Tognoni hat einen neuen Job. Der ehemalige Fifa-Direktor und Blick-Sportchef wird im nächsten Jahr die Asian Games organisieren. Gegenüber "persoenlich.com" beschreibt der 53-jährige Jurist seine neuste Herausforderung. Seine Antworten:
Guido Tognoni wird Organisator der Asian Games

Herr Tognoni, Sie werden nun Organisator der Asian Games. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Gleich nach meinem Abschied von der FIFA wurde ich von einem FIFA-Vizepräsidenten, der in Doha lebt und auch Präsident des asiatischen Kontinentalverbandes ist, angefragt, ob mich diese Aufgabe reizen würde. Ich war im Mai erstmals in Doha, und dieser Tage wurden die Verhandlungen abgeschlossen.

Was sind die Asia Games überhaupt?

Die Asian Games sind zwar in Europa nur dem Namen nach bekannt, dürften aber vom Aufwand her nach den Olympischen Spielen das zweitgrösste Sportereignis der Welt sein. Bei den Olympischen Sommerspielen hat es 28 Wettbewerbe, bei den Asian Games deren 35, weil zu den olympischen noch ein paar typisch asiatische Sportarten und Schach dazukommen. Wir rechnen mit 8000 Teilnehmern und planen vorderhand für 10'000, was für ein kleines Land wie Katar eine riesige Herausforderung ist.

Wie kommt Katar zu diesem Ereignis?

Vor 20 Jahren gab es in Katar noch keine geteerten Strasse, heute ist das Emirat der dynamischste Flecken der Welt, eine moderne Grossbaustelle mit einem spektakulären Wirtschaftswachstum. Doha will mindestens so gut sein wie Dubai in den benachbarten Arabischen Emiraten. Sport ist ein Aushängeschild des Landes, wie etwa die Verpflichtung ehemaliger Top-Fussballstars zeigt. Das zur Zeit schönste Gebäude von Doha, ein Glaspalast mit 25 Stockwerken, wurde allein für das Nationale Olympische Komitee erbaut und vor ein paar Wochen bezogen. Für die Asian Games gab es gleich noch ein neues Verwaltungsgebäude hinzu. Das unterstreicht die Bedeutung des Sports für dieses kleine Land. Katar will der Welt beweisen, was es kann. Die Asian Games bieten dafür eine gute Plattform.

Haben Sie als Europäer keine Bedenken, mit der arabischen Mentalität Probleme zu bekommen?

Absturzgefahr gibt es bei solchen Projekten immer, aber mit Bedenken wegen der Mentalität dürfte ich in Doha gar nicht antreten. Ich war schon mehrmals in den Golf-Staaten und schätze die Leute als eben so grosszügig wie pragmatisch. Natürlich muss man sich auf die Gewohnheiten der einheimischen Bevölkerung einstellen, aber das gehört zum Reiz bei solchen Aufgaben. Wer das nicht kann, muss Buchhalter bei einer Bank werden. Im übrigen sind die Ausländer in Katar in der Mehrheit. Von den rund 600'000 Einwohnern sind nur etwa 150'000 Einheimische. Die Elite des Landes spricht englisch und wurde mehrheitlich im Ausland ausgebildet.

Sie sind bei der FIFA bekanntlich nicht in Frieden gegangen. Nun treffen Sie aber wieder auf die gleichen Leute. Ist das problematisch?

Aus meiner Sicht wäre das nicht problematisch, aber die Frage stellt sich gar nicht. Die Asienspiele haben mit der FIFA nichts zu tun. Ich arbeite für das lokale Organisationskomitee in Doha und mit dem Dachverband der 45 nationalen Olympischen Komitees des asiatischen Kontinents.

Wie ist Ihr Verhältnis heute zu Sepp Blatter?

Weder gut noch schlecht -- ich habe überhaupt kein Verhältnis mehr mit ihm.

Für einen Schweizer ist dieser Job eine grosse Ehre. Werden Sie Ihre Tätigkeit von Zürich ausüben oder ziehen Sie nach Asien?

Die Aufgabe ist nicht nur in klimatischer Hinsicht sehr heiss und kann nicht aus Distanz bewältigt werden. Ich muss mich zu 120 Prozent engagieren und nehme mit meiner Frau ab Januar für drei Jahre Wohnsitz in Doha. Die Tochter studiert in Zürich weiter und bleibt während der Semester in unserer Wohnung in Küsnacht.

Sie haben eine wechselvolle Sportkarriere hinter sich. Welchen Stellenwert geben Sie diesem Job?

Leider keine Sportkarriere, sondern nur eine Funktionärslaufbahn. Ich denke, dass ich in Katar vor der schwierigsten Aufgabe meines Lebens stehe und bin froh um all die guten und schlechten Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. In Katar hat es zwar mehr als ausreichend Geld für den Bau der Sportanlagen und den übrigen Aufwand, aber ich muss ohne vorhandene Basis die gesamten organisatorischen Strukturen und die Planung erstellen, ein Team aufbauen, die Vermarktung überwachen und zuletzt alles in den Spielen umsetzen. Dazu kommt gemäss Pflichtenheft auch die Pflege der Beziehungen nach aussen und mit der Regierung. Die Asienspiele werden nicht nur mich, sondern ganz Katar bis aufs Letzte fordern. Nur ein Beispiel: Woher sollen all die Freiwilligen kommen, die es als Helfer für einen solchen Anlass braucht? In Katar hat es gar nicht ausreichend viele Leute, die dafür eingesetzt werden können. Ich freue mich jedenfalls. Langeweile wird es keine geben.



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